Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wohin mit all den Daten?

02.11.2010
Dreizehn internationale Forscher rufen dazu auf, die Nachhaltigkeit wissenschaftlicher Ergebnisse und biologischer Ressourcen nicht zu vernachlässigen.

Eine Datenflut rollt um den Globus: Forscher erzeugen dank neuer Methoden und Techniken eine Fülle von Computerdaten und Biobanken, die es zu erhalten gilt. Forschung spielt sich nicht mehr nur wie früher im eigenen Labor ab – dank der Globalisierung sind Wissenschaftler in der ganzen Welt nur eine E-Mail voneinander entfernt.

Dreizehn international hochrangige Forscher, deren Schwerpunkt in der Erforschung der Maus-Genetik liegt, haben sich nun für einen nachhaltigen Umgang mit den gewonnenen Erkenntnissen ausgesprochen.

Der Meinungsbeitrag, an dem sich auch der Abteilungsleiter Prof. Dr. Klaus Schughart vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) beteiligte, ist jetzt in der aktuellen Ausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazins „Science“ erschienen. „Daten müssen frei zugänglich sein und langfristig erhalten bleiben“, fordert Klaus Schughart.

Um sich über bestimmte Gene oder biologische Eigenschaften zu informieren, nutzen Forscher bisher Datenbanken, in denen Ergebnisse und wissenschaftliche Informationen zusammengetragen sind. Diese wertvollen Informationsquellen müssen sich bislang vielfach finanziell selbst tragen. Dabei gab es schon in der Vergangenheit Finanzierungsschwierigkeiten wichtiger Informationsressourcen.

Ein weiteres Problem: Die nachhaltige Finanzierung von Datenbanken sei in den Kosten für Forschungsprojekte häufig nicht vorgesehen. Was geschieht mit den gewonnenen Erkenntnissen, nachdem das Projekt beendet ist? „Wir brauchen nationale und internationale Fördereinrichtungen, die auch in der Zukunft sicherstellen, dass dieses Wissen zugänglich bleibt“, so Schughart, „denn neue Technologien werden dieses Problem zukünftig noch verschärfen.“

In der heutigen Wissenschaftlerwelt findet ein reger Austausch von Daten statt. Außerdem müssen Forscher wie im Fall der Maus-Genetiker für ihre Versuche auf ein Arsenal von verschiedenen Mauslinien (Stämme mit unterschiedlichem genetischen Hintergrund oder sog. Knock-Out-Mutanten, in denen ein bestimmtes Gen ausgeschaltet wurde) zurückgreifen können, die zum Beispiel als Krankheitsmodelle dienen oder bestimmte für die Wissenschaft interessante Eigenschaften haben. Die dreizehn Maus-Genetiker plädieren dafür, auch solche Bioressourcen wie Embryonale Stammzellen oder lebende Tiere von diesen Mauslinien nachhaltig zu pflegen. „Das Europäische Maus-Mutanten Archiv Netzwerk zum Beispiel ist für unsere Arbeit essenziell“, sagt Klaus Schughart, „Finanzierungsprobleme sind nicht nur für unsere Grundlagenforschung eine Gefahr, sondern für die gesamte Gesundheitsforschung des Menschen.“

Denn Labormäuse sind die wichtigsten Modelle von Wissenschaftlern, um Krankheiten zu erforschen. In der Zukunft werden Maus-Experten weltweit umfangreiche Daten über eine Vielzahl von genetisch unterschiedlichen Mausfamilien sowie Knock-Out-Mäuse sammeln. Dies ist auch eine wichtige Chance für klinische Forscher, die an Krankheitsbildern des Menschen arbeiten: „Wir müssen zudem in der Zukunft Datenbanken mit menschlichen Erkrankungen mit Datenbanken für Maus-Mutanten, die ähnliche Krankheitsbilder aufweisen, zusammenbringen und abgleichen“, so Schughart. Es könne dann in der Zukunft möglich sein, leichter eine Knock-Out-Maus zu finden, mit deren Hilfe zum Beispiel eine Therapie gegen eine Krankheit entwickelt werden könne. „Dies hängt aber entscheidend davon ab, ob Wege gefunden werden, diese Daten- und Biobanken finanziell aufrecht zu erhalten“, sagt Schughart. Die Forscher betrachten dies als eine große Herausforderung für die Zukunft, die nur in internationalen Kooperationen zu bewältigen ist.

Originalartikel: Research funding. Sustaining the data and bioresource commons. Schofield PN, Eppig J, Huala E, de Angelis MH, Harvey M, Davidson D, Weaver T, Brown S, Smedley D, Rosenthal N, Schughart K, Aidinis V, Tocchini-Valentini G, Hancock JM. Science. 2010 Oct 29;330(6004):592-3

Dr. Bastian Dornbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Berichte zu: Biobank Maus-Genetiker Maus-Mutanten Mauslinien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops