Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Trends 2010": Europaweit muss für das Studium mehr getan werden

10.03.2010
Heute hat die European University Association (EUA) neue Befunde über die Entwicklung des Bologna-Prozesses in den 46 Teilnehmerländern veröffentlicht.

Für den so genannten "Trends 2010-Report" haben 821 Hochschulen und 27 nationale Rektorenkonferenzen Informationen und Einschätzungen geliefert, in 16 Staaten fanden Erhebungen vor Ort statt. Der Bericht wird im Rahmen des Treffens der europäischen Wissenschaftsminister am Donnerstag und Freitag in Budapest und Wien vorgestellt.

Die wesentlichen Ergebnisse:

95 Prozent aller Hochschulen der 46 Teilnehmerländer haben die neuen Studiengänge eingeführt. In Deutschland sind es mit wenigen Ausnahmen die Staatsexamensstudiengänge, die nach dem Willen von Bund und Ländern noch nicht umgestellt sind. Obwohl unter den deutschen Studienanfängerinnen und -anfängern heute bereits 75 Prozent Bachelor- oder Masterstudierende sind, sind die verbleibenden Staatsexamensstudiengänge und der Umstand, dass die großen Fächer in Deutschland erst recht spät umgestellt wurden, dafür verantwortlich, dass hier noch weniger als die Hälfte der Studierenden in den neuen Studiengängen eingeschrieben sind.

"Trends 2010" bestätigt die Richtung des in Deutschland laufenden Nachsteuerungsprozesses: Im Zieljahr des Bologna-Prozesses bestehen vor allem noch Defizite bei der Finanzierung, der Gestaltung der Studienprogramme und der Anerkennung von Studienleistungen. "Die Hochschulen in Deutschland sind am Ball, und in der Politik ist die Einsicht erkennbar, dass jetzt endlich verstärkt in die Lehre investiert werden muss", sagte Wintermantel. "Der Trends-Bericht zeigt, wie hoch die Lehrenden durch die Reform belastet sind. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Akzeptanz von Bologna. Wir brauchen mehr Lehrpersonal und entsprechend bessere Betreuungsrelationen."

In den meisten europäischen Ländern gelte es, eine Reihe von Studienprogrammen zu entschlacken, Prüfungen zu reduzieren und verstärkt Mobilitätsfenster vorzusehen. Die europäischen Hochschulen und Staaten müssten sich zudem sehr viel stärker als bisher um die gegenseitige unbürokratische Anerkennung von Studienabschlüssen und -leistungen bemühen. "Der Geist der Lissabon-Konvention ist noch nicht wirklich mit Leben erfüllt", sagte die HRK-Präsidentin. "Danach ist eine Studienleistung immer dann anzuerkennen, wenn sich die Lernergebnisse nicht wesentlich von der entsprechenden Leistung an der Heimathochschule unterscheiden. Diese veränderte Perspektive kann uns international, wie auch innerhalb Deutschlands helfen."

Sehr erfreulich für die deutschen Hochschulen sei die Entwicklung bei der internationalen Mobilität. Nachdem noch vor drei Jahren mehr deutsche Studierende ins Ausland gingen als Ausländerinnen und Ausländer nach Deutschland kamen, ist das Verhältnis nun ausgeglichen. "Deutschland zählt neben Großbritannien und Frankreich zu den beliebtesten Zielen für Studierende außerhalb des Europäischen Raums", erklärte Wintermantel.

Der Bericht der EUA verweist darauf, dass noch zu wenige Daten über den Erfolg des Bologna-Prozesses vorliegen. Vor allem fehle es an Absolventen-Studien. "In Deutschland sieht das anders aus", sagte HRK-Präsidentin Wintermantel. "Hier liegen inzwischen eine Reihe von Untersuchungen vor - mit ermutigenden Ergebnissen. So belegt die bundesweiten Absolventenbefragung des INCHER (Internationales Zentrum für Hochschulforschung der Universität Kassel), dass Bachelor-Absolventen ebenso schnell und gut auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen, wie Absolventen traditioneller Studiengänge."

Was allerdings in Deutschland wie in vielen anderen Staaten vollkommen vernachlässigt worden sei, sei die Information über den Bologna-Prozess. "Dass eine solch grundlegende Reform, ihre Ziele und ihr Mehrwert kommuniziert werden müssen, wurde nahezu vergessen. Schülerinnen und Schüler, Eltern und Hochschulmitglieder wurden nicht ausreichend informiert", so Wintermantel. "Das hat Ängste und Vorurteile geschürt. Spätestens jetzt müssen wir da nachbessern."

Für das Lebenslange Lernen - ein weiterer Aspekt der Studie - fehlt es noch an übergreifenden Konzepten in den Hochschulen. Zwar legen die Hochschulen auch in Deutschland verstärkt weiterbildende Studienprogramme auf. Was aber vielerorts fehlt, sind hochschulweite Strategien. Wintermantel führt dies wesentlich auf das Kapazitätsrecht und auf die mangelnde Grundfinanzierung für Weiterbildung zurück: "Noch immer haben die Hochschulen hier mit deutlichen Behinderungen zu kämpfen. Das ist angesichts des zunehmenden Bedarfs und eines attraktiven Markts nicht akzeptabel. Besonders bei den Angeboten für beruflich Qualifizierte stehen die Hochschulen vor der Herausforderung, mit den eng begrenzten Kapazitäten die nötige intensive Betreuung in der Studieneingangsphase zu leisten, die für den Studienerfolg unerlässlich ist.

Susanne Schilden | idw
Weitere Informationen:
http://www.hrk.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik