Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alzheimerrelevante Proteine entdeckt

20.03.2014

Forscher der Ruhr-Universität Bochum haben zwei alzheimerrelevante Proteine entdeckt. Sie identifizierten bislang unbekannte Interaktionspartner des Proteins FE65, das eine zentrale Rolle für die Erkrankung spielt. Das Team um Dr. Thorsten Müller vom Medizinischen Proteom Center beschreibt die Ergebnisse in der Zeitschrift „Molecular & Cellular Proteomics“.

FE65 spielt eine Rolle bei der Alzheimer-Entstehung


Menschliche Zellen mit einer großen Menge an FE65 enthalten im Zellkern kugelige Strukturen, sogenannte nukleare Sphären. © RUB, Bild: Müller

Wie Alzheimer entsteht, ist nach wie vor unklar. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren aber Schlüsselproteine charakterisiert, die mit der Krankheit in Zusammenhang stehen.

Eines davon ist APP, das amyloide Vorläuferprotein, das im Gehirn der Betroffenen schädliche Proteinablagerungen bildet. Das Protein FE65 steht in Zellen in direktem Kontakt mit APP und kann verschiedene Signalwege in der Zelle anstoßen. Zu diesem Zweck muss es mit weiteren Proteinen wechselwirken. Eine Reihe von potenziellen Interaktionspartnern hat Müllers Team identifiziert.

Großes Ziel: Ansatzpunkte für Therapien finden

Die RUB-Forscher hefteten das Protein FE65 an eine Matrix und inkubierten diese mit Hirngewebe von kürzlich verstorbenen Menschen, das sie für diesen Zweck entsprechend aufbereiteten. Potenzielle Interaktionspartner von FE65 blieben an der Matrix hängen und konnten näher untersucht werden. SV2A und SERCA2 entpuppten sich als Mitspieler von FE65.

Das erste Protein ist wichtig für die Regulation des Kalziumhaushalts, welcher bei Alzheimerpatienten aus dem Gleichgewicht ist. Das zweite Protein ist entscheidend für die Bildung von kleinen Membranbläschen – sogenannten Vesikeln – in der Zelle sowie für die Signalweiterleitung an den Kontaktstellen von Nervenzellen.

Bislang war nicht bekannt, dass es im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit stehen könnte. „Wir haben schon seit Längerem unser Augenmerk auf die Rolle von FE65 in der Entstehung der Alzheimer-Krankheit gelegt“, sagt Thorsten Müller. „Die neuen Erkenntnisse bestätigen uns darin, diesen Weg weiterzugehen. Die Arbeitsgruppe Morbus Alzheimer hat das große Ziel vor Augen, mögliche Ansatzpunkte für dringend benötigte Therapien aufzuzeigen.“

Titelaufnahme

F.N. Nensa et al. (2914): Amyloid Beta A4 Precursor Protein-binding Family B Member 1 (FE65) Interactomics Revealed Synaptic Vesicle Glycoprotein 2A (SV2A) and Sarcoplasmic/Endoplasmic Reticulum Calcium ATPase 2 (SERCA2) as New Binding Proteins in the Human Brain, Molecular & Cellular Proteomics, DOI: 10.1074/mcp.M113.029280

Weitere Informationen

Dr. Thorsten Müller, AG Morbus Alzheimer, Funktionelle Proteomik, Medizinisches Proteom Center der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-29265, E-Mail: thorsten.t.mueller@rub.de

Dr. Julia Weiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: Alzheimer Alzheimer-Krankheit Ansatzpunkte FE65 Matrix Morbus Protein Ruhr-Universität SERCA2 Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie