Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Älter dank Nahrungsergänzungsmittel

10.04.2014

Glukosamin verlängert das Leben im Tierversuch

Nicht nur viel Bewegung und eine gesunde Ernährung erhalten die Vitalität im Alter, auch der bewusste Griff zu Nahrungsergänzungsmitteln kann ratsam sein. Darauf weist eine neue Studie von Wissenschaftlern des interdisziplinären „Jenaer Zentrums für Systembiologie des Alterns – JenAge“ hin, deren Ergebnisse nun in dem international renommierten Journal Nature Communications veröffentlicht werden.


Älter dank Nahrungsergänzungsmittel - Glukosamin verlängert das Leben im Tierversuch

Grafik: Kerstin Wagner (FLI),Quelle: ©adpic.de/ E. Wodicka

Dauerhaft sehr große Belastungen und Stress wirken sich nachteilig auf die Gesundheit aus und lassen uns frühzeitig altern. Positiv dagegen ist der sogenannte „milde Stress“: kleine Störeinwirkungen, die im Körper Schutz- und Selbstheilungskräfte aktivieren.

Diese Prozesse untersucht das Wissenschaftlerteam des „JenAge“-Konsortiums. In einem Experiment wurden alternde Würmer und Mäuse mit dem Nahrungsergänzungsmittel Glukosamin gefüttert und dabei Bemerkenswertes festgestellt: Das Leben der Würmer verlängerte sich durchschnittlich um fünf Prozent, das der Mäuse gar um zehn.

Glukosamin ist seit Jahrzehnten frei verkäuflich und wird vor allem zur Verbesserung der Gelenkfunktion und Regeneration von lädiertem Knorpel beim Menschen eingesetzt. Sowohl bei den Fadenwürmern als auch bei den einhundert Wochen alten Mäusen – das entspricht einem menschlichen Alter von 65 Jahren – zeigte sich, dass der Zuckerabbau durch die Fütterung mit Glukosamin gebremst wurde.

Der Blutzucker-Stoffwechsel der Mäuse verbesserte sich. Im Vergleich zu ihren Artgenossen, die kein Glukosamin erhielten, wurden die Mäuse im Schnitt zehn Prozent älter, was einer Steigerung der menschlichen Lebenserwartung von acht Jahren entsprechen würde.

Michael Ristow,bis 2013 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und heute an der ETH Zürich, leitete die Studie und vergleicht diesen Effekt mit dem einer kohlenhydratarmen Diät, nur dass die Mäuse ihr sonstiges Fressverhalten dafür nicht ändern mussten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Glukosamin auch beim Menschen eine solche Änderung des Stoffwechselzustands herbeiführen könnte.

Zur systembiologischen Analyse wurden Proben aus den Experimenten der Arbeitsgruppe Ristow an das Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena weitergegeben. Dort bestimmte der Molekulargenetiker Marco Groth die Aktivität fast aller Gene. Im benachbarten Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI) konnten mit statistischen Tests diejenigen Gene gefunden werden, deren Funktion durch die Nahrungsergänzung verändert wurden. „Wir wollten herausfinden, welche Gene an der lebensverlängernden Wirkung von Glukosamin beteiligt sind, um den Effekt verstehen zu können“, so Steffen Priebe aus der Forschungsgruppe Systembiologie und Bioinformatik am HKI.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit von Medizinern, Genetikern, Biochemikern und Bioinformatikern zweier Universitäten und dreier Leibniz-Institute durchgeführt. „Einer der Gründe, warum diese Kooperation so erfolgreich war“, sagt Jürgen Sühnel, Koordinator von „JenAge“, „durch die starke interdisziplinäre Vernetzung der Forschungsgruppen, werden die Informationen ständig ausgetauscht und für die Weiterentwicklung von Folgeexperimenten genutzt.“ Ob Glukosamin auch beim Menschen lebensverlängernd wirkt, ist noch nicht klar. Eine 2012 publizierte US-amerikanische Bevölkerungsstudie deutet allerdings darauf hin.„Die Wahrscheinlichkeit ist hoch“, betont Michael Ristow.

Publikation

Weimer S, Priebs J, Kuhlow D, Groth M, Priebe S,Mansfeld J, Merry TL, Dubuis S, Laube B, Pfeiffer AF,Schulz TJ, Guthke R, Platzer M, Zamboni N, Zarse K & Ristow M. D-Glucosamine supplementation extendslife span of nematodes and of ageing mice. Nature Communications2014, 5, 3563, doi: 10.1038/ncomms4563.

Informationen zum FLI

Das Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena ist das erste deutsche Forschungsinstitut, das sich seit 2004 der biomedizinischen Altersforschung widmet. Über 330 Mitarbeiter aus 30 Nationen forschen zu molekularen Mechanismen von Alternsprozessen und alternsbedingten Krankheiten. Näheres unter www.fli-leibniz.de.

Die BMBF-Initiative „Systembiologie für die Gesundheit im Alter – GerontoSys“ fördert Forschungsprojekte, die das komplexe Zusammenspiel altersbedingter Prozesse beim Menschen systematisch erfassen und so perspektivisch zur Entwicklung effektiver Therapien für ältere Patienten beitragen können. Im Rahmen dieser Initiative wird seit Ende 2009 auch das Verbundvorhaben „JenAge – Systembiologie von mildem Stress beim gesunden Altern - ein Multi-Spezies-Ansatz“ gefördert. Ziel ist es, durch milden Stress aktivierte Stoffwechselwege zu identifizieren und deren Rolle bei Alterungsprozessen aufzuklären. Dem liegt der Gedanke zugrunde, dass milder Stress für Zellen, Gewebe und Organe als Anstoß wirkt, die eigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren und so Schaden zu beseitigen, der ansonsten zum Alterungsprozess beitragen würde. Es wird ein Multi-Spezies-Ansatz mit Untersuchungen an Wurm, Maus, Fisch und Mensch verwendet, der die Möglichkeit bietet, speziesübergreifend konservierte Stoffwechselwege zu identifizieren. Die durch das JenAge-Konsortium erzielten Resultate können zum gesünderen Altern in einer insgesamt älter werdenden Gesellschaft beitragen. Näheres unter www.jenage.de.

Informationen zum HKI

Das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – wurde 1992 gegründet und gehört seit 2003 zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des HKI befassen sich mit der Infektionsbiologie human-pathogener Pilze. Sie untersuchen die molekularen Mechanismen der Krankheitsauslösung und die Wechselwirkung mit dem menschlichen Immunsystem. Neue Naturstoffe aus Mikroorganismen werden auf ihre biologische Aktivität untersucht und für mögliche Anwendungen als Wirkstoffe zielgerichtet modifiziert.

Das HKI verfügt über fünf wissenschaftliche Abteilungen, deren Leiter gleichzeitig berufene Professoren der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) sind. Hinzu kommen mehrere Nachwuchsgruppen und Querschnittseinrichtungen mit einer integrativen Funktion für das Institut, darunter das anwendungsorientierte Biotechnikum als Schnittstelle zur Industrie. Gemeinsam mit der FSU betreibt das HKI die Jena Microbial Resource Collection, eine umfassende Sammlung von Mikroorganismen und Naturstoffen. Zurzeit arbeiten mehr als 350 Personen am HKI, davon 120 als Doktoranden.

Das HKI ist Initiator und Kernpartner großer Verbundprojekte wie der Exzellenz-Graduiertenschule Jena School for Microbial Communication, des Sonderforschungsbereiches/Transregio FungiNet, des Zentrums für Innovationskompetenz Septomics sowie von InfectControl 2020 – Neue Antiinfektionsstrategien, einem Vorhaben im BMBF-Programm Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation. Seit 2014 ist das HKI Nationales Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen.

Informationen zur Leibniz-Gemeinschaft

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 89 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an.

Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der WissenschaftsCampi –, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam.

Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 17.200 Personen, darunter 8.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,5 Milliarden Euro.

Ansprechpartner

Dr. Kerstin Wagner
Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI)
Beutenbergstraße 11
07745 Jena
+49 3641 656378 (T)
+49 3641 656351 (F)
rake@fli-leibniz.de
presse@fli-leibniz.de

Dr. Michael Ramm
Wissenschaftliche Organisation
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e. V.
– Hans-Knöll-Institut –
Adolf-Reichwein-Straße 23
07745 Jena
+49 3641 5321011 (T)
+49 1520 1848494 (M)
+49 3641 5320801 (F)
michael.ramm@hki-jena.de
Presseservice: pr@hki-jena.de

Weitere Informationen:

http://www.presse.hki-jena.de
http://www.jenage.de

Tina Kunath | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt
22.05.2018 | Technische Universität München

nachricht Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen
22.05.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Latest News

Designer cells: artificial enzyme can activate a gene switch

22.05.2018 | Life Sciences

PR of MCC: Carbon removal from atmosphere unavoidable for 1.5 degree target

22.05.2018 | Earth Sciences

Achema 2018: New camera system monitors distillation and helps save energy

22.05.2018 | Trade Fair News

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics