Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Knochenjob am Urlaubsstrand - Artenschutz-Praktikum

29.06.2012
Biologiestudierende der Humboldt-Universität reisen jedes Jahr nach Nordzypern, um tausenden Jungtieren vom Aussterben bedrohter Meeresschildkröten den Start ins Leben zu erleichtern/Freiwillige gesucht

Meeresschildkröten sind archaische und faszinierende Tiere. Nachdem ihre Vorfahren im Gegensatz zu den anderen „Urreptilien“ alle großen erdgeschichtlichen Veränderungen und Katastrophen überlebten, hat der Mensch sie heute an den Rand der Ausrottung gedrängt.


Frisch geschlüpfte Grüne Meeresschildkröte
Foto: PD Dr. Rolf Schneider (HU Berlin)


Meeresschildkröten auf dem Weg ins Leben
PD Dr. Rolf Schneider (HU Berlin)

Acht Arten von Meeresschildkröten gibt es weltweit, zwei davon – die Grüne Meersschildkröte (Chelonia mydas) und die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) - finden sich auch im Mittelmeerraum. Rund 300 Unechte Karett- und etwa 120 der selteneren Grünen Meeresschildkröten zieht es alljährlich an die vom kommerziellen Tourismus noch weitgehend verschonten Strände der Karpaz-Halbinsel auf Nordzypern zu ihren Stamm-Nistplätzen.

Ihr Überleben ist Gegenstand des seit 1996 unter Leitung des Ministeriums für Umwelt der Türkischen Republik Nordzypern laufenden Projektes zum Schutz und zur Erforschung der Meeresschildkröten in Nordzypern, das in Kooperation mit einer Projektgruppe des Instituts für Biologie der Humboldt-Universität bereits seit 15 Jahren läuft. Jährlich reisen interessierte Studierende von Juni bis September zu zwei- bis vierwöchigen Einsätzen ins „Schildkröten-Camp“ auf die Karpaz-Halbinsel, um tausenden Jungtieren vom Aussterben bedrohter Meeresschildkröten den Start ins Leben zu erleichtern.

FREIWILLIGE GESUCHT
Für die Studierenden ist die Arbeit ehrenamtlich, der Aufenthalt wird vom nordzypriotischen Umweltministerium finanziert, die Flugkosten tragen die Studierenden selbst. „Die Arbeit ist bei Temperaturen um 35°C nicht immer leicht und das Leben in der provisorischen Zeltstadt eher spartanisch, aber das nimmt jeder in Kauf für das einmalige Abenteuer Meeresschildkröten hautnah zu erleben“, erläutert Dr. Rolf Schneider, der das Projekt zusammen mit seiner Kollegin Stefanie Krämer ehrenamtlich betreut.

Entstanden ist es einst auf Initiative des emeritierten Biologieprofessors Andreas Elepfand. Gearbeitet wird vor Ort abwechselnd in kleinen Teams, die nachts die Hauptnistplätze beobachten, potentielle Eiablageplätze in kleinen Buchten kontrollieren oder Nester bei Gefahren behutsam umbetten. „Während der Zeit der Eiablage ist an Schlaf kaum zu denken. Die Schildkrötenweibchen kommen nachts an den Strand, durch regelmäßige Patrouillen sind Art und Zahl der Tiere zu erfassen und die Eiablageplätze zu markieren. Am Tage werden dann die Nistplätze mit Drahtgittern abgedeckt, um sie vor Füchsen und Hunden zu schützen“, berichtet Stefanie Krämer über die Arbeit vor Ort. Sechs Wochen nachdem die ersten Weibchen abgelegt haben, schlüpfen die Jungen. Dann heißt es schnell sein: noch vor Sonnenaufgang müssen die Helfer die Jungtiere zählen, einsammeln und ans Wasser tragen, um sie vor natürlichen Feinden wie Krabben und Möwen zu schützen. „An den Nestern wird nachgegraben, um die letzten Tiere ans Licht zu holen, die verbliebenen Eier zu zählen, den Schlupferfolg und mögliche Ursachen für Entwicklungsdefizite festzustellen“, so Krämer.

Zukünftig möchten die Koordinatoren die Kooperation mit dem nordzypriotischen Umweltministerium nutzen, um ein Artenschutz-Praktikum des im Masterstudiengang Biologie angebotenem Modul „Naturschutz“ zu etablieren.

Fotoaufnahmen der Meeresschildkröten
http://www.hu-berlin.de/pr/medien/aktuell/material/pm_120629_00
Informationen zum Meeresschildkröten-Schutzprojekt
http://www.sea-turtle-coservation.net
KONTAKT & ANMELDUNG
PD Dr. Rolf Schneider und Stefanie Krämer
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Biologie
Unter den Linden 6
10099 Berlin
Tel.: 030 2093-8637/ -6377
E-Mail: rolf.schneider@rz.hu-berlin.de

Constanze Haase | idw
Weitere Informationen:
http://www.hu-berlin.de
http://www.sea-turtle-coservation.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitale Bildung im Unterricht: Was Lehrer und Schüler von der Schul-Cloud erwarten
11.12.2017 | Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI)

nachricht Neues Computerprogramm hilft bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
13.11.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften