Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr „Spielplätze“ für die Wissenschaft

22.07.2010
Emmy Noether-Treffen 2010 in Potsdam / Rund 190 Teilnehmende diskutierten über
aktuelle wissenschaftspolitische Fragen

Freiheit und Kreativität sind die Basis für Erkenntnis – und damit für Innovationen in Wissenschaft und Gesellschaft. Dieses Fazit zum Thema „Erkenntnistransfer“ ist nur eines der Ergebnisse des neunten Emmy Noether-Treffens vom 16. bis zum 18. Juli 2010 in Potsdam. Wie in jedem Jahr trafen sich dort Geförderte und Ehemalige im Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), das mit der Einrichtung von Nachwuchsgruppen die frühe wissenschaftliche Selbstständigkeit exzellenter junger Forschender fördert. Neben diesen waren auch wieder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Starting Grants des European Research Council (ERC) erhalten haben, vertreten.

Der Erkenntnistransfer und das Verhältnis von Grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung stand, auch anknüpfend an die Rede des DFG-Präsidenten Professor Matthias Kleiner im Rahmen der Jahresversammlung der DFG Anfang Juli, gleich in zwei Veranstaltungen im Mittelpunkt. Darüber hinaus bot das Treffen neben weiteren Vorträgen viel Raum für Austausch und Diskussion. Die Themen reichten von Fragen zur Förderung – auch im europäischen Rahmen oder dem Human Frontier Science Program – bis zur „Emmy Noether Lecture“, die eindrucksvoll zeigte, dass Kunstgeschichte nicht nur „hübsche Bilder“ liefert, sondern vor allem zum Verständnis gesellschaftlicher Strukturen und Veränderungen beiträgt.

Unter dem Titel „Vom Nutzen der Wissenschaft – Grundlagenforschung versus Anwendungsperspektive?“ beleuchteten am Wissenschaftspolitischen Abend am Freitag Professor Erich Reinhardt, ehemaliges Mitglied des Senats der DFG und des Vorstands von Siemens, Professor Annette Grüters-Kieslich, Dekanin der Charité – Universitätsmedizin Berlin, und Professor Günther Schauerte, Stellvertretender Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin, das Thema „Erkenntnistransfer“ aus ihren jeweiligen fachlichen Blickwinkeln. Die Diskussion mit DFG-Präsident Matthias Kleiner und den Teilnehmenden zeigte auf, dass eine Abgrenzung zwischen Grundlagenforschung und Angewandter Forschung oft nicht möglich – und in vielen Fällen auch nicht nötig – erscheint. Wichtig sind hingegen „Spielplätze“, auf denen Forschende frei, kreativ und im Austausch arbeiten können. Dazu sind neben dem interdisziplinären „Über-den-Tellerrand-Schauen“ auch gegenseitiges Verständnis sowie geeignete Strukturen und „Spielregeln“ nötig. Das Ergebnis sind innovativere Erkenntnisse und Produkte – aber auch Menschen, die mit wissenschaftlich fundierter Bildung zu zukünftigem Wohlstand beitragen.

Im Workshop „‚Zweckfrei‘ heißt nicht ‚ergebnisfrei‘“ hatte Professor Detlev Leutner, Mitglied des Senats der DFG, zuvor die Randbedingungen der neuen Fördermöglichkeiten der DFG aufgezeigt. Aufbauend auf verschiedenen Programmen, die seit Anfang der 1990er-Jahre den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft unterstützen, sind nun in allen Disziplinen sogenannte Transferprojekte möglich.

In der „Emmy Noether Lecture“ stellte die Kunsthistorikerin Professor Julia Hegewald unter dem Titel „Just pretty pictures?“ ihre Forschungen in Indien vor. Dabei betrachtet sie nicht nur Statuen und Bilder, sondern bezieht vor allem die Architektur, aber auch Textilien und Buchkunst mit ein. Die Emmy Noether-Nachwuchsgruppe der Wissenschaftlerin befasste sich vor allem mit dem Volk der Jaina, die sich durch eine Religion der kompletten Entsagung auszeichnen. Hegewald, die im September eine Professur in Heidelberg antritt, hat erstmals deren Kultur erfasst und auch deren Niedergang im frühen 12. Jahrhundert dokumentieren können. Darüber hinaus forscht sie interdisziplinär darüber, welche Rolle Symbole für das nationale Verständnis spielen. Als Beispiel führte sie das Regierungsgebäude in Delhi an, das, nach der Unabhängigkeit erbaut, indische ebenso wie europäische Einflüsse aufnimmt und so allen Bürgern als nationales Symbol dienen soll.

Wie in jedem Jahr bot das Emmy Noether-Treffen 2010 auch viel Raum für den Austausch. Die Geförderten organisierten viele der Workshops selbst. Die DFG-Geschäftsstelle bot zusätzlich umfassende Informationen an. Unter anderem berichtete der ehemalige DFG-Präsident Professor Ernst-Ludwig Winnacker von seiner Tätigkeit im Human Frontier Science Program – einer international finanzierten Einrichtung, die exzellente Forschung in den Lebenswissenschaften durch globalen Austausch fördert.

Auch das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ stand wie in jedem Jahr auf dem Programm. Denn gerade die Phase der beruflichen Qualifizierung ist oft auch die der Familiengründung. Dass die Wissenschaft mit hohen Anforderungen an Flexibilität und Leistung hier besondere Anforderungen stellt, während auf der anderen Seite geeignete Betreuungsangebote immer noch Mangelware sind, diskutierten die Teilnehmenden im Rahmen des Emmy Noether-Treffens erneut. Wiederum bewies das Treffen selbst eindrucksvoll, dass exzellente Wissenschaft und Familie Hand in Hand gehen können. Viele der jungen Forschenden hatten ihre Kinder mitgebracht, die von der angebotenen Kinderbetreuung profitierten.

Cornelia Pretzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de
http://www.dfg.de/dfg_magazin/wissenschaftliche_karriere/emmy_noether/emmy_noether_treffen_10/index.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

nachricht Internationaler Masterstudiengang: TU Kaiserslautern bildet Experten für die Quantentechnik aus
15.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen