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Gewalt, Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus - Phänomene, die nach Ansicht von Bildungsforschern der Friedrich-Schiller-Universität Jena besonders unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den letzten Jahren immer mehr zugenommen haben.
"Grund ist nicht selten eine unzureichende Erziehung zu tolerantem Verhalten gegenüber Andersartigkeit", weiß Dr. Zoltán Samu vom Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Jena. Wenn das zu Hause nicht geschieht, ist die Schule die einzige Institution, die alle Kinder und Jugendlichen erreichen und für demokratisches Handeln sensibilisieren kann.
"Verstehen gilt als eine der wichtigsten Prämissen für eine störungsfreie Begegnung und Interaktion mit verschiedenen interkulturell konditionierten Konfliktsituationen", weiß Dr. Samu. "Deshalb sei es notwendig, den Prozess des Verstehens fremder Kulturen speziell zu fördern und so die Jugendlichen für eine angemessene Begegnung mit dem Fremden zu sensibilisieren", so der Mitarbeiter am Lehrstuhl für Schulpädagogik und Schulentwicklung weiter. "Leider wird die Entwicklung solcher Verstehensprozesse in der Schule häufig nicht ausreichend gefördert", so Samu. "Im Gegenteil", bedauert er, "teilweise wird sie gar regelrecht unterdrückt."
Methodische Hilfen für Lehrer
Um Lehrern entsprechende methodische Hilfen in die Hand zu geben, hat der gebürtige Ungar Verstehen als Prozess der Perspektivenübernahme und Personenwahrnehmung mit handlungsnaher Reflexion bei Jugendlichen empirisch untersucht. Seine Arbeit, mit der er sich vor kurzem habilitiert hat, war eingebettet in das Schulentwicklungsprogramm "Demokratie lernen und leben". Dieses wurde 2001 unter maßgeblicher Beteiligung des Jenaer Lehrstuhls für Schulpädagogik und Schulentwicklung von Prof. Dr. Peter Fauser ins Leben gerufen.
"Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht die Evaluation eines eigens konzipierten Trainingsprogramms, das die soziale Kompetenz Jugendlicher zur Perspektivenübernahme fördern und eine konstruktive Veränderung stereotyper vorurteilsbehafteter Einstellungsstrukturen bewirken soll", erläutert Dr. Zoltán Samu. Dafür arbeitete er mit Jugendlichen aus Deutschland und Ungarn zusammen, die ein ganzes Schuljahr an dem Trainingsprogramm teilnahmen. In internationalen Jugendcamps in Hoyerswerda, Chomutov (Tschechische Republik) und Kistelek (Ungarn) absolvierten die 15 und 16 Jahre alten Schüler verschiedene Trainingseinheiten, wie Rollenspiele zur Eigen- und Fremdwahrnehmung sowie Übungen zur sozialen Interaktion im interkulturellen Rahmen.
"Wir konnten in der Tat eine interventionsbedingte positive Veränderung beim Perspektivenwechsel feststellen, die sich in einer Abnahme von Vorurteilswerten manifestierte", sagt Dr. Samu. "Allerdings haben wir bei Empathie, der anderen Komponente sozialer Kognitionen, überraschenderweise keinen nennenswerten Einfluss feststellen können", so der Erziehungswissenschaftler von der Universität Jena weiter. Aus seiner Sicht gibt es dafür zwei mögliche Erklärungen: Einerseits könnte es sich bei Empathie um ein im Jugendalter relativ geschlossenes, bereits stabiles Persönlichkeitsmerkmal handeln. Durch diese bemerkenswerte Konsistenz zeige Einfühlungsvermögen eine gewisse Resistenz gegenüber äußeren Einflüssen. Andererseits weisen die gewonnenen Daten darauf hin, dass in den einzelnen Trainingseinheiten kognitive Elemente stärker repräsentiert waren als empathiefördernde Bestandteile. "Um komplexere Strukturen sozialer Handlungskompetenzen und damit eine breitere Wirksamkeit erzielen zu können, sollte die methodisch-inhaltliche Zusammensetzung des Trainingsprogramms für zukünftige Studien weiterentwickelt werden", so Samu.
Berater für Demokratieerziehung ausbilden
Die Ergebnisse der von der EU geförderten Studie werden jetzt in eine unter der Federführung des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) durchgeführte Lehrerfortbildung einfließen, deren Auftaktveranstaltung am 27. April in Erfurt stattfindet. Ziel ist die Ausbildung von Beratern für Demokratieerziehung in allen elf Thüringer Schulamtsbezirken. Dr. Zoltán Samu, der selbst eine dreijährige Ausbildung zum Berater für Demokratiepädagogik durchlaufen hat, wird dabei u. a. das Modul "Extremismus und Gewalt/Fremdenfeindlichkeit" mit betreuen. "Ich hoffe, dass meine Arbeit dazu beiträgt, junge Menschen für einen verständnisintensiven toleranten Umgang miteinander und damit für eine störungsfreie Begegnung mit dem Fremden zu sensibilisieren."
Kontakt:
Dr. Zoltán Samu
Institut für Erziehungswissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Planetarium 4, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945360
E-Mail: z.samu[at]uni-jena.de
Manuela Heberer | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-jena.de
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