Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trotz erfreulicher Tendenz bei den Pisa-Studien: Mehr Naturwissenschaften an den Schulen!

21.11.2008
"Man kann dem Pisa-Bundesländervergleich durchaus auch positive Seiten abgewinnen", kommentiert Professor Dr. Wolfram Koch, Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die am 18. November 2008 erschienene Bildungsstudie, die auf Erhebungen aus dem Jahr 2006 beruht.

"Die so genannten Pisa-Mittelwerte der 15-jährigen Schüler sind in Deutschland in den Naturwissenschaften im Zeitraum von sechs Jahren von 487 auf 516 gestiegen.

Das sind 29 Pisa-Punkte mehr, was in etwa dem Lernfortschritt von einem Schuljahr entspricht. Sachsen-Anhalt (+ 47), Brandenburg (+44), Sachsen (+42), Mecklenburg-Vorpommern (+37) und Thüringen (+35) haben noch deutlich größere Lernfortschritte in den Naturwissenschaften erzielt. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, von der zu hoffen ist, dass sie sich fortsetzt."

"Die Erfahrungen der Besten zu kopieren, ist keine Schande, sondern eine Notwendigkeit. Im Klartext heißt das: mehr Zeit für Naturwissenschaften, kein Abwählen von Mathematik und Naturwissenschaften, 12-jähriges Abitur und Zentralabitur in ganz Deutschland, Schluss mit föderalistischen Sonderwegen, die im Pisa-Keller enden", ergänzt Professor Dr. Gerhard Kreysa, Geschäftsführer der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie.

Die GDCh und die DECHEMA haben in den vergangenen Jahren, häufig auch mit anderen naturwissenschaftlichen Organisationen, immer wieder in Stellungnahmen zur Bildungspolitik betont, wie wichtig eine solide naturwissenschaftliche Bildung gerade in heutiger Zeit ist, die von Technik und Naturwissenschaften geprägt wird. Die Pisa-Studie von 2000, auf der der erste Bundesländervergleich beruhte, förderte Erschreckendes zutage: Deutschland erreichte nur 487 Punkte (der OECD-Schnitt liegt bei 500). Bremen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt waren mit 461, 470 bzw. 471 Punkten die Schlusslichter. Die erfreulichen Lernfortschritte begannen also auf einem niedrigen Niveau.

Es bleibt nun einmal auch Tatsache, dass sich Deutschland und seine 16 Bundesländer im Wettbewerb mit anderen Staaten nur dann fortentwickeln können, wenn die Bürger über ein hohes Bildungsniveau vor allem in Naturwissenschaften und Technik verfügen. Nur so kann Fortschritt erzielt werden, können Innovationen geschaffen werden, die ein Wirtschaftsstandort ohne nennenswerte Rohstoffe braucht. Das lässt sich an vielen Beispielen festmachen, so an der Energiefrage, eine der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts. Problemlösungen können nur aus Naturwissenschaften und Technik kommen - zu einem bedeutenden Teil übrigens aus der Chemie und der chemischen Technik. Die allgemeinbildenden Schulen müssen hier solide Wissensgrundlagen schaffen und auch das Interesse an einer weiteren Berufs- oder Hochschulausbildung in diesen Bereichen wecken.

GDCh und DECHEMA plädieren daher nachdrücklich und erneut dafür, dass an allgemeinbildenden Schulen mehr Stunden für Naturwissenschaften angeboten werden. Der Ländervergleich zeigt, dass dies ausschlaggebend für höhere Kompetenzen ist. Professor Dr. Reinhard Demuth vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) an der Universität Kiel und Mitglied der GDCh-Kommission für Lehrerfortbildung betont: "Sehr wichtig ist, dass die Naturwissenschaften in ihrer Breite ohne Unterbrechung vom Sachunterricht in der Grundschule bis zum Ende der Sekundarstufe I unterrichtet werden und Chemie nicht erst in Klasse 9 einsetzt.

Darüber hinaus ist eine die Schülerinnen und Schüler motivierende Unterrichtsgestaltung unabdingbar. "Zuerst denken und dann experimentieren" ist hier die Devise und nicht, wie eine große deutsche Tageszeitung titelt: "Denken ist besser als Experimentieren"." Professor Kreysa legt Wert darauf, dass dem Unterhaltungswert des Experiments keinesfalls die Anstrengung des Lernens und Nachdenkens geopfert werden dürfe.

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de
http://www.dechema.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise