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Kooperative Leseförderung

11.10.2011
„Kooperative Lernformen werden in Zukunft im Unterricht eine immer größere Rolle spielen“, so Prof. Dr. Jürgen Walter vom Institut für Heilpädagogik.

„Aus diesem Grund wird den Studierenden während ihrer Ausbildung die Möglichkeit gegeben, sich aktiv mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.“ Anknüpfend an erste positive Erfahrungen an der Universität Frankfurt, vor allem aber an Entwicklungen aus den USA, befassen sich Annika Kleist und Gerhard Löffler im Rahmen ihrer Masterarbeit mit dem Thema Förderung der Lesekompetenz bei Schülern, und zwar in kooperativer Form. Sie entwickelten nach US-amerikanischem Vorbild ein Lesetraining für Kinder.

Bei diesem Lesetraining bilden die Schüler Lese-Tandems, sie helfen, verstärken und motivieren sich gegenseitig. Zum Training gehört auch ein Manual für Lehrerinnen und Lehrer, mit dessen Hilfe Lehrkräfte das Lesetraining in ihren Klassen durchführen können. Annika Kleist und Gerhard Löffler studieren den weiterführenden Studiengang Master of Education für Sonderschulen. Angesichts der existentiellen Wichtigkeit der zu erreichenden Lesekompetenz von Schülerinnen und Schüler würde es sich als entwicklungshemmend auswirken, wenn wie im Falle der Leseforschung die Ergebnisse unbeachtet bleiben würden. In ihren Masterarbeiten, von Prof. Dr. Jürgen Walter vom Heilpädagogischen Institut betreut, befassen sich deshalb beide mit dem Thema, wie durch ein Lesetraining die Lesekompetenz bei Kindern nachhaltig gefördert werden kann. Das Training soll ab der Klassenstufe 2 durchführbar sein.

Zwischen Lesegeschwindigkeit und Leseverständnis bestehe ein direkter Zusammenhang, so Gerhard Löffler. Wer flüssiger liest, versteht den Inhalt des Textes generell auch besser. Da die richtig gelesenen Wörter pro Minute gut zu messen sind, ist der Fortschritt, den die Kinder in der Lesegeschwindigkeit machen, einfach und schnell darstellbar. Und diesen tragen die Kinder innerhalb des Lesetrainings jeder für sich in ein Diagramm ein - ein wichtiger Punkt in der Arbeit der beiden angehenden Sonderschullehrer. Den Fortschritt im Lesen können die Kinder individuell erkennen - ohne dabei in Konkurrenz zu ihren Klassenkameraden zu treten. "Unser Training ist fortschrittsorientiert, nicht leistungsorientiert, die Kinder stehen also nicht im Wettkampf untereinander, sie sehen ihren eigenen individuellen Erfolg: das motiviert. Und diese Motivation ist ein wichtiger Bestandteil des Trainings", sagt Annika Kleist. Ebenfalls motivierend: Die Kinder wählen aus einem zusammengestellten Vorrat den Text aus, den sie gern lesen möchten, können also - im vorgegebenen Rahmen - selbst bestimmen, was sie lesen möchten.

"Der Lehrer sollte zudem im Lesetraining die Rolle eines Choreographen einnehmen, er oder sie sollte Schwierigkeiten vorhersehen, dafür sorgen, dass die Schüler gut zusammenarbeiten und die Regeln erklären und muss in der Lage sein das Thema zu kommunizieren und zu reflektieren", ergänzt Gerhard Löffler. Ihr Lesetraining gestalteten die beiden Masterstudierenden kooperativ, das heißt, das die Schülerinnen und Schüler in einer Lerngemeinschaft sich gegenseitig unterstützen.

Annika Kleists und Gerhard Löfflers Arbeit basiert auf den Arbeiten der US-amerikanischen Wissenschaftlerin Dr. Amanda Yurick. Die beiden Flensburger Studierenden erprobten nach Auswahl der Texte und dem Verfassen des Leitfadens ihr Lesetraining in einer Schule der deutschen Minderheit in Apenrade. Das Konzept verbesserten sie und gaben ihr Lesetraining an eine Lehrerin, die es in einer weiteren Klasse anwendete. Die Kinder wurden vor dem Training, während des Trainings und danach getestet. Die ersten Erkenntnisse stimmen positiv. „Welche Effekte diese Vorgehensweise im Vergleich zur konventionellen, lehrerzentrierten Form von Leseförderung hat, kann aber anhand der Daten noch nicht abgeleitet werden. Dazu war der Beobachtungszeitraum zu kurz und die Vergleichsgruppe nicht parallel genug“, so Professor Walter.

Weiterführende Untersuchungen mit diesem Konzept werden parallel von Johanna Wölling im Rahmen ihrer Promotion sowie von weiteren Projekt-Gruppen der Abteilung Lernbehinderten- und Förderpädagogik des Instituts für Heilpädagogik vorgenommen.

Kontakt: Prof. Dr. Jürgen Walter, Institut für Heilpädagogik (HPI), Tel.:0461 805 2678, E-Mail:walter@uni-flensburg.de, Web:http://www.foerderpaedagogik.uni-flensburg.de

Dr. Helge Möller | idw
Weitere Informationen:
http://www.foerderpaedagogik.uni-flensburg.de/

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