Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ätherische Öle: Ahnenforschung bei Petersilie

15.09.2008
Zusammensetzung ätherischer Öle verrät viel über Verwandtschaftsverhältnisse.

Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) und der Deutschen Genbank am IPK Gatersleben untersuchen Weltsortiment der grünen Gewürzpflanze.

219 mal Petersilie - von kraus bis glatt, von Wurzel bis Blatt - so viele Sorten umfasst die Weltkollektion der grünen Gewürzpflanze. Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Quedlinburg und der Deutschen Genbank des Leibnizinstitutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben haben sie alle untersucht.

Ihr Ziel war es, u.a. Unterschiede in der Zusammensetzung der flüchtigen Inhaltsstoffe, die dem Küchenkraut sein typisches Aroma verleihen, in Relation zu ihren Genen zu bringen. Es stellte sich heraus, dass sich einerseits äußere Merkmale der Pflanze mit bestimmten Genotypen decken und sich letztlich auch verschiedenen Chemotypen zuordnen lassen.

So ergaben die molekularen Analysen, dass sich alle 219 getesteten Herkünfte, unter ihnen ein hoher Anteil alter Landsorten, klar zwei großen Gruppen zuordnen lassen. Ein Blick auf die Merkmale ergab, dass alle Wurzelpetersilien ausnahmslos zu der nur 87 Genotypen umfassenden Gruppe gehörten. Alle Petersilien mit krausen Blättern tauchten in der größeren Gruppe mit 132 Genotypen auf. Die Arten mit glatten Blättern verteilten sich auf beide Gruppen. "Auf die Verwandtschaftsverhältnisse übertragen bedeutet dies, dass der Urahn der Petersilie wahrscheinlich glatte Blätter und eine ungenießbare Wurzel hatte. Formen mit rübenartig verdickter, essbarer Wurzel haben sich später herausgebildet. Alle krausblättrigen Typen haben ebenfalls einen jüngeren gemeinsamen Nachfahren", interpretiert Dr. Frank Marthe vom JKI das Ergebnis. Besonders interessant ist, dass z.B. alle Petersilien aus Nordafrika (Tunesien und Libyen) zur kleineren Gruppe gehören. "Das zeigt, dass hier unter speziellen klimatischen Bedingungen nur bestimmte Formen überleben konnten, während im Rest der Welt verschiedene Typen weiterkultiviert wurden", erklärt der Wissenschaftler vom JKI.

Die chemischen Analysen der Zusammensetzung der ätherischen Öle ergaben für vier Bestandteile ebenfalls eine weitgehende Übereinstimmung mit den ermittelten Herkunftsgruppen. Unter den getesteten Petersilien gab es solche, die sich als Myristicin-Typen klassifizieren lassen aber auch solche, die reine Apioltypen sind. So liegen beispielsweise die Apoilgehalte der kleineren Gruppe unter einem Prozent, während in der größeren Gruppe der Gehalt bei durchschnittlich 15 Prozent liegt. Für den geruchsintensiven Stoff Myrcen kehren sich diese Verhältnisse genau um. Beide Stoffe (Apiol und Myrcen) sind für die krampflösende, mild harntreibende und stark uterusanregende Wirkung von Petersilienfrüchten mitverantwortlich. Myristicin sorgt für eine typisch würzige Muskatnussnote. Der Geschmackseindruck ist scharf.

Die Ergebnisse dieser ersten Verwandtschaftsanalyse von Petroselinum crispum, so der wissenschaftliche Name der Petersilie, sind wichtig für weitere Untersuchungen der Steuerung von Stoffwechselprozessen aber auch für die Züchtungspraxis beispielsweise wenn es um den Zusammenhang zwischen Inhaltsstoffen und bestimmten pflanzlichen Resistenzeigenschaften gegen Schaderreger geht.

Die Ergebnisse wurden vergangene Woche auf der internationalen Tagung über ätherische Öle in Quedlinburg vorgestellt.

Hintergrundinformation zur Petersilie:
Die Heil- und Gewürzpflanze Petersilie blickt auf eine lange Nutzungstradition zurück. So wurde sie im antiken Griechenland als heilige Pflanze angesehen. Petroselinum crispum zählt zu den meistverwendeten Küchenkräutern in Deutschland. Die Wurzelpetersilie (Petroselinum crispum var tuberosum) ist traditionell Bestandteil von Suppengrün. Auf mehr als 1700 ha wird in Deutschland Petersilie kultiviert.
Ihr wissenschaftlicher Ansprechpartner vor Ort:
Dr. Frank Marthe
Institut für Züchtungsforschung an gartenbaulichen Kulturen und Obst am
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Erwin-Baur-Str. 27, 06484 Quedlinburg
Tel: 03946 / 47-420
E-Mail: frank.marthe(at)jki.bund.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de
http://www.jki.bund.de/cln_045/nn_813794/DE/pressestelle/Presseinfos/2008/0209__AetherischePflanzenoele.html__nnn=true

Weitere Berichte zu: Ahnenforschung GenBank Genotyp Gewürzpflanze JKI Myrcen Petersilie Petersilien Petroselinum Wurzel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Maßgeschneiderte Nanopartikel gegen Krebs gesucht
29.06.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Elektrisch leitende Hülle für Bakterien
29.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der schärfste Laserstrahl der Welt

Physikalisch-Technische Bundesanstalt entwickelt einen Laser mit nur 10 mHz Linienbreite

So nah an den idealen Laser kam bisher noch keiner: In der Theorie hat ein Laser zwar genau eine einzige Farbe (Frequenz bzw. Wellenlänge). In Wirklichkeit...

Im Focus: Wellen schlagen

Computerwissenschaftler verwenden die Theorie von Wellenpaketen, um realistische und detaillierte Simulationen von Wasserwellen in Echtzeit zu erstellen. Ihre Ergebnisse werden auf der diesjährigen SIGGRAPH Konferenz vorgestellt.

Denkt man an einen See, einen Fluss oder an das Meer, so sieht man vor sich, wie sich das Wasser kräuselt, wie Wellen gegen die Felsen schlagen, wie Bugwellen...

Im Focus: Making Waves

Computer scientists use wave packet theory to develop realistic, detailed water wave simulations in real time. Their results will be presented at this year’s SIGGRAPH conference.

Think about the last time you were at a lake, river, or the ocean. Remember the ripples of the water, the waves crashing against the rocks, the wake following...

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der schärfste Laserstrahl der Welt

29.06.2017 | Physik Astronomie

Maßgeschneiderte Nanopartikel gegen Krebs gesucht

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wolken über der Wetterküche: Die Azoren im Fokus eines internationalen Forschungsteams

29.06.2017 | Geowissenschaften