Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Mär von der Gleichbehandlung der Geschlechter in der Schule

26.11.2008
Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner ethnischen Zugehörigkeit oder seiner Religion benachteiligt werden. So sieht es das Grundgesetz vor. Gilt dies auch für die Förderung in der Schule?

Und was machen diejenigen, welche keine Förderung erfahren? Ein wichtiges Resultat der Befragung im Rahmen des aktuellen Bildungsbarometers zur Chancengerechtigkeit im Bildungswesen macht nachdenklich und widerspricht dem Gleichheitsgedanken: Durch Lehrkräfte in der Schule und durch Nachhilfe werden mehr die Schüler gefördert.

Die Schülerinnen erfahren dagegen mehr Unterstützung durch die Familie, Geschwister, sonstige Familienangehörige oder anderen Personen.

Zwar sind die Unterschiede in der Unterstützung zwischen Jungen und Mädchen durch die genannten Gruppen jeweils marginal. In der Gesamtzusammenschau ergeben sich aber deutliche Unterschiede in der Stützung durch institutionalisierte Formen des Lernens zugunsten der Jungen. Ob dieses Ergebnis mit der in den letzten Jahren immer größer werdende Anzahl von weiblichen Lehrkräften zu tun hat, kann allerdings aus den Daten nicht entnommen werden.

"Wir haben ein Genderproblem in der schulischen Ausbildung. Wir sind aufgerufen, in der Schule Chancengerechtigkeit zu wahren. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Schule mehr die Jungen fördert und unterstützt und dass Familien und andere Personen durch viel privates Engagement einen Ausgleich zur fehlenden Chancengerechtigkeit herstellen müssen!" erklärt Prof. Reinhold S. Jäger, der Verantwortliche des Bildungsbarometers am Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität in Landau.

Er weist auch auf ein weiteres Ergebnis des aktuellen Bildungsbarometers hin. 9% aller Befragten haben angegeben, dass sie in schulischen Belangen keine Hilfe erfahren haben. Diese Prozentzahl entspricht, würde man diese auf die derzeitige Anzahl der Schülerinnen und Schüler in Allgemeinbildenen Schulen beziehen, einer Großstadt mit rund 846.000 Einwohnern. Hier waren offensichtlich weder die Eltern, noch andere Personen bereit und willens, den jetzt Befragten in schulischen Belangen hilfreich zur Seite zu stehen. Aber was haben diese selbst unternommen: 78,8% haben sich "durchgebissen" und 10,2% haben von sich aus Personen angesprochen, von denen sie Hilfe erwarten konnten.

"Auch hier zeigt sich einmal mehr die Notwendigkeit, Kinder stark zu machen, damit sie ihren Weg gehen können. Schule leistet dies in dem Maße, in dem die Lehrkräfte ihren Beitrag dazu einbringen können. Noch sind wir in Deutschland weit davon entfernt, dass diese Art der Förderung flächendeckend ermöglicht wird", so Jäger.

Am Bildungsbarometer zum Thema Chancengerechtigkeit haben bundesweit 2142 Personen teilgenommen. Es wird gemeinsam vom Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) und von der Schülerhilfe (Gelsenkirchen) realisiert. Der aktuelle Newsletter 2008-3 sowie der vollständige Bericht zum Thema Chancengerechtigkeit steht unter folgendem Link zur Verfügung:

http://www.vep-landau.de/Bildungsbarometer.htm

Die nächste Befragung zum Bildungsbarometer startet am 1. Dezember 2008. Diesmal stehen das Strukturproblem des deutschen Bildungswesens im Zentrum der Befragung. Interessierte können sich schon jetzt für diese Befragung anmelden: http://www.bildungsbarometer.de

Kontakt:
Prof. Dr. Reinhold S. Jäger
Geschäftsführender Leiter
zepf - Zentrum für empirische pädagogische Forschung
Universität Koblenz-Landau, Campus Landau
Bürgerstraße 23, D-76829 Landau
Telefon: +49-(0)6341-906-175
Telefax: +49-(0)6341-906-166
E-Mail: jaeger@zepf.uni-landau.de

Bernd Hegen | idw
Weitere Informationen:
http://www.zepf.uni-landau.de
http://www.bildungsbarometer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Fast jeder vierte Hochschulabschluss ist ein Master
30.09.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Digitaler Wandel kommt im Bildungsbereich an
25.08.2016 | Technologiestiftung Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie