Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Richtig oder Falsch – Helfen einfache Faustregeln bei komplexen moralischen Entscheidungen?

04.05.2010
Max-Planck-Wissenschaftler beteiligen sich an internationalem Netzwerk zur Erforschung moralischer Werte

Wissenschaftler des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung haben einen mit 200.000 US Dollar dotierten Forschungspreis der Universität Chicago gewonnen. Zusammen mit 18 weiteren Preisträgern aus Philosophie, Neurowissenschaften und Ökonomie beteiligen sie sich am internationalen Forschungsnetz The New Science of Virtues Project.

Moralische Entscheidungen folgen oft einfachen Entscheidungsmustern
Informationsflut und Zeitdruck bestimmen mehr und mehr unseren Alltag. Gefragt sind schnelle Entscheidungen – aber sind dies auch die „richtigen“ Entscheidungen? Orientierung bieten moralische Werte. Sie geben Standards vor, anhand derer Menschen ihr eigenes Handeln ausrichten und bewerten können und so schnelle Entscheidungen über Richtig und Falsch ermöglichen.

„Es scheint bei vielen Menschen ein intuitives Wissen darüber zu geben, was Richtig und was Falsch ist. Wertvorstellungen und Tugenden können also helfen, zu schnellen Entscheidungen in komplexen Alltagssituationen zu kommen – ähnlich, wie wir es von sogenannten Faustregeln her kennen,“ erläutert der Psychologe Julian Marewski, der zusammen mit Edward Cokely und Adam Feltz die Studie am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung leitet. „Gute Entscheidungen sind oft das Ergebnis einfacher heuristischer Prozesse, insbesondere wenn es sich um komplexe Sachverhalte handelt. Wir gehen davon aus, dass auch moralische Entscheidungsprozesse diesem Muster folgen und wollen die daraus entstehenden sozialen, ökonomischen und gesellschafts-politischen Implikationen aufzeigen“, ergänzt Gerd Gigerenzer, Direktor des Forschungsbereichs Adaptives Verhalten und Kognition am MPI für Bildungsforschung.

Kleine Ursache, große Wirkung
Welch gravierenden Einfluss die Anwendung von Heuristiken auf das Ergebnis komplexer Entscheidungsprozesse haben kann, zeigt folgendes Beispiel. Seit 1955 sind 50.000 US Bürger gestorben, während sie auf die Transplantation eines Spenderorgans warteten. Denn obwohl die meisten Amerikaner das Spenden von Organen gutheißen, willigt nur rund jeder Vierte auch tatsächlich in eine Organspende ein. In Frankreich dagegen liegt die Spenderrate bei annähernd 99,9%. Verantwortlich für diesen Unterschied scheinen nicht kulturelle oder moralische Unterschiede zu sein. Vielmehr scheinen Amerikaner und Franzosen derselben Faustregel (Heuristik) zu folgen die besagt: Weiche nicht vom Standard ab. Während per Gesetz jeder US-Amerikaner ein Nicht-Spender ist, der aktiv einer Organspende zustimmen muss, sind alle Franzosen Spender, die einer Organspende selbst widersprechen müssen.

Heuristiken sind Strategien, die mit nur wenigen Informationen arbeiten und den Rest ignorieren. Sie helfen dem Gehirn, komplexe Probleme in kurzer Zeit zu lösen. Die Studie wird moralische Entscheidungsprozesse mit wissenschaftlichen Methoden untersuchen und die Ergebnisse mit den Erkenntnissen der Heuristikforschung zusammenführen.

„The Heuristics of Virtue – Integrating Virtue Ethics and the Science of Virtues”

Studienleiter:
Edward Cokely, Ph.D., Psychologie, MPI für Bildungsforschung, (Principal Investigator)
Adam Feltz, Ph.D., Philosophie, Schreiner University, Texas, (Co-Principal Investigator)

Dr. Julian Marewski, Psychologe, MPI für Bildungsforschung, (Co-Principal Investigator)

Teammitglieder:
Florian Artinger, M.Sc., Ökonomie&Management, MPI für Bildungsforschung
Nadine Fleischhut, M.A., Philosophie, MPI für Bildungsforschung
Mirta Galesic, Ph.D., Psychologie, MPI für Bildungsforschung
Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Psychologe, Direktor am MPI für Bildungsforschung
Prof. Dr. Monika Keller, Psychologin, MPI für Bildungsforschung
Jeffrey R. Stevens, Ph.D., Biologie, MPI für Bildungsforschung
MPI für Bildungsforschung
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Dr. Petra Fox-Kuchenbecker | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de
http://www.mpg.de
http://scienceofvirtues.org/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE