Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Navigationshilfe für Europa − Deutscher Qualifikationsrahmen übersetzt Bildungsabschlüsse

15.11.2010
In seinen Empfehlungen zur Differenzierung der Hochschulen nimmt der Wissenschaftsrat auch Stellung zum Deutschen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR).

„Wir unterstützen die Absichten und Ziele, die mit diesem bildungspolitischen Instrument verfolgt werden“, so Professor Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats.

„Wenn wir aus Europa mehr als ein wirtschaftspolitisches Projekt machen wollen, wenn wir Freizügigkeit verwirklichen wollen, dann müssen die Arbeitgeber in allen europäischen Ländern erkennen können, welches Wissen und welche Fähigkeiten mit einem Abschluss verbunden sind, unabhängig davon, wo und wie er erworben wurde.“

Die Länder Europas sind in ihren Bildungssystemen sehr unterschiedlich strukturiert, und diese Vielfalt gehört zur europäischen Kultur. Damit sie erhalten bleiben und trotzdem Mobilität stattfinden kann, sind Übersetzungshilfen erforderlich. Der Deutsche Qualifikationsrahmen, der auf eine Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Errichtung des Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (EQR) zurückgeht, soll genau diese Übersetzungsfunktion übernehmen. „Und weil das allein schon eine sehr komplexe Aufgabe ist, sollte man ihn nicht mit weiteren Funktionen überfrachten“, so Peter Strohschneider.

Allerdings erfüllt der DQR auch wichtige Funktionen innerhalb des nationalen Arbeitsmarktes. Die Zahl der Berufe oder der Studienrichtungen unterliegt großer Dynamik und ist für junge Menschen und Arbeitgeber nicht leicht zu durchschauen. Es gibt noch immer unterstellte Statusdifferenzen zwischen verschiedenen Bildungsbereichen, theoretisches Wissen wird oft höher bewertet als praktische Kompetenzen. Solche Vorannahmen mögen in der Vergangenheit häufig für Orientierung gesorgt haben, aber sie ermöglichen keine Aussage darüber, was Menschen nach einem Bildungsgang tatsächlich wissen und können. „Der DQR soll dabei helfen, in allen Bildungsbereichen – Schule, berufliche Bildung und Hochschulsystem – einen Paradigmenwechsel zu bewältigen: es geht nicht nur darum, wie lange eine Person an welchem Ort von wem in welchem Fachgebiet unterrichtet wurde, sondern was sie dabei gelernt hat“, so Strohschneider. Der Wissenschaftsrat hält es darum für sinnvoll und notwendig, alle Abschlüsse und Qualifikationen, die in Deutschland an Schulen, Hochschulen und in der beruflichen Bildung erworben werden, in Bezug auf die vermittelten Kompetenzen transparenter und damit vergleichbarer zu machen.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt, den DQR als offenes und flexibles Instrument zu begreifen, das auch künftig an Veränderungen und Weiterentwicklungen im Bildungssystem angepasst werden kann. Er beschreibt in seiner Stellungnahme, welche Anforderungen der DQR dazu aus Sicht des Wissenschaftssystems erfüllen muss:

-Der zugrunde gelegte Kompetenzbegriff muss allen drei Bildungsbereichen gleichermaßen gerecht werden, wenn er auch national Durchlässigkeit fördern soll.

_Die Beschreibungen von Kompetenzen müssen so trennscharf formuliert werden, dass sie den Besonderheiten aller Bildungsbereiche Rechnung tragen. Das schließt ein, dass der bereits existierende Qualifikationsrahmen für deutsche Hochschulabschlüsse für die akademischen Bildungsgänge verbindlich bleibt.

_Der DQR muss mit dem EQR kompatibel sein, damit er eine transnationale Übersetzungshilfe leisten kann, und er muss zugleich die Besonderheiten des deutschen Bildungssystems angemessen widerspiegeln.

_Der DQR soll eine Realität abbilden, kann aber keine Ansprüche begründen; er würde überstrapaziert und nicht handhabbar, wenn er auch den Zugang zu Bildungsgängen regeln sollte.

_Der DQR soll zeigen, in welche Richtungen Kompetenzzuwächse möglich sind: in der Breite und in der Höhe. Er darf nicht den Eindruck erwecken, Kompetenzerwerb würde stets linear verlaufen, unabhängig von Fachgebieten und Bildungsbereichen.

Dr. Christiane Kling-Mathey | idw
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaftsrat.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik