Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Licht und Schatten bei der Entwicklung wichtiger Indikatoren zur technologischen Leistungsfähigkeit Ostdeutschlands

28.05.2010
In allen fortgeschrittenen Volkswirtschaften ist ein Trend zur Wissenswirtschaft zu beobachten. Dieser geht mit zunehmenden Anforderungen an die Qualifikationen der Erwerbstätigen einher. Aufgabe des Hochschulsystems und des Systems der beruflichen Bildung ist es, der steigenden Nachfrage nach gut ausgebildeten jungen Menschen nachzukommen.

In welchem Maße dies in Deutschland gelingt und wo noch Defizite bestehen, untersucht der dritte Bericht des Konsortiums „Bildungsindikatoren und technologische Leistungsfähigkeit“ unter Leitung der HIS Hochschul-Informations-System GmbH. 20 Jahre nach dem Mauerfall liegt ein besonderer Fokus der Studie auf der Entwicklung wichtiger Indikatoren zur technologischen Leistungsfähigkeit in Ostdeutschland.

Die indikatorbasierte Studie „Bildung und Qualifikation als Grundlage der technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands“ beschäftigt sich in zeitlich und international vergleichender Perspektive mit den relevanten Entwicklungen im Hochschulsystem und im System der beruflichen Bildung. Im Zentrum steht dabei die Analyse des Bildungsstands der Bevölkerung – insbesondere der nachwachsenden Generationen – sowie der entsprechenden wirtschaftlich und gesellschaftlich nachgefragten Qualifikationen.

Im Jubiläumsjahr 2010 liegt ein besonderer Fokus auf Ostdeutschland und darauf, wie sich wichtige Indikatoren zur technologischen Leistungsfähigkeit insbesondere in den ostdeutschen Flächenländern seit der Wiedervereinigung entwickelt haben. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass insbesondere die asymmetrischen Wanderungsbewegungen zulasten der ostdeutschen Flächenländer ein hohes Risiko für die technologische Leistungsfähigkeit Ostdeutschlands darstellen. Weitaus mehr Studienanfänger/innen, Hochschulabsolvent/inn/en und Erwerbstätige wandern aus den neuen Ländern in die alten Länder oder ins Ausland ab, als dies umgekehrt der Fall ist. So zeigte sich beispielsweise bei der Untersuchung der Studienanfänger/innen des Wintersemesters 2008/09, dass 20 % von ihnen die Region Ost nach dem Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung verlassen haben, um ein Studium in den Regionen Nord (9 %) oder Süd (11 %) aufzunehmen. Diesen „Abwanderern“ stehen nur 5 % bzw. 4 % Zuwanderer gegenüber, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in den Regionen Nord bzw. Süd erwarben und anschließend zum Studium in die Region Ost kamen. Das Wanderungssaldo für die Region Ost ist damit negativ. In absoluten Zahlen verlieren die ostdeutschen Länder durch den „brain drain“ ca. 2.400 Studienanfänger/innen, das sind ca. 4 % ihres Anfängerpotentials.

Kritisch zu sehen ist dies insbesondere vor dem Hintergrund der von der Kultusministerkonferenz (KMK) veröffentlichten Prognose der Entwicklung der Zahl der Studienberechtigten. Aufgrund demographischer Einflüsse erwartet die KMK für die neuen Bundesländer ohne Berlin bis zum Jahr 2013 eine Halbierung der Zahl der Studienberechtigten. Durch verschiedene Initiativen soll auf diesen dramatischen Rückgang reagiert werden. Kampagnen wie „Studieren in Fernost“ der Hochschulinitiative Neue Bundesländer wollen insbesondere mehr Studienanfänger/innen aus den alten Ländern für ein Studium in den neuen Ländern gewinnen. Diverse Studien zeigen jedoch, dass es weiterhin deutliche Vorbehalte bei Studienanfänger/inne/n aus den alten Ländern gegenüber einer Studienaufnahme in den neuen Ländern gibt.

Positiv würdigt der Bericht die Rolle der neuen Länder bei der Ausbildung des Fachkräftenachwuchses in den für Innovationen und die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands besonders wichtigen MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). So haben die Universitäten der neuen Länder im Jahr 2008 fast ein Viertel des universitären Ingenieurnachwuchses ausgebildet. Innerhalb der neuen Länder ist Sachsen die „Hochburg“ der MINT-Fachrichtungen.

Die Untersuchung „Bildung und Qualifikation als Grundlage der technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands“ gehört zum festen Kanon der jährlich erscheinenden Studien zum deutschen Innovationssystem, die von der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) herausgegeben werden. Sie dienen als Grundlage für die Gutachten der EFI zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands, die – vergleichbar mit den Jahresgutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung - wissenschaftlich fundierte Politikberatung für die Forschungs- und Innovationspolitik der Bundesregierung leisten. Das diesjährige EFI-Gutachten ist am 24. Februar an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben worden.

Die dritte Ausgabe der Studie „Bildung und Qualifikation als Grundlage der technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands“ entstand unter Mitwirkung von Expertinnen und Experten der HIS Hochschul-Informations-System GmbH, des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) sowie des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW), die gemeinsam das Konsortium „Bildungsindikatoren und technologische Leistungsfähigkeit“ bilden. Die Konsortialführerschaft liegt bei der HIS GmbH.

Die gesamte Publikation steht als PDF-Download kostenlos zur Verfügung. Eine Printversion von HIS:Forum Hochschule 6|2010 „Bildung und Qualifikation als Grundlage der technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands“ können Interessenten gegen eine Schutzgebühr von 20 Euro direkt bei der HIS GmbH bestellen.

Nähere Auskünfte:
Dr. Michael Leszczensky
Tel.: 0511/1220-258
E-Mail: leszczensky@his.de
Pressekontakt:
Theo Hafner
Tel.: 0511/1220-290
E-Mail: hafner@his.de
Tanja Barthelmes
Tel.: 0511/1220-384
E-Mail: barthelmes@his.de

Theo Hafner | idw
Weitere Informationen:
http://www.his.de/pdf/pub_fh/fh-201006.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften