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Können Affen in Kulturlandschaften überleben?

30.08.2013
Göttinger Wissenschaftler untersuchen Artenvielfalt von Primaten im Regenwald von Uganda

Wissenschaftler der Universität Göttingen haben herausgefunden, dass Affen in großer Zahl in gemischten tropischen Agrarlandschaften überleben können. Bisher galt dies nur für Vögel und Schmetterlinge, die bei der Frage nach dem Artenvorkommen in der Umgebung von Schutzgebieten oft als Indikatorgruppen verwendet wurden.


Stummelaffen können hohe Siedlungsdichten in Waldinseln und Galeriewäldern erreichen.
Foto: Universität Göttingen


Waldinsel und kleinbäuerliche Nutzung am Rande des Budongo-Schutzgebiets in Uganda.
Foto: Universität Göttingen

Weil die Weltbevölkerung zunimmt und der Bedarf an Ackerland steigt, schwindet in weiten Teilen der Tropen der Regenwald dramatisch. Schutzgebiete sollen die Biodiversität bewahren, sind aber zunehmend isoliert und oft zu klein, um langfristiges Überleben von Wildtieren zu sichern. Derzeit wird in vielen Studien untersucht, wie sich die Agrarlandschaft gestalten lässt, um den Schutz der Biodiversität trotz intensiver Nutzung zu garantieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Journal for Nature Conservation erschienen.

Mit ihren Untersuchungen am Rande eines Nationalparks in Uganda konnten die Forscher zeigen, dass dort bis zu 90 Stummelaffen, Meerkatzen und sogar Schimpansen pro Quadratkilometer leben. „Voraussetzung für das Vorkommen dieser Arten ist die Einbettung von Waldinseln und Galeriewäldern in das Mosaik aus verschiedenen Anbauflächen“, sagt Victor Blanco, Biologiestudent der Universität Göttingen. In der untersuchten Landschaft betrug der Flächenanteil an Anbauflächen und Nichtwald-Nutzungen zwischen 40 und 50 Prozent.

Wie die Studie zeigt, können auch für Wirbeltiere geeignete Pufferzonen und Korridore in tropischen Agrarlandschaften eingerichtet werden. „Diese müssen aber sowohl ein Minimum an Naturwald besitzen als auch frei von Bejagung sein“, sagt Privatdozent Dr. Matthias Waltert, Naturschutzbiologe an der Universität Göttingen und Initiator der Studie. „Die Bedeutung der Arbeit liegt in der Auswahl der untersuchten Landschaft, wo wegen lokal existierender Tabus kein Affenfleisch gegessen wird und Affen auch nicht gejagt werden.“ Dr. Waltert hält außerdem eine stärkere Förderung von Untersuchungen an Wirbeltieren im Rahmen angewandter Naturschutz- und Nachhaltigkeitsforschung für notwendig.

Originalveröffentlichung: Victor Blanco, Matthias Waltert (2013): Does the tropical agricultural matrix bear potential for primate conservation? A baseline study from Western Uganda. Journal for Nature Conservation. Doi: http://dx.doi.org/10.1016/j.jnc.2013.04.001.

Hinweis an die Redaktionen:
Ein weiteres Foto zum Thema haben wir unter http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=4545 zum Download bereitgestellt.
Kontaktadresse:
PD Dr. Matthias Waltert
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Biologie und Psychologie
Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie
Abteilung Naturschutzbiologie
Bürgerstraße 50, 37073 Göttingen, Telefon (0551) 39-22313
E-Mail: mwalter@gwdg.de
Internet: http://www.uni-goettingen.de/en/117392.html

Thomas Richter | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de
http://www.uni-goettingen.de/en/117392.html

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