Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwimmende Uni – Graduiertenkolleg nutzt Polarstern-Überfahrt Richtung Antarktis für Ausbildung

24.10.2014

Die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses steht im Fokus der am Samstag, den 25. Oktober 2014, startenden Expedition des Forschungsschiffes Polarstern.

22 Doktoranden und Masterstudenten lernen an Bord hydroakustische Messverfahren unter realen Bedingungen einzusetzen. Die Expeditionsteilnehmer kommen aus den internationalen Studiengängen der Universität Bremen und dem Graduiertenkolleg POLMAR am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Fünf AWI-Wissenschaftler bilden die Nachwuchskräfte auf der neuntägigen Fahrt nach Las Palmas aus, bevor die Polarstern dann über Kapstadt zu Forschungsarbeiten in die Antarktis fährt.


Das Forschungsschiff Polarstern verlässt seinen Heimathafen Bremerhaven (Archivbild).

Foto: Folke Mehrtens / Alfred-Wegener-Institut

Bereits im Vorfeld der Expedition lernten die Studenten in Bremerhaven den Umgang mit der Software und hydroakustischen Daten früherer Expeditionen. So können sie direkt nach dem Auslaufen mit dem Messprogramm und Auswertungsarbeiten beginnen.

Auf der Weiterfahrt von Las Palmas (Kanarische Inseln) nach Kapstadt stehen die biogeochemischen Wechselwirkungen im tropischen Ozean im Fokus von Ozeanographen. Außerdem werden Wolken-, Aerosol- und Wasserparameter ermittelt sowie kosmische Strahlung gemessen.

Vor der Küste Namibias wollen die Expeditionsteilnehmer eine ozeanographische Verankerung aufnehmen, die seit November 2012 unter anderem die Laute von Walen aufzeichnet. Die Daten sollen zeigen, ob Bartenwale in dieser Region ihre Jungen zur Welt bringen, was bisher lediglich vermutet wird, jedoch nicht ausreichend nachgewiesen ist.

Neben diesen wissenschaftlichen Arbeiten und der Ausbildung an Bord Polarstern wird die Überfahrt von Bremerhaven nach Kapstadt auch zur Kalibration von Messgeräten genutzt, die in der kommenden Antarktis-Saison zum Einsatz kommen.

Anfang Dezember verlässt die Polarstern mit neuem wissenschaftlichen Personal Kapstadt zu ozeanographischen Forschungsarbeiten. Eine Vielzahl von Verankerungen soll im Weddellmeer geborgen werden. Sie messen die Temperatur, Strömungsrichtung und –geschwindigkeit und weitere Parameter, die in internationalen Projekten helfen, die Zirkulationsmuster der weltweiten Meeresströmungen besser zu verstehen. Außerdem sind Meereisphysiker und Biologen an Bord.

Sie untersuchen die Dicke und Beschaffenheit des Meereises sowie die Menge an Licht, die durch das Eis ins Wasser eindringen kann. Diese Daten sind besonders interessant für die Biologen, die das Leben im und unter dem Eis erforschen. Denn nur wo Licht ankommt, können Algen Photosynthese betreiben und so die Grundlage des Nahrungsnetzes bilden. 

Auf diesem zweiten Expeditionsabschnitt wird auch die Neumayer-Station III mit Material versorgt. Nach rund zwei Monaten endet er Anfang Februar 2015 in Punta Arenas, Chile.

Von Punta Arenas aus fährt die Polarstern dann zu geowissenschaftlichen Arbeiten in die Amundsensee. In der Pine-Island-Bucht und vor dem Pine-Island-Gletscher wollen Forscher vom Alfred-Wegener-Institut und vom Bremer MARUM mit dem Meeresboden Flachbohrgerät MEBO Sedimentkerne erbohren. Sie sollen helfen, die Entwicklungsgeschichte und die vergangene Dynamik des Westantarktischen Eisschildes zu rekonstruieren.

Der Westantarktische Eisschild reagiert sehr empfindlich auf Klimaveränderungen, weil ein Großteil seiner Basis unter dem Meeresspiegel auf der antarktischen Landmasse aufliegt. Die Geowissenschaftler wollen das Abschmelzen des Gletschers in Warmzeiten der geologischen Vergangenheit quantifizieren.

Kombiniert mit der Rekonstruktion der klimatischen Begleitumstände sollen die Daten Parameter für Eisschildmodelle liefern, die zukünftiges Verhalten des Westantarktischen Eisschildes und seinen Beitrag zu Meeresspiegeländerungen prognostizieren sollen.

Mitte März 2015 gehen dann wiederrum in Punta Arenas neue Wissenschaftler an Bord, die die Rückfahrt durch den Atlantik nach Norden für Atmosphärenforschung nutzen. Außerdem untersuchen Biologen die Reaktion von subantarktischen Krabben auf Sauerstoffarmut. Die Polarstern wird Ende April 2015 in ihrem Heimathafen Bremerhaven zurückerwartet. 

Ihre Ansprechpartnerin in der AWI-Pressestelle ist Dr. Folke Mehrtens (Tel.: 0471 4831-2007; E-Mail: Folke.Mehrtens(at)awi.de).

Buchtipp: Prof. Dr. Peter Lemke und Stephanie von Neuhoff: „Der gefrorene Ozean - Mit FS POLARSTERN auf Winterexpedition in die Antarktis“, erschienen im Oktober 2014 bei Koehlers Verlagsgesellschaft mbH. Rezensionsexemplare gibt es bei Katharina Klockow (Tel.: 040 707080-320; E-Mail: kk(at)koehler-mittler.de).

Folgen Sie dem Alfred-Wegener-Institut auf Twitter und Facebook. So erhalten Sie alle aktuellen Nachrichten sowie Informationen zu kleinen Alltagsgeschichten aus dem Institutsleben.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Ralf Röchert | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.awi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitales Know-how für den Mittelstand: Uni Bayreuth entwickelt neuartiges Weiterbildungsprogramm
28.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 65 neue genetische Risikomarker für Brustkrebs entdeckt

Manche Familien sind häufiger von Brustkrebs betroffen als andere. Dies kann bislang nur teilweise durch genetische Risikomarker erklärt werden. In einem weltweiten Verbund haben Forscher nun 65 weitere Erbgutvarianten identifiziert, die zum Brustkrebsrisiko beitragen. Die Studie, an der auch Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Universitätsklinikum Heidelberg beteiligt waren, wurde in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Die Forscher erwarten, dass die Ergebnisse dazu beitragen, Screeningprogramme und die Früherkennung von Brustkrebs zu verbessern.

Seit Angelina Jolies medienwirksamer Entscheidung, sich vorbeugend die Brüste entfernen zu lassen, ist der genetische Hintergrund von Brustkrebs auch einer...

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fettstoffwechsel beeinflusst Genaktivität

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Forscher der Universität Hamburg entdecken Mechanismus zur Verdopplung von Pflanzengenomen

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Bakterielle Toxine im Darm

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie