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Mit Parametern aus der Sozialforschung und der Psychologie wird die unterschiedliche Anpassung von Studierenden an die Bedingungen des Studiums abgebildet. Nach einer ersten Befragungsrunde konnten acht typische Muster identifiziert und beschrieben werden. Hochschulen können auf dieser Basis Maßnahmen entwickeln, die im Idealfall für alle Studierenden die Wahrscheinlichkeit erhöhen, das Studium erfolgreich abzuschließen.
"In den USA ist "student engagement" seit langem eine wichtige Kennziffer für ein gutes Studienangebot", sagt Projektleiterin Hannah Leichsenring.
In Deutschland gibt es positive Ansätze für einen chancenorientierten Umgang mit Diversität. Jedoch herrscht unter den Lehrenden noch eine hohe Normalitätserwartung vor. Dies zeigt eine Befragung von Studierenden und Professor(inn)en, die CHE Consult durchgeführt hat.
"In der Konsequenz werden Abweichungen vom Ideal als Makel oder gar als "Studierunfähigkeit" missverstanden", kritisiert Hannah Leichsenring. Die erste Befragungsrunde mit dem neuen Instrument CHE-QUEST, an der fast 8.800 Studierende teilgenommen haben, zeigt dagegen, dass nur circa 13 Prozent der Studierenden dem Bild der "Wunschkandidat(inn)en" entsprechen. "Wer die Chancen ignoriert, die in unterschiedlichen Begabungen stecken, verschwendet wichtige Potenziale", betont Leichsenring.
CHE-QUEST arbeitet erstmalig mit einer Kombination aus soziometrischen und psychometrischen Daten. Die psychometrischen Items wurden in der Auswertung zu zehn für den Studienerfolg relevante Faktoren, wie zum Beispiel Erwartungen, Identifikation mit der Hochschule, Zielstrebigkeit, Gemütsverfassung, Theorieaffinität und anderen mehr, zusammengefasst. Mit Hilfe einer Clusteranalyse wurden in den Daten Studententypen identifiziert, die jeweils verschiedene Adaptationsmuster an die Hochschule repräsentieren. Das Spektrum reicht von den "Wunschkandidat(inn)en", über die "Lonesome Rider", die "Pragmatiker(innen)", die "Ernüchterten" und die "Pflichtbewussten" bis zu den "Nicht-Angekommenen", den "Mitschwimmer(innen)" und den "Unterstützungsbedürftigen".
Aus den Daten ergibt sich zum Beispiel, dass Migrant(inn)en sich nicht deutlich schwerer tun mit der Adaption an die Studiensituation im deutschen Bildungssystem. Bis zur Hochschule kommen sozusagen nur "Survivor", also diejenigen Migrant(inn)en, die sich ab dem Kindergarten bis zum Abitur im Schulsystem bereits erfolgreich behaupten konnten. Diese Situation wird sich erst ändern, wenn die hohe Selektivität bis zum Übergang ins tertiäre Bildungssystem erfolgreich bekämpft worden ist. Die Migrant(innn)en, die derzeit studieren, weisen verglichen mit dem Durchschnitt der Studierenden nur geringfügig andere Misserfolgsrisiken beziehungsweise Anpassungsprobleme an die Hochschule auf.
"Betrachtet man die Ergebnisse von CHE-QUEST, sieht man, dass beim Thema Diversität an der Hochschule andere Muster relevant sind, als die gängigen Vorstellungen von Benachteiligung implizieren. Das heißt, dass auch über andere Maßnahmen nachgedacht werden muss, wenn man bessere Studienbedingungen erreichen will", sagt Leichsenring. So zeigt sich zum Beispiel umgekehrt, dass alle Formen von Engagement, ob sozial, politisch oder auch sportlich, ob in der Hochschule oder außerhalb positiv mit einer guten Adaption korrelieren.
CHE Consult arbeitet in zwei großen Projekten, "Ungleich besser! Verschiedenheit als Chance" und "Vielfalt als Chance" am Thema Diversity Management an Hochschulen. Dabei werden zum einen in einem gemeinsamen Programm mit dem Stiftverband für die Deutsche Wissenschaft in einem Benchmarketingverfahren Qualitätsstandards entwickelt. Aus den Standards soll ein Auditierungsverfahren erarbeitet werden. In dem Projekt "Vielfalt als Chance" geht es neben den übergreifenden Fragen des Diversity Managements (strategische Verankerung, Change Management etc.) besonders um die Schaffung einer empirischen Fundierung. Auch hier sind acht Partnerhochschulen eingebunden, die ebenfalls bestimmte Schwerpunkte verfolgen. Den Kern des Projektes macht aber die Entwicklung eines in Deutschland bisher einmaligen Erhebungsinstruments aus, mit dem die studienrelevante Diversität sichtbar gemacht werden kann.
Lars Hüning | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.che-consult.de
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