Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

PTB koordiniert 12 neue europäische Forschungsprojekte

12.01.2012
Das europäische Forschungsprogramm wird noch größer – wissenschaftliche Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit

„Gesundheit“, „Neue Technologien“ und „Weitergabe der SI-Einheiten“ sind die drei großen Themenbereiche, in denen europaweit jetzt 30 neue Projekte anlaufen. Bei 29 von ihnen ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) beteiligt, 12 davon koordiniert sie. Damit ist es dem deutschen nationalen Metrologieinstitut erneut gelungen, europäische Mittel in beträchtlichem Umfang einzuwerben, um die messtechnischen Grundlagen zu erforschen, die mit den Herausforderungen auf diesen Gebieten verbunden sind.

Ohne vertrauenswürdige Messungen läuft gar nichts, jedenfalls nicht in einem Europa der starken Industriestaaten, aber auch weltweit gesehen. So leistet die Metrologie, die wissenschaftliche und technologische Grundlage des Messwesens, wichtige Beiträge bei der Bewältigung der großen Herausforderungen unserer Zeit, z. B. der Frage nach einer sicheren und sauberen Energieversorgung, dem Umweltschutz, der Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit des Einzelnen oder des fairen Handels in einer globalisierten Welt. Ein zuverlässiges Einheitensystem und die Vergleichbarkeit von Messungen bilden die Basis für regulatorische Maßnahmen wie die Festlegung und Überwachung von Grenzwerten und sichern das Vertrauen zwischen Produzent, Händler und Kunden. Ohne diese Grundlage gibt es weder fairen Handel noch wissenschaftlichen und technischen Fortschritt. Die erforderliche Präzision beispielsweise in der Fertigung von Windturbinen oder effizienter Fahrzeugmotoren wird erst durch die Bereitstellung einer entsprechenden Messtechnik möglich. Globale, satellitenbasierte Navigationssysteme funktionieren nur, weil es langzeitstabile Atomuhren gibt. Das Vertrauen in Messergebnisse ist von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht, kleine Veränderungen aus Langzeitbeobachtungen abzuleiten, wie es bei Untersuchungen zum Klimawandel erforderlich ist.

Die nationalen Metrologieinstitute der Staaten Europas, zusammengeschlossen in der Vereinigung EURAMET, haben ein Forschungsprogramm entwickelt, das diese und andere drängende Fragen konzertiert angeht. Das „Europäische Metrologieforschungsprogramm“ (European Metrology Research Programme, EMRP) hat über insgesamt sieben Jahre Laufzeit einen Umfang von 400 Mio. €, von denen die eine Hälfte von den teilnehmenden Ländern selbst aufgebracht und die andere Hälfte von der EU beigesteuert wird. Jährlich wird über neue Forschungsprojekte entschieden, basierend auf dem Votum einer internationalen Expertengruppe. Im Dezember 2011 wurden 30 neue Projekte mit einem Gesamtvolumen von 83 Mio. € in den Schwerpunktbereichen „Gesundheit“, „Neue Technologien“ und „Weitergabe der SI-Einheiten“ bewilligt. An 29 davon ist die PTB beteiligt, 12 davon wird die PTB koordinieren. Insgesamt stehen der PTB rund 13 Mio. € zusätzlicher europäischer Gelder, verteilt auf drei Jahre, zur Verfügung, um sich den wichtigen Forschungsfragen zu widmen.

Der Schwerpunkt der in elf Projekten laufenden Forschungsarbeiten im Themenbereich „Gesundheit" liegt in der Schaffung einer metrologischen Infrastruktur, die es ermöglicht, die Qualität diagnostischer und therapeutischer Verfahren wie therapeutischer Ultraschall, Brachytherapie und Kernspintomographie zu verbessern, diese Verfahren weiterzuentwickeln und damit ihr Anwendungsspektrum zu erweitern. Darüber hinaus werden in verschiedenen Projekten neue Technologien mit dem Ziel entwickelt, die Gesundheitspflege und den Patientenschutz zu verbessern. Eine Reihe von Projekten werden sich mit dem weiten Feld der Biomarker, ihrer Detektion und Charakterisierung befassen.

Der Themenbereich „Weitergabe der SI-Einheiten" hat seinen Fokus auf der Weitergabe des internationalen Einheitensystems, um für die zu erwartenden Fortschritte in der Grundlagen- und angewandten Forschung die erforderliche metrologische Basis bereitzustellen. Seit einigen Jahren wird intensiv daran gearbeitet, alle Basiseinheiten auf unveränderlichen Naturkonstanten zurückzuführen und sie nicht mehr über eine chemisch-physikalische Stoffeigenschaft oder über einen Prototyp zu definieren. So wird die Einheit Kelvin beispielsweise zukünftig nicht mehr auf dem Tripelpunkt des Wassers beruhen, sondern auf der Boltzmann-Konstanten. Für die Neudefinition des Kilogramms, bisher über das Ur-Kilogramm als Prototyp definiert, werden zwei Ansätze verfolgt: eine Definition über das Planck‘sche Wirkungsquantum und eine zweite über die Avogadro-Konstante. Mit den bevorstehenden Neudefinitionen ist die Notwendigkeit verbunden, die Einheiten entsprechend an die verschiedenen Nutzergruppen weiterzugeben. Es gilt, die aufwendige Realisierung im metrologischen Grundlagenlabor bis in die Anwendung an der Fertigungsstraße oder im Supermarkt zu übertragen. Ein wesentlicher Teil des zehn Forschungsprojekte umfassenden Themenschwerpunktes besteht daher aus Arbeiten zur praktischen Realisierung der Basiseinheiten.

Das Themenprogramm „Neue Technologien“ greift neue und zumeist interdisziplinäre Herausforderungen an die Metrologie auf, die in den Bereichen Nanotechnologie, neue Materialien, Sicherheit sowie Mathematik und Informations- und Kommunikationstechnik für die Metrologie entstanden sind. Die Gebiete der Nanotechnologie und neuen Materialien schließen die Charakterisierung neuer funktioneller Eigenschaften ein, die mit nanostrukturierten Oberflächen und Materialien, nano-elektromechanischen Systemen und Nanoteilchen verbunden sind. Der Schwerpunkt auf dem Themengebiet Sicherheit liegt unter anderem auf der Detektion von Gefahrstoffen, der Terahertz-Strahlung und der chemischen Analytik. Insgesamt neun Projekte werden in diesem Themenschwerpunkt bearbeitet werden.

Erika Schow | idw
Weitere Informationen:
http://www.ptb.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

nachricht Internationaler Masterstudiengang: TU Kaiserslautern bildet Experten für die Quantentechnik aus
15.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen