Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Service Learning: Bringt das was?

04.12.2012
Im Seminar lernen Studierende die Theorie, in Projekten wenden sie das Wissen in der Praxis an: Diese Idee steckt hinter dem sogenannten „Service Learning“. Ob diese neue Form der Hochschullehre Studierenden tatsächlich einen Vorteil bringt, untersuchen jetzt Bildungsforscher der Uni Würzburg.
Bereits seit 2007 hat der Lehrstuhl Empirische Bildungsforschung der Universität Würzburg sogenannte „Service Learning“-Seminare im Angebot. Studierende lernen dort in der Theorie, wie sie beispielsweise Kinder mit Sprach- und Lernschwierigkeiten fördern können. Im Anschluss daran wenden sie das neu erworbene Wissen in der Praxis in Schulen und Kindertagesstätten an. Der soziale Nutzen liegt auf der Hand: Förderbedürftige Schüler erhalten zusätzliche Aufmerksamkeit und Hilfen, die sonst nicht möglich wären.

Der akademische Nutzen

Ob diese vergleichsweise neue Form der Hochschullehre aber auch den Studierenden selbst nutzt, ist bislang in Deutschland noch völlig ungeklärt. „Wir bieten Service Learning an, weil wir felsenfest überzeugt sind, hierdurch das Verständnis für Theorien und Konzepte sowie die Studienmotivation der Studierenden zu verbessern“, beschreibt Professor Heinz Reinders seine Gründe, Service Learning anzubieten. Reinders ist Inhaber des Lehrstuhls Empirische Bildungsforschung; er hat Service Learning an der Universität Würzburg ins Leben gerufen.

Diese Überzeugung reicht dem Wissenschaftler allerdings nicht. Er wünscht sich Daten und Fakten, die den akademischen Mehrwert von Service Learning belegen. Bislang würden zwar in das Prinzip des Service Learnings sehr hohe Erwartungen gesteckt. Ein Beleg, ob und unter welchen Bedingungen das Angebot wirklich die bessere Lehralternative ist, fehle jedoch. Weder für Deutschland existierten demensprechende Untersuchungen. Auch internationale Studien würden keine Hinweise geben, ob und warum Service Learning normalen Seminarformen überlegen ist. „Das müssen wir dringend ändern, um wirklich gute Hochschullehre anbieten zu können“, fordert deshalb der Bildungsforscher.

Forschung für bessere Lehre

Hierzu erhalten Reinders und Stefanie Hillesheim, die die Stabsstelle Service Learning am Lehrstuhl inne hat, nun die Gelegenheit. In den kommenden zwei Jahren werden sie Service-Learning-Angebote mit wissenschaftlichen Methoden untersuchen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Vorhaben. Einen passenden Titel haben die Forscher bereits für das Projekt: „servU - Service Learning an Universitäten“.

Die Wissenschaftler werden Studierende der Pädagogik über zwei Semester hinweg begleiten und jene Studierende, die an Service Learning teilnehmen, mit solchen vergleichen, die dieses Angebot nicht nutzen. Der Beginn hierfür ist im Wintersemester 2013/14. Die Studierenden müssen in dieser Zeit in Fragebögen und einer Art Tagebuch-Einträgen Auskunft über ihre Motivation, ihr akademisches Selbstverständnis und ihren Lernerfolg geben. „Die Ergebnisse der Studie sind so nah an der Praxis, dass sie uns unmittelbar helfen werden, ein Verständnis für gute Service-Learning-Seminare zu entwickeln“, ist sich Reinders sicher.

Aus Sicht der Bildungsforscher beweist das Projekt, dass Forschung und Lehre keine Gegensätze sind, sondern einander ergänzen. „Wir schauen uns selbst auf die Finger, um unsere Lehre zu verbessern und gleichzeitig allen anderen Service-Learning-Standorten unsere Erkenntnisse für die Lehrpraxis anzubieten.“
Vorreiter in Sachen Lehrinnovationen

Damit bestätige die Würzburger Bildungsforschung ihre Vorreiterrolle in Sachen Lehrinnovationen. Denn bereits im März 2009 schlossen sich in einem feierlichen Akt im Toscanasaal der Universität Würzburg neun Hochschulen zum „Netzwerk Bildung durch Verantwortung“ zusammen, in dem mittlerweile neben den Gründungshochschulen sieben weitere Universitäten Mitglied sind.

Kontakt
Prof. Dr. Heinz Reinders, T: (0931) 31-85563,
E-Mail: heinz.reinders@uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise