Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trend zur Höherqualifizierung hält an – Engpässe bei Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung

02.05.2012
Neue Projektionen von BIBB und IAB zum Arbeitsmarkt im Jahr 2030
Aussagen über einen drohenden Fachkräfte- oder gar generellen Arbeitskräftemangel sind zum festen Bestandteil der politischen Diskussion über die Zukunft des deutschen Arbeitsmarktes geworden. Neue Modellrechnungen der Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) zeigen, dass Engpässe bis zum Jahr 2030 in einigen Berufsbereichen erkennbar sind. Die Passungsprobleme zwischen Angebot und Nachfrage werden zunehmen.

Dies gelte insbesondere für die mittlere Qualifikationsebene – also für die Ebene der Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung, so ein Ergebnis der BIBB- und IAB-Projektionen, veröffentlicht im neuen BIBB REPORT 18/12: „Engpässe auf dem Arbeitsmarkt: Geändertes Bildungs- und Erwerbsverhalten mildert Fachkräftemangel“.

Die neuen Modellrechnungen bestätigen „in den Grundtendenzen“ die Ergebnisse der ersten Welle aus dem Jahr 2010. Im Hinblick auf die zeitliche Dimension sind aber Abweichungen zu konstatieren. So würde nach den neuen Berechnungen gesamtwirtschaftlich das Angebot bis zum Jahr 2030 rein quantitativ den projizierten Bedarf der Wirtschaft decken. Die erste Projektion vor zwei Jahren war noch davon ausgegangen, dass dieser „Schnittpunkt“ bereits im Jahr 2025 erreicht wird. Gründe für diese zeitliche Verschiebung lägen in einem in den letzten beiden Jahren erkennbaren, signifikant geänderten Bildungsverhalten der Jugendlichen sowie in einem veränderten Erwerbsverhalten insbesondere von Frauen und Älteren. Im neuen Projektionszeitraum bis 2030 werde der Bedarf an akademisch Ausgebildeten hinreichend gedeckt, zeitgleich müsse aber mit zunehmenden Engpässen bei Fachkräften der mittleren Qualifikationsebene gerechnet werden.

Die Projektionen wurden auf zwölf „Berufshauptfelder“ konzentriert. Bei diesen handelt es sich um hochaggregierte Zusammenfassungen von Berufen. Bei Einzelberufen unterhalb dieser Ebene, aber auch bei regionalen Betrachtungen, sind abweichende Entwicklungen möglich.

• In einigen Berufshauptfeldern wird der Bedarf das Angebot zum Teil bei weitem übertreffen, beispielsweise bei den
- be-, verarbeitenden und instandsetzenden Berufen
- Berufen im Warenhandel und Vertrieb
- Gastronomie- und Reinigungsberufen
- Gesundheits- und Sozialberufen, Körperpflegern

• In folgenden Berufshauptfeldern wird die Arbeitsmarktsituation zwar angespannt, aber insgesamt doch ausgeglichen sein:
- Rohstoffgewinnende Berufe
- Verkehrs-, Lager-, Transport-, Sicherheits- und Wachberufe
- Technisch-naturwissenschaftliche Berufe
- Lehrberufe
• In folgenden Berufshauptfeldern steht dem projizierten Bedarf auch im Jahr 2030 ein ausreichendes Arbeitskräfteangebot zur Verfügung:
- Maschinen und Anlagen steuernde und wartende Berufe
- Büroberufe und kaufmännische Dienstleistungsberufe
- Rechts-, Management- und wirtschaftswissenschaftliche Berufe

Keine guten Nachrichten liefert die Projektion für Arbeitskräfte ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Ihre Beschäftigungschancen werden sich, so die Ergebnisse, durch die demografische Entwicklung nicht verbessern. Der Bedarf der Wirtschaft werde leicht sinken. Das Angebot werde aber noch langsamer zurückgehen, womit sich das bestehende Überangebot leicht vergrößert. Für Politik und Wirtschaft biete sich hier ein Ansatz, um insbesondere bei jüngeren Erwerbspersonen durch frühzeitige Nachqualifizierung Potenziale für die mittlere Fachkräfteebene zu erschließen.

Das Angebot an Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung wird demografisch bedingt deutlich sinken und gegen Ende des Projektionszeitraums den nur geringfügig zurückgehenden Bedarf insgesamt nicht mehr decken. Schon weit vor dem Jahr 2030 werde es aber regional und/oder branchenbezogen zu Engpässen kommen, vor allem weil der fachspezifische Bedarf nicht mehr durch ein entsprechendes fachspezifisches Angebot gedeckt werden kann.

Im Hochschulbereich werden sowohl Angebot als auch Bedarf weiter ansteigen. Der zu erwartende Bedarf setzt sich zu etwa gleichen Teilen aus dem Ersatzbedarf und dem durch wirtschaftlichen Strukturwandel bedingten Neubedarf zusammen. Der Ersatzbedarf werde ab 2020 aufgrund des Ausscheidens der geburtenstarken Jahrgänge („Baby-Boomer-Generation“) deutlich wachsen. Der Trend zu mehr akademischen Abschlüssen werde weiter anhalten, wohingegen der betriebliche Bedarf zwar ebenfalls steige, aber langsamer als das Angebot. Die Projektion lässt hier Anpassungs- und Ausgleichsprozesse mit dem mittleren Qualifikationsbereich erwarten.

Der BIBB REPORT 18/12 mit dem Titel „Engpässe auf dem Arbeitsmarkt: Geändertes Bildungs- und Erwerbsverhalten mildert Fachkräftemangel“ steht zum kostenlosen Download im Internetangebot des BIBB unter http://www.bibb.de/bibbreport zur Verfügung.

Andreas Pieper | idw
Weitere Informationen:
http://www.qube-projekt.de
http://www.bibb.de/bibbreport

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Fast jeder vierte Hochschulabschluss ist ein Master
30.09.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Digitaler Wandel kommt im Bildungsbereich an
25.08.2016 | Technologiestiftung Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie