Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ältester Nachweis für tierisches Leben entdeckt

05.02.2009
Chemische Schwammfossilien sind über 635 Mio. Jahre alt

Mit einem Alter von 635 Mio. Jahren schlagen Schwämme, die Forscher der University of California im Südoman entdeckten, alle bisherigen Rekorde der Paläontologie.

Bei Untersuchungen von Felsen aus dieser Zeit konnten chemische Bestandteile der Zellmembran von Hornkieselschwämmen nachgewiesen werden. Diese frühesten Vielzeller lebten somit noch 100 Mio. Jahre vor dem Kambrium, mit dem das klassische geologische Erdaltertum beginnt und aus dem die bisher frühesten Tierfunde gesichert waren. Publiziert wurden diese Forschungen im Magazin "Nature".

Die US-Forscher untersuchten Kohlenwasserstoffe, die in Sedimentgesteinen der Huqf-Region im Süden des Oman eingeschlossen waren. Sie fanden dabei eine Cholesterinverbindung, die man bisher nur als Strukturbildner der Zellmembran von Hornkieselschwämmen kennt. Bei den nächsten einzelligen Verwandten der Schwämme kommt diese Verbindung hingegen nicht vor.

"Schwämme leben auf dem Meeresgrund, sie wachsen anfangs im seichten Wasser und dringen im Lauf der Zeit in die Tiefen vor. Das lässt auf die Existenz einer sauerstoffhältigen ozeanischen Umgebung nahe am Meeresgrund schon vor 635 Mio. Jahren schließen", betont Studienleiter Gordon Love. Aufgrund der großen Mengen der Cholesterinverbindungen, die er im Gestein fand, geht er von einer weiten Verbreitung der Schwämme vor Beginn des Kambriums aus.

"Ein außerordentlicher Fund. Schon bisher nahm man an, dass es in dieser Zeit Vielzeller gab, dennoch ist dies der erste Nachweis", bestätigt Johann Hohenegger vom Wiener Institut für Paläontologe gegenüber pressetext. Da es im Präkambrium noch keine Tiere mit harten Schalen oder Skeletten gegeben habe, sei man bisher auf Funde von Abdrücken etwa von Quallen angewiesen gewesen. Der Nachweis der Hornkieselschwämme sei jedoch auch aus einem anderen Grund bedeutend. "Bisherige frühe Funde sind vor allem von vereinzelten Fossilen, die man kaum mit der heutigen Klassifizierung zuordnen kann. Wichtig erscheint bei dieser Entdeckung, dass es sich um Gruppen handelt, die auch heute noch existieren", betont Hohenegger.

In der Spätphase des Proterzoikums, wie die Zeit vor einer Mrd. bis 542 Mio. Jahren genannt wird, fand die Diversifikation der ersten Mehrzeller mit eigenen Zellkernen statt, die sich somit vom Bakterienniveau abhoben. "Nach Ende der präkambrischen Vereisung kam es zu einer Explosion von Organismen, die jedoch nur Weichtiere waren und somit kaum Spuren hinterließen", so Hohenengger.

Ein großer Ozean mit nur wenig Landflächen bestimmte zu dieser Zeit das Erscheinungsbild der Erde, die Meere enthielten Sauerstoff und auch das Klima war bereits der heutigen Zeit ähnlich. Hundert Mio. Jahre später, in der sogenannten kambrischen Revolution ab 530 Mio. Jahren, bildeten sich eine Unzahl von Tieren, die auch bereits Hartteile besaßen, während die pflanzlichen Organismen auf dem Algenniveau blieben.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ucr.edu
http://www.univie.ac.at/Palaeontologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Evolutionsvorteil der Strandschnecke
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Mobile Goldfinger
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie