Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Abkürzung zu nachhaltiger Fischerei

02.07.2012
Biologen aus Kiel und Vancouver präsentieren einfache Berechnungsmethode
Die Berechnung, bei welchen Fangmengen ein Fischbestand langfristig den größten Ertrag erbringt, ist bisher sehr aufwendig. Dr. Rainer Froese vom GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Dr. Steven Martell von der University of British Columbia präsentieren jetzt in der Fachzeitschrift „Fish and Fisheries“ eine neue, einfache und kostengünstige Methode, die auch die Reform der europäischen Fischerei beschleunigen könnte.

Das Ziel klingt einfach wie sinnvoll: 1982 einigten sich über 160 Staaten der Erde darauf, Fischerei so nachhaltig zu betreiben, dass alle Fischbestände langfristig den größtmöglichen Ertrag (engl: Maximum Sustainable Yield, MSY) liefern. So steht es im internationalen Seerechtsabkommen UNCLOS, das 1994 in Kraft trat und auch von Deutschland und allen Ländern der Europäischen Union ratifiziert wurde. Doch während Staaten wie die USA, Australien oder Neuseeland schon vor Jahren begonnen haben, ihre Fischereien auf dieses Ziel hin auszurichten, begannen entsprechende Reformen in der EU erst 2012.

Ein Grundproblem für alle Reformversuche ist, den MSY genau festzulegen. „Bisher benötigte man dazu eine längere Zeitserie der Anzahl der Fische, die zu einem bestimmten Bestand gehören“, erklärt Fischereibiologe Dr. Rainer Froese vom GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Solche Bestandsabschätzungen lassen sich aber nur mit aufwendiger und kostenintensiver Forschung ermitteln. Für viele Fischbestände ist MSY daher unbekannt. In der internationalen Fachzeitschrift „Fish and Fisheries“ präsentiert Dr. Froese jetzt zusammen mit Dr. Steven Martell von der University of British Columbia eine neue Methode, den MSY mit viel weniger Aufwand und auf Grundlage leicht zugänglicher Daten zu ermitteln.

Die beiden Forscher nutzen statt der Gesamtzahl der Fische eines Bestandes die Menge der von Fischern gefangenen Tiere. „Das sind Daten, die die entsprechende Behörden sowieso erheben“, erklärt Dr. Froese. Die Forscher setzen sie in Verbindung mit der Fähigkeit einer Fischart, sich zu regenerieren. „Das wiederum ist biologische Grundlagenforschung. Es geht um die Frage der Widerstandsfähigkeit, also wie schnell ein Fischbestand Verluste durch Fischerei ausgleichen kann. Bei den meisten Arten gibt es dazu Erkenntnisse, die auch in der globalen online-Datenbank FishBase erfasst sind“, erklärt der Kieler Fischereibiologe. Aus dem Verhältnis der Fangmengen und der Regenerationsfähigkeit lässt sich dann mit einigen Zwischenschritten der MSY berechnen.

Um die neue, zunächst theoretische Idee zu testen, wendeten Dr. Froese und Dr. Martell sie auf 148 sehr verschiedene Fischbestände an, für die aufgrund früherer Studien bereits Erkenntnisse zum MSY vorlagen. „Die Ergebnisse, die wir mit unserer einfachen Methode erzielt haben, entsprechen weitgehend denen schon existierender Studien, die aber mit viel größerem Aufwand erzielt wurden“, betont Dr. Froese.

Die von Dr. Martell und Dr. Froese vorgestellte Methode könnte vor dem Hintergrund der Bemühungen um eine Reform der europäischen Fischerei sehr praktische Auswirkungen haben. Bis 2020 sollen in der EU die Fangquoten für solche Fischbestände hoch bleiben, bei denen kein gesicherter Referenzpunkt für nachhaltige Fischerei festgelegt werden konnte. Das haben die europäischen Landwirtschaftsminister in einem Treffen am 12. Juni 2012 entschieden. „Im Moment würde das für die Mehrzahl der europäischen Fischbestände gelten, weil einfach die Daten fehlen. Mit der neuen Methode zur Berechnung des MSY entfällt dieses Argument für hohe Fangquoten“, erklärt Dr. Froese.

Originalarbeit:
Martell, S., R. Froese (2012): A simple method for estimating MSY from catch and resilience. Fish and Fisheries, http://dx.doi.org/10.1111/j.1467-2979.2012.00485.x

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.geomar.de/
http://www.fishbase.org/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics