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Mehrsprachigkeit als Chance und Herausforderung für Bildung, Wirtschaft und Integration

25.02.2013
Aktuelle Erkenntnisse zur Bi- und Multilingualität in der Frühen Kindheit
Wissenschaftler/innen verweisen auf die Notwendigkeit der gezielten Sprachförderung von zwei- und mehrsprachigen Kindern durch speziell geschultes Fachpersonal an Schulen und vorschulischen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen.

Auf dem Symposium „Bi- und Multilingualität in der Frühen Kindheit“ an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd präsentierten die Experten und Expertinnen Ende Januar den aktuellen Kenntnis- und Erfahrungsstand zur Entwicklung und -förderung der Mehrsprachigkeit und diskutierten die Möglichkeiten zur Umsetzung mit den Anwesenden aus Forschung, Politik und Praxis.

Eine entscheidende Rolle beim erfolgreichen frühen Spracherwerb in verschiedenen Sprachen spielt laut der Fachtagung ein konsequent umgesetztes Immersionsprinzip, bei dem die Kinder in ein Sprachbad eintauchen und immer einer Person eine Sprache zugeordnet ist. Diese Personen müssen nicht nur eine hohe Sprachkompetenz besitzen, sondern auch mit den wissenschaftlichen und sprachdidaktischen Grundlagen zum mehrsprachigen Spracherwerb vertraut sein und über ein umfangreiches methodisches Handlungsrepertoire verfügen.

„Um sich gut entwickeln zu können brauchen Kinder ein anregungsreiches Umfeld, das ihnen die Möglichkeit bietet, ihre Sprachen in vielfältigen Handlungsfeldern anzuwenden und zu erproben. Zugleich benötigen sie sprachsensible Bezugspersonen, die lernförderliche Situationen erkennen und gewinnbringend nutzen. Dazu zählt auch diagnostische Kompetenz, um den Sprachstand des Kindes in beiden Sprachen richtig einzuschätzen und eine optimale Passung des Sprachangebots zu schaffen. Nicht zuletzt ist aber auch die Wertschätzung beider Sprachen und Kulturen wichtig“, erläutert Prof. Patricia Nauwerck von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd die Prämissen für das Gelingen mehrsprachiger Erziehung in Kindertageseinrichtungen.

Neben der Berücksichtigung des Immersionsprinzips sind nach Ansicht der Experten und Expertinnen weitere Faktoren förderlich. Hierzu gehört eine stärkere Achtung und Berücksichtigung der Familiensprache in der Sprachförderung sowie der Einsatz qualifizierter Fachkräfte, die die Kenntnis der Sprache und der erforderlichen didaktischen und pädagogischen Konzepte mitbringen. Eine Möglichkeit für eine solche Qualifizierung ist beispielsweise der berufsbegleitende Zertifikatsstudiengang „Sprachpädagogik“ des Regionalverbunds Sprachförderung, in dem an der PH Schwäbisch Gmünd in Zusammenarbeit mit den Städten der Region Erzieherinnen und Erzieher in Ostwürttemberg geschult werden, um die Sprachentwicklung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund zu verbessern. Die Politik verspricht sich hiervon maßgebliche Auswirkungen auf Bildungs- und Berufserfolg der Kinder, eine einfachere Integration und eine bessere Nutzung des Fachkräftepotenzials.

Die frühkindliche Sprachförderung bei zwei- und mehrsprachigen Kindern ist momentan auch außerhalb von Deutschland ein wichtiges Bildungsthema. Um die Forschungs- und Anwendungsergebnisse länderübergreifend zu nutzen, wird in EU-Projekten eine Vernetzung gefördert. Im Comenius-Projekt TODDLER (Towards Opportunities for Disadvantaged and Diverse Learners in the Early Childhood Road), an dem die PH Schwäbisch Gmünd Deutschland vertritt, versuchen z. B. Lehrerausbildungseinrichtungen aus acht Ländern, den schulischen Misserfolg von Kindern aus benachteiligten Familiensituationen zu verringern. Die Konzentration liegt dabei in der Entwicklung von Kurs-Modulen für den Spracherwerb von multilingualen und multikulturellen Kindern.

Dr. Bert von Staden | idw
Weitere Informationen:
http://www.ph-gmuend.de

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