Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sechs neue Forschergruppen eingerichtet

13.07.2010
Themen reichen von der Mamlukenzeit bis zu elektronisch korrelierten Festkörpern

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet sechs neue Forschergruppen zur orts- und fächerübergreifenden Kooperation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein. Dies beschloss der Senat der DFG auf seiner Sommersitzung im Rahmen der Jahresversammlung in Berlin. Die neuen Verbünde sollen Forscherinnen und Forschern Gelegenheit bieten, sich aktuellen und drängenden Fragestellungen in ihren Fächern zu widmen und neue Arbeitsansätze zu entwickeln.

Die jetzt eingerichteten Forschergruppen befassen sich etwa mit der Rolle von Molekülgruppen in neurophysiologischen Prozessen oder der Frage, wie sich korrelierte Festkörper mithilfe von Computer-Berechnungen optimal analysieren lassen. Eine der Einrichtungen ist eine Kolleg-Forschergruppe, die speziell auf die Arbeitsweise in den Geistes- und Sozialwissenschaften zugeschnitten ist. Sie zeichnet sich durch einen besonders langfristigen und zudem internationalen Ansatz aus, mit dem weitgefasste Fragestellungen, wie in diesem Fall zur Epoche der Mamluken, bearbeitet werden können. Mehrere der eingerichteten Forschergruppen arbeiten interdisziplinär und international: Kooperationen gibt es mit Indien, Österreich und der Schweiz.

In der ersten Förderperiode erhalten die neuen Forschergruppen über einen Zeitraum von drei Jahren (bei der Kolleg-Forschergruppe: vier Jahre) insgesamt 15,3 Millionen Euro. Im Ganzen fördert die DFG damit 215 Forschergruppen.

Die neuen Forschergruppen im Einzelnen (alphabetisch nach Sprecherhochschule):

Einen neuen Standard in der computergestützten Untersuchung korrelierter Festkörper zu entwickeln – daran arbeitet die Forschergruppe „Dynamical Mean-Field Approach with Predictive Power for Strongly Correlated Materials“. Elektronisch korrelierte Materialien verfügen über ungewöhnliche Eigenschaften und sind deshalb nicht nur für die Grundlagenforschung, sondern auch für zukünftige technologische Anwendungen von großem Interesse. Basierend auf der „Dynamischen Molekularfeld-Theorie“ will die Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Eigenschaften komplexer elektronisch korrelierter Materialien berechnen und vorhersagen.

(Sprecher: Professor Dr. Dieter Vollhardt, Universität Augsburg)

Eine kleine Gruppe chemisch verwandter Moleküle, sogenannte biogene Amine, regulieren verschiedene neurophysiologische Prozesse und Verhaltensmuster. Um deren genaue Funktionsweise aufzuklären, analysiert die Forschergruppe „Biogenic amines in insects: coordination of physiological processes and behaviour“ das vergleichsweise einfach aufgebaute Nervensystem verschiedener Insektenarten – etwa von Honigbiene und Heuschrecke. Durch die Untersuchungen auf verschiedenen Systemebenen des Insektengehirns will die Gruppe zu einem umfassenden Verständnis biogener Amine gelangen, durch das auch wichtige Rückschlüsse auf die Funktion der Molekülgruppe bei Wirbeltieren möglich werden sollen.

(Sprecher: Professor Dr. Hans-Joachim Pflüger, Freie Universität Berlin)

Die Kolleg-Forschergruppe „Gesellschaft und Kultur der Mamlukenzeit (1250-1517)“ bringt die internationale Forschung zur Mamlukenzeit und deren einmaligen Gesellschaftsmodell zusammen. In diesem Gesellschaftsmodell wurde eine vornehmlich arabische Bevölkerung von einer durchweg turkstämmigen Elite freigelassener Militärsklaven beherrscht. Mit globalgeschichtlichen Fragestellungen und transkulturellen Vergleichen wollen die Mamluken-Forscherinnen und -Forscher dieses besondere System analysieren, wobei die thematischen Schwerpunkte auf Herrschaft, Erzählstrategien, Wirtschaft und globalen Verflechtungen liegen.

(Sprecher: Prof. Dr. Stephan Conermann, Universität Bonn)

Verbrennungsprozesse spielen bei vielen Anlagen und Apparaten in der chemischen Industrie und der Energietechnik eine große Rolle. Zu den Sicherheitsaspekten bei Zündvorgängen gibt es bisher allerdings nur wenig Grundlagenforschung. Zündvorgänge unter Verwendung neuer messtechnischer und numerischer Methoden zu untersuchen – das ist daher zentrales Anliegen der Forschergruppe „Physicochemical-based Models for the Prediction of safety-relevant Ignition Processes”.

(Sprecher: Professor Dr. Ulrich Maas, Karlsruher Institut für Technologie)

Die Untersuchung der Variabilität des indischen Sommermonsuns im Holozän, dem jüngsten Zeitabschnitt der Erdgeschichte – das ist das Thema der Forschergruppe „Himalaya: Modern and Past Climates (HIMPAC)”. Mithilfe von Informationen aus geologischen und biologischen Archiven sollen Ursachen und Konsequenzen extremer Klima-Ereignisse, wie etwa Dürren oder Überflutungen, erforscht werden. Die Untersuchungen des deutsch-indischen Projekts konzentrieren sich auf ausgewählte klimasensitive Regionen des Himalajas und Zentralindiens, um regionale Unterschiede im Klimageschehen zu charakterisieren und zu quantifizieren.

(Sprecher: Dr. Sushma Prasad, Helmholtz-Zentrum Potsdam, Deutsches GeoForschungsZentrum; Professor Dr. Manfred R. Strecker, Universität Potsdam)

Das grundlegende Verständnis von Strukturen und Prozessen an der Grenzfläche zwischen Elektrode und Elektrolytlösung steht im Mittelpunkt der Arbeit der Forschergruppe „Elementary reaction steps in electrocatalysis: Theory meets Experiment”. Elektrochemische und elektrokatalytische Prozesse auf atomarer Ebene sind nicht nur aus der Sicht der Grundlagenforschung interessant, sondern spielen auch eine wichtige Rolle bei der Umwandlung und Speicherung von Energie, so in Brennstoffzellen und Batterien. Die geplanten Arbeiten gründen auf modernen analytischen Methoden und leistungsfähigen theoretischen Werkzeugen, durch die die Erforschung der elementaren Prozesse erst möglich wurde.

(Sprecher: Professor Dr. Axel Groß, Universität Ulm)

Weiterführende Informationen
Ausführliche Informationen über Forschergruppen finden sich unter:
www.dfg.de/for
Weitere Informationen erteilen die Sprecherinnen und Sprecher der Forschergruppen.

Marco Finetti | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Fast jeder vierte Hochschulabschluss ist ein Master
30.09.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Digitaler Wandel kommt im Bildungsbereich an
25.08.2016 | Technologiestiftung Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie