Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kulturelles Erbe zugänglich für jedermann

11.12.2009

Anfang Dezember entschied das Bundeskabinett, die Deutsche Digitale Bibliothek DDB aufzubauen, als Netzwerk der deutschen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen. Das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS soll die DDB gemeinsam mit Partnern technisch konzipieren und aufbauen.

Internet-Recherche: Stichwort Schiller und Jubiläum. Bisher erhält der Nutzer endlose, unstrukturierte Trefferlisten. Die Bandbreite reicht von Schiller Nationalmuseum über Schillers Geburtstag hinzu verschiedenen lebenden Personen namens »Friedrich Schiller«, wohnhaft in unterschiedlichen Städten. Die Suchergebnisse in der Deutschen Digitalen Bibliothek sähen anders aus, so die Idee. Hier findet der Nutzer konkrete Ergebnisse zu Friedrich Schiller; aus der einen Quelle sind alte Handschriften einzusehen, aus der anderen verschiedene zeitgenössische Porträts, hinzukommen Videoaufnahmen einer aktuellen Inszenierung, Tonaufnahmen aus den 50er-Jahren oder literaturwissenschaftliche Magister- und Doktorarbeiten.

Denn Ziel der DDB ist es, die in Deutschland verfügbaren Kulturgüter und wissenschaftlichen Informationen für ein breites Publikum zu öffnen. Dafür sollen Daten und Informationen aus den über 30 000 Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland erschlossen und über das Internet für jeden zugänglich gemacht werden – unabhängig davon, ob die Informationen als Videoclip, Text oder Bilder vorliegen. Der Nutzer kann auf eine Palette von Daten und Fakten zugreifen, die ihm zudem anschaulich präsentiert werden – dank Internet zu jederzeit und von jedem Ort aus, sei es vom PC-Arbeitsplatz oder über mobile Geräte. Das kulturelle Erbe Deutschlands sowie veröffentlichte wissenschaftliche Informationen werden so nicht nur für Fachleute, sondern für alle Nutzerkreise erreichbar, für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für Studenten oder kulturinteressierte Menschen aller Altersgruppen.

»Wir erstellen gemeinsam mit unseren Partnern die technische Gesamtkonzeption und koordinieren das gesamte Projekt«, sagt Projektleiterin Marion Borowski vom IAIS. »Hier am Institut gab und gibt es eine Reihe von Aktivitäten zum Thema Kulturerbe – zum Beispiel das Digitale Beethoven-Haus. Zudem haben wir die Studie 'Auf dem Weg zur Deutschen Digitalen Bibliothek' verfasst, eine wesentliche Basis für das nun startende Projekt.«

Die digitale Bibliothek soll über ein Internetportal eine komfortable Recherche über alle multimedialen Inhalte hinweg ermöglichen. Dafür notwendige spezielle Suchwerkzeuge werden zum Beispiel im Projekt Theseus entwickelt, an dem das IAIS ebenfalls beteiligt ist. Diese Werkzeuge analysieren die Inhalte und können Hinweise auf deren Bedeutung geben. Der Nutzer kann damit auswählen, ob er sich zum Beispiel für den trojanischen Helden »Paris«, den Vornamen »Paris« oder die Stadt »Paris« interessiert. Darüber hinaus vernetzen die Verfahren Inhalte aus den unterschiedlichen Quellen und bringt sie in einen inhaltlich sinnvollen Zusammenhang.

Die Arbeiten des IAIS zu Konzeption und Aufbau der DDB werden vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) in Auftrag gegeben. Derzeit definieren die Fraunhofer-Entwickler gemeinsam mit der Virtual Identity AG die Anforderungen an die DDB. Anfang 2010 startet die Konzeptions- und Umsetzungsphase. Der Pilotbetrieb soll Mitte 2011 beginnen. Die Finanzierung des Infrastrukturaufbaus erfolgt aus Mitteln des Konjunkturprogramms II des Bundes. Die DDB wird in die Europäische Digitale

Bibliothek »Europeana« integriert. Sie ist ein Verbund der nationalen digitalen Bibliotheken Europas, zu denen auch die DDB gehört.

Das »Kompetenzwerk DDB«, an dem namhafte deutsche Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen aus allen Sparten, etwa Bibliotheken, Archive oder Museen, beteiligt sind, vertritt die Interessen aller

Beteiligten und berät die Betreiber der DDB in fachlicher und technischer Hinsicht.

Marion Borowski | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.iais.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Fast jeder vierte Hochschulabschluss ist ein Master
30.09.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Digitaler Wandel kommt im Bildungsbereich an
25.08.2016 | Technologiestiftung Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie