Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welche Mehrsprachigkeit zählt in Europa?

09.03.2009
Das LINEE-Forschungsnetzwerk ist einem widersprüchlichen Phänomen auf der Spur

Schülerinnen und Schüler einer Linzer Schule sollen in der Pause nur noch Deutsch sprechen: Mehrsprachigkeit nicht erwünscht. Doch Europa rühmt sich stolz seiner sprachlichen Vielfalt: Mehrsprachigkeit sehr wohl erwünscht.

Im Rahmen des LINEE-Forschungsnetzwerkes arbeiten LinguistInnen der Universität Wien mit 24 Kooperationspartnern in ganz Europa, um solchen Widersprüchen auf den Grund zu gehen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass selbst ExpertInnen Mehrsprachigkeit unterschiedlich verstehen.

Im Rahmen des europäischen Forschungsnetzwerkes LINEE versuchen WissenschafterInnen des Instituts für Romanistik der Universität Wien einen Einblick in die Planung und Förderung der europäischen Mehrsprachigkeit zu gewinnen. Ziel ist es herauszufinden, welche Wirkung Mehrsprachigkeit haben kann und wodurch sie beeinflusst wird. Die Universität Wien arbeitet dabei mit Universitäten aus acht verschiedenen europäischen Ländern zusammen.

Kinder mit Migrationhintergrund: Mehrsprachigkeit als Defizit?

Das Erreichen eines gewissen Grades an Mehrsprachigkeit ist ein klares Ziel der Bildungssysteme der untersuchten Länder. Im Widerspruch dazu steht, dass bei MigrantInnen Mehrsprachigkeit weniger als Reichtum denn als Störfaktor und Defizit behandelt wird. In vielen Fällen konzentrieren sich die Schulen darauf, was Kinder mit Migrationhintergrund nicht oder ungenügend beherrschen, nämlich die jeweilige Landessprache. Die Tatsache, dass diese Kinder oft in mehreren anderen Sprachen kommunizieren können, wird nicht als gewinnbringende Stärke wahrgenommen.

Englisch - die eigentliche Bedrohung der europäischen Mehrsprachigkeit?

Aus der bisherigen Untersuchung geht hervor, dass von der Kenntnis der englischen Sprache am meisten Gewinn erwartet wird. Andererseits wird Mehrsprachigkeit verstanden als kultureller Schatz und als Eigenheit, welche den vielschichtigen Charakter der europäischen Identität ausmachen. In diesem Zusammenhang wird die Dominanz von Englisch weniger als Segen, sondern bisweilen sogar als Bedrohung wahrgenommen. Mehrsprachigkeit verhilft nicht zu Reichtum, sie ist Reichtum.

Sprache - eine Frage der Macht?

Bei allen unterschiedlichen Auffassungen darüber, was Mehrsprachigkeit ist, gibt es im Rahmen der zahlreichen einzelnen Forschungsprojekte gemeinsame Erkenntnisse: Mehrsprachigkeit ist eng verknüpft mit dem Begriff Identität und wird von Ideologien beeinflusst. Im Umgang mit Mehrsprachigkeit spielen Machtverhältnisse eine wichtige Rolle. Das zeigt sich ganz besonders bei MigrantInnen: Im Vergleich zu nationalen sprachlichen Minderheiten werden ImmigrantInnen benachteiligt und ihre Fähigkeiten kaum genutzt.

LINEE-Forschungsnetzwerk

LINEE (Languages In a Network of European Excellence) ist ein europäisches wissenschaftliches Netzwerk, das für die Zeit von 2006 bis 2010 von der europäischen Kommission teilfinanziert wird. Neben der Universität Wien sind an dem Netzwerk folgende Universitäten beteiligt: Universität Bern, die Charles University in Prag, die Freie Universität Bozen, das Institute for Anthropological Research in Zagreb, die University of Southampton, die University of Szeged, die University of Applied Languages in München und schließlich die Adam Mickiewicz University in Poznan.

Kontakt
Univ.-Prof. Mag. Dr. Rosita Schjerve-Rindler
Institut für Romanistik
Universität Wien
1090 Wien, Garnisongasse 13
T +43-1-4277-426 24
rosita.schjerve-rindler@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://www.linee.info

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie