Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unterschätzt und unterfordert: Grundschüler lernen Englisch zu spät und nicht altersgerecht

10.03.2011
In allen deutschen Bundesländern gehört das Fach Englisch mittlerweile zum Curriculum des Grundschulunterrichts und steht meist ab der dritten Klasse auf dem Stundenplan.

„Man müsste mit dem Englischunterricht jedoch noch früher beginnen, um der natürlichen Entwicklung der Kinder Rechnung zu tragen“, sagt Prof. Dr. Heiner Böttger, Professur für Didaktik der Englischen Sprache und Literatur an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Böttger befragte zwischen 2009 und 2011 über 250 Grundschullehrkräfte in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern.

Ziel der Studie war es, quasi eine Inventur der didaktischen Varianten im Englischunterricht an Grundschulen zu erstellen. „Das Ergebnis ist eine methodische Monokultur. Absolute Einsprachigkeit und Imitation sind ein Dogma, zudem wird nicht differenziert zwischen den individuellen Fähigkeiten der einzelnen Schülerinnen und Schüler“, so Böttger. Grundsätzlich sei der Englischunterricht für die Kinder häufig nicht altersgerecht und authentisch, weil das zum Teil aus England stammende Unterrichtsmaterial eigentlich für jüngere Altergruppen konzipiert worden sei: „Wenn sich Dritt- oder Viertklässler mit Inhalten beschäftigen sollen, die eher für Kleinkinder gedacht sind, ist dies für sie wenig herausfordernd. Sie werden damit unterschätzt und unterfordert.“

Böttger wolle mit seinen Aussagen nicht auf die Lehrkräfte zielen, die ihr Bestes täten, sondern plädiert für eine Änderung der strukturellen Rahmenbedingungen des frühen Fremdsprachenunterrichts. So finde die bloße Imitation und das Nachsprechen in einer zu späten Altersstufe statt: „Aus der Hirnforschung ist bekannt, dass die Bildung von Grammatik und Wortschatz bis ca. zum sechsten Lebensjahr abgeschlossen sind. Man müsste also noch früher mit der Sprachförderung beginnen, um Kindern das Lernen von Fremdsprachen zu erleichtern“, erklärt Böttger. Dies setze für den frühen Bereich des Fremdsprachenunterrichts spezielle Qualifikationen bei Betreuerinnen und Betreuern in Kindergärten voraus. Zudem gelte es, im schulischen Sprachunterricht noch stärker nach den individuellen Möglichkeiten der Kinder zu differenzieren: „Es ist weder professionell, kompetent noch effizient, Lernressourcen unserer Grundschüler zu verschwenden, indem zur gleichen Zeit alle Mitglieder einer Lerngruppe das gleiche hören, sprechen, lesen oder schreiben sollen. Sowohl Über- als auch Unterforderung gefährden gleichermaßen den angestrebten englischsprachigen Lernerfolg.“ Das entspreche auch dem Wunsch der für die Studie befragten Grundschul-Lehrkräfte, die sich für eine professionelle Basis für Differenzierung und Individualisierung des Englischunterrichts durch spezielle Fortbildungen ausgesprochen hätten.

Hinweis an Medienvertreter:
Für Nachfragen zu dieser Presseinformation wenden Sie sich bitte an
Prof. Dr. Heiner Böttger
Professur für Didaktik der Englischen Sprache und Literatur
Tel.: 08421/93-1155
heiner.boettger@ku-eichstaett.de

Constantin Schulte Strathaus | idw
Weitere Informationen:
http://www.ku-eichstaett.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie