Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alternativer Entstehungsprozess für Blutkrebs entschlüsselt

12.12.2017

Proteinanalyse zeigt, dass altersbedingte Zellveränderungen Tumore verursachen

Genetische Mutationen wurden in den letzten Jahrzehnten als Ursache für Krebs betrachtet. Moderne post-genomische Analyseverfahren wie Proteomics und Metabolomics erlauben mittlerweile, völlig neue Mechanismen für die Entstehung von chronischen Erkrankungen, wie unter anderen Krebs, zu erkennen.


Mitochondrien im Zentrum des neuen Pathomechanismus.

Copyright: Christopher Gerner


Es stellt sich die Frage, ob genetische Mutationen eher Ursache oder Konsequenz der Erkrankung sind.

Copyright: Christopher Gerner

Christopher Gerner von der Fakultät für Chemie der Universität Wien und sein Team zeigen in einer interdisziplinären Studie einen altersbedingten Mechanismus zur Ausbildung von Blutkrebs auf, bei dem genetische Veränderungen als Folge krankheitsbedingter zellulärer Veränderungen entstehen.

Chronisch lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste Form von Blutkrebs in der westlichen Welt und noch immer unheilbar. Sie tritt typischerweise erst im fortgeschrittenen Alter auf. Die klinische Therapie beruht im Wesentlichen auf Versuchen, die Tumorzellen mittels programmiertem Zelltod zum Absterben zu bringen, wodurch immerhin eine deutliche Verlängerung der Überlebenszeit der PatientInnen erreicht werden kann.

Schon vor knapp einhundert Jahren hat der deutsche Biochemiker Otto Warburg die mögliche Beteiligung von Zellkraftwerken – den Mitochondrien – für Krebserkrankungen erforscht. Der danach folgende überragende Erfolg der Genetik hat viele seiner Beobachtungen obsolet erscheinen lassen. Die aktuelle post-genomische Forschung beschäftigt sich damit, die Rolle von Mitochondrien bei der Entstehung von Tumoren wieder neu zu entdecken.

Eine umfassende Proteinanalyse am Institut für Analytische Chemie, in Kooperation mit dem Rudolfinerhaus und der Medizinischen Universität Wien, hat nun überraschende Ergebnisse gebracht: "Bei der Untersuchung der weißen Blutkörperchen von jüngeren und älteren, jeweils gesunden SpenderInnen und CLL-PatientInnen hat sich gezeigt, dass tumorassoziierte Mutationen nicht zufällig entstehen, sondern von einem durch mitochondrielle Aktivitäten definierten Milieu gezielt selektiert werden können", sagt Christopher Gerner, Professor für Bioanalytik an der Universität Wien, der seit vielen Jahren aktuelle Aspekte der Krebsforschung erforscht.

Die Publikation fügt sich damit nahtlos in eine Reihe aktueller Arbeiten ein, welche die dominante Rolle der Mitochondrien im zellulären Stressmanagement sowie in der genomischen Plastizität und der Ausbildung von Stammzell-Eigenschaften beschreiben.

Die möglichen Konsequenzen für Risikoabschätzung und die Entwicklung neuer Therapiestrategien für Krebserkrankungen sind noch völlig unabsehbar. "Ich bin sehr verblüfft über diese Resultate aus den neuen Forschungsmethoden. Mein durch jahrzehntelange Erfahrung geprägtes Bild dieser Erkrankung erfährt gerade eine umfassende Aktualisierung", so Josef Schwarzmeier vom Rudolfinerhaus, der die PatientInnen dieser Studie betreut, abschließend.

Publikation in "Molecular Cellular Proteomics"
Proteomics and metabolomics identify molecular mechanisms of aging potentially predisposing for chronic lymphocytic leukemia. Rupert L. Mayer, Josef D. Schwarzmeier, Marlene C. Gerner, Andrea Bileck, Johanna C. Mader, Samuel M. Meier-Menches, Samuel M. Gerner, Klaus G. Schmetterer, Tobias Pukrop, Albrecht Reichle, Astrid Slany, Christopher Gerner. Molecular Cellular Proteomics.
DOI: doi:10.1074/mcp.RA117.000425

Wissenschaftlicher Kontakt
Univ.-Prof. Dr. Christopher Gerner
Institut für Analytische Chemie
Universität Wien
1090 Wien, Währinger Straße 38
T +43-1-4277-523 02
christopher.gerner@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Stephan Brodicky
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 41
stephan.brodicky@univie.ac.at

Offen für Neues. Seit 1365
Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 15 Fakultäten und vier Zentren arbeiten rund 9.700 MitarbeiterInnen, davon 6.800 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit auch die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 94.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 175 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. http://www.univie.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.mcponline.org/content/early/2017/12/01/mcp.RA117.000425.full.pdf+html

Stephan Brodicky | Universität Wien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Studie entschlüsselt neue Diabetes-Gene
22.01.2018 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft
22.01.2018 | Humboldt-Universität zu Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics