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Spracherwerb: Luxemburger Kinder lernen Deutsch und Französisch unterschiedlich

15.05.2012
Neue Forschungen der Universität Luxemburg zum Erlernen von Sprachen zeigen, dass es für den Erwerb einer Fremdsprache der Fähigkeit bedarf, Sprachlaute in Wörtern zu analysieren. Diese Erkenntnis wird sich auf die Lehrpläne der Vorschuleinrichtungen auswirken.

Forschungsergebnissen der Universität Luxemburg zufolge lernen Acht- bis Neunjährige deutsche Wörter aufgrund ihres bestehenden luxemburgischen Wortschatzes, während sie zum Erwerb der französischen Sprache vorwiegend ihre Fähigkeit nutzen, ungewohnte Sprachlaute in Wörtern zu identifizieren und zu analysieren.

Luxemburgischsprachige Kinder lernen Deutsch „natürlich“, wogegen das Französischlernen eine anspruchsvolle kognitive Leistung ist. Die heute im Journal of Educational Psychology veröffentlichten Erkenntnisse der Studie werden sich auf den Fremdsprachenunterricht auswirken.

Dr. Pascale Engel de Abreu von der Universität Luxemburg fand heraus, dass französische Wörter für junge luxemburgischsprachige Kinder ungewohnte Laute und Lautkombinationen enthalten. Das bedeutet, dass die Kinder zunächst die einzelnen Laute erkennen und analysieren müssen, um das neue Wort effektiv zu lernen. Die Forschungsergebnisse lassen darauf schließen, dass grundlegende phonologische Verarbeitungsfähigkeiten ein wichtiges Sprungbrett für den erfolgreichen Erwerb einer Fremdsprache mit einer fremdartigen Lautstruktur darstellen.

98 Kinder ausschließlich luxemburgischsprachiger Eltern wurden auf Wortschatz, Grammatikkenntnisse sowie Lese- und Schreibfähigkeit in Luxemburgisch, Deutsch und Französisch getestet. Auch ihr Arbeitsgedächtnis, d. h. ihre Fähigkeit, Informationen über kurze Zeiträume zu verarbeiten und zu behalten, und ihre phonologische Verarbeitung, d. h. ihre Fähigkeit, verschiedene Sprachlaute zu erkennen und zu unterscheiden, wurden untersucht.

In der Studie wurde so untersucht, wie luxemburgischsprachige Kinder Französisch und Deutsch lernen. „Allgemein sind die Faktoren, die den individuellen Unterschieden im Fremdsprachenerwerb zugrunde liegen, zu wenig erforscht. Die Forschung auf dem Gebiet des Sprachenlernens konzentriert sich meist auf einsprachige Kinder. Wir haben uns angesehen, ob die Faktoren, die für das Erlernen der ersten Sprache wichtig sind, auch für die Unterschiede im Fremdsprachenerwerb ausschlaggebend sind“, erklärt Dr. Engel de Abreu, die die Studie leitet.

Folgen für den Fremdsprachenunterricht

Die Ergebnisse zeigen, dass beide Faktoren wichtig für das Lernen der Fremdsprache sind. Das Arbeitsgedächtnis ist für das Leseverständnis und das Schreiben relevant, während die Fähigkeiten zur phonologischen Verarbeitung vor allem für die Wortdekodierung und das Lernen von Vokabeln im Französischen erforderlich sind. Die Lautbewusstheit eines Kindes kann mithilfe von Reim- und Klangspielen gefördert werden. „Die Förderung der phonologischen Bewusstheit sollte ein erklärter Bestandteil des Curriculums in Vorschuleinrichtungen und den ersten Grundschulklassen sein. Untersuchungen zeigen, dass dadurch Kindern der Erwerb von Fremdsprachen erleichtert und ihre Lesefähigkeit verbessert wird. Darüber hinaus kann es für Kinder nützlich sein, die dyslexiegefährdet sind oder Schwierigkeiten beim Erlernen von Fremdsprachen haben“, so Dr. Engel de Abreu.

Dr. Engel de Abreu forscht auf dem Gebiet der neurokognitiven Entwicklung in der Forschungseinheit Education, Measurement and Applied Cognitive Science (EMACS) der Fakultät für Sprachwissenschaften und Literatur, Geisteswissenschaften, Kunst und Erziehungswissenschaften an der Universität Luxemburg. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit Susan Elizabeth Gathercole von der MRC Cognition and Brain Sciences Unit in England durchgeführt und vom Fonds National de la Recherche (FNR) Luxemburg sowie dem Economic and Social Research Council (ESRC) von Großbritannien gefördert.

Veröffentlichung: P. Engel de Abreu and S. E. Gathercole. Executive and phonological processes in second language acquisition. Journal of Educational Psychology, 2012 , http://psycnet.apa.org/psycinfo/2012-12236-001/

Britta Schlüter | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni.lu/
http://psycnet.apa.org/psycinfo/2012-12236-001/

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