Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Standort Deutschland ist attraktiv

05.11.2012
Über zwei Drittel aller deutschen Wissenschaftler in Nordamerika kehren in ihre Heimat zurück /Braun: „Anreize tragen Früchte“

Das German Academic International Network (GAIN) ist eine Gemeinschaftsinitiative der Alexander von Humboldt‐Stiftung (AvH), des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Es ist das größte Netzwerk deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Nordamerika und unterstützt diese dabei, die Verbindung zur deutschen Forschungslandschaft aufrechtzuerhalten. Durch Stipendien, die Finanzierung von Vorstellungsgesprächen und Konferenzteilnahmen will GAIN Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Rückkehr nach Deutschland erleichtern und so zur Gewinnung von hochqualifizierten Fachkräften beitragen.

Auf Anregung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), das GAIN seit fast zehn Jahren finanziell unterstützt, sind die Angebote und Leistungen des Netzwerks jetzt evaluiert worden. Da es keine formelle GAIN-Mitgliedschaft von Einzelpersonen gibt, wurden alle Teilnehmer der von GAIN organisierten Jahrestagungen von 2004 bis 2011 befragt (insgesamt 1.665 Personen).

Anlässlich der Vorstellung der Studie erklärte der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Helge Braun: „Unsere Politik, jungen Wissenschaftlern Anreize zu geben, damit sie im Ausland studieren und forschen, trägt Früchte für beide Seiten. Das Gastland profitiert von den Ideen junger Deutscher, aber die meisten kehren in ihre Heimat zurück und tragen zur Innovationsfähigkeit Deutschlands bei.“

Wesentliche Ergebnisse der vom Umfragezentrum Bonn (Rücklaufquote 48%) durchgeführten Erhebung sind:

Rückkehrneigung
Bei den Teilnehmern der Tagungen 2004 bis 2009 lag der Anteil der Rückkehrer bei mehr als zwei Dritteln. Weniger als 30% dieser Gruppe verblieben in Nordamerika, und auch von diesen viele nicht auf Dauer. Von den Teilnehmern der Tagung 2010 lag der Anteil der Rückkehrer bei 48,4%; von den Teilnehmern der Tagung im September 2011 waren zum Befragungszeitpunkt Januar bis März 2012 erwartungsgemäß nur 12,9% zurückgekehrt (da im Fall der letzten beiden Tagungen viele Teilnehmer ihren ursprünglich geplanten Postdoc-Aufenthalt noch nicht beendet hatten - erst danach stellt sich die Frage der Rückkehr).
Stellen
Der direkte Vergleich zeigt, dass die Chance, eine dauerhafte Stelle zu bekommen, in Deutschland besser ist als in den USA. Dies widerlegt den Mythos, dass allen in den USA Verbleibenden eine „Tenure Track“-Stelle winkt:

12.5% der Zurückgekehrten haben eine W2- oder W3-Professur in Deutschland, die mit einer Dauerstelle („Tenure“) in den USA vergleichbar ist. 10,7% haben eine Juniorprofessur. Rund 28% leiten eine Nachwuchsgruppe. 24% sind als Postdoktoranden oder wissenschaftliche Mitarbeiter tätig und 14% arbeiten in der (oft forschenden) Wirtschaft. Der Anteil der Nicht-Erwerbstätigen liegt bei nur 1,7%.

Dagegen haben nur 7,1% der in Nordamerika Verbliebenen eine Stelle als Associate oder Full Professor und nur 3,8% leiten eine Nachwuchsgruppe oder ähnliches. Der Anteil an Assistant Professors, also an zeitlich begrenzten Positionen, liegt bei 14,7%. Die weitaus meisten (67%) arbeiten dort als Postdoktoranden oder wissenschaftliche Mitarbeiter in Positionen, die in der Regel schlechter bezahlt werden als vergleichbare Positionen in Deutschland.

Einkommen
Die Ergebnisse zur Einkommenssituation widerlegen die These, die Verdienstmöglichkeiten in den USA seien grundsätzlich besser. Dies scheint nur in Ausnahmefällen zuzutreffen. Der Anteil derer, die über 80.000 Euro/Jahr verdienen, liegt bei den Rückkehrern bei 16%, bei den in Nordamerika Verbliebenen bei 15%. Der Anteil derer, die zwischen 40.000 und 80.000 Euro/Jahr verdienen, liegt bei den Rückkehrern mit 70% gegenüber 38% in Nordamerika wesentlich höher. Weniger als 40.000 Euro/Jahr verdienen 14% der Rückkehrer und 47% der in Nordamerika Verbliebenen. Insgesamt stellt sich also die Einkommenssituation in Deutschland besser dar.
Probleme bei der Rückkehr
Es gibt eine Diskrepanz zwischen den erwarteten und den tatsächlichen Herausforderungen bei der Rückkehr. Während 12% derer, die ihre Rückkehr planen, die Einkommenssituation in Deutschland als Herausforderung sehen, empfinden diese nur 2% der bereits Zurückgekehrten als Problem (da sie besser ist als erwartet). Eine andere häufig genannte Herausforderung ist die Stellensuche vom Gastland aus; im Falle der tatsächlichen Rückkehr kamen allerdings nur 16% der Rückkehrenden ohne Stellenangebot oder –zusage nach Deutschland zurück, und auch von diesen 16% konnte die Hälfte innerhalb von drei Monaten nach Rückkehr eine neue Stelle in Deutschland finden.
Bewertung von GAIN
94% der Befragten waren während ihres Aufenthalts in Nordamerika mit GAIN in direktem Kontakt. 84% bewerteten ihre Teilnahme an den Jahrestagungen als positiv bzw. eher positiv. Auch die anderen Angebote von GAIN wie Newsletter, Website, Workshops, Stammtische und Reisekostenzuschüsse werden in zunehmendem Maße wahrgenommen.
Wünsche an die Politik
Die Nachwuchsforscherinnen und – forscher führen vielfach an, dass eine bessere Planbarkeit der wissenschaftlichen Karriere durch mehr Dauerstellen (auch im Mittelbau) und bessere Entfristungsmöglichkeiten nach Juniorprofessur und Nachwuchsgruppenleitung (sog. „Tenure Track“) die Attraktivität Deutschlands als Wissenschaftsstandort noch weiter steigern würde.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.bmbf.de/de/908.php

Silvia von Einsiedel | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/de/908.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Weiterbildung – für die Arbeitswelt von morgen unerlässlich!
15.02.2018 | Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

nachricht Roboter als Förderer frühkindlicher Bildung – Neues Forschungsprojekt an der Uni Paderborn
07.02.2018 | Universität Paderborn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics