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Wie Kinder lernen, „Nein“ zu sagen

19.04.2011
Psychologen der Universität Jena belegen Wirksamkeit ihres Programms IPSY zur Suchtprävention

Es werden immer mehr und sie werden immer jünger: Kinder und Jugendliche, die sich mit Alkohol krankenhausreif trinken. Das „Koma-Saufen“ hat bei den unter 20-Jährigen traurige Konjunktur. Doch wie lassen sich Heranwachsende effizient gegen den Missbrauch von Alkohol und anderen Substanzen schützen?

„Mit Aufklärung allein ist es nicht getan“, weiß Dr. Karina Weichold von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Denn dass Alkoholkonsum oder auch das Rauchen der Gesundheit schaden, wissen Kinder und Jugendliche in der Regel sehr genau. „Prävention muss deshalb woanders ansetzen.“ Das versucht die Entwicklungspsychologin gemeinsam mit Kollegen des Instituts für Psychologie und des Center for Applied Developmental Science der Jenaer Universität mit ihrem eigens entwickelten Präventionsprogramm IPSY.

Wie die Jenaer Psychologen in einer aktuellen Untersuchung basierend auf knapp 1.700 Thüringer Schulkindern im Alter zwischen 10 und 15 Jahren zeigen konnten, ist ihr Trainings- und Informationsprogramm sehr gut geeignet, dem Missbrauch von Alkohol und Nikotin im Kindes- und Jugendalter vorzubeugen. In der Fachzeitschrift „Journal of Early Adolescence“ stellen die Jenaer Forscher ihre Studienergebnisse vor.

„IPSY steht für Information und Psychosoziale Kompetenz und versucht, ganz grundlegende Lebenskompetenzen zu vermitteln“, erläutert Dr. Weichold den Ansatz des Präventionsprogramms. Damit, so schreiben die Entwicklungspsychologen um Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen in ihrer aktuellen Publikation, lassen sich langfristige Effekte erzielen. „Der alterstypische Anstieg im Konsum von Alkohol und Zigaretten ist bei Schülern, die an unserem Programm teilnehmen, geringer als in den Kontrollgruppen, dazu ist das Einstiegsalter hinausgezögert“, sagt Prof. Silbereisen, der das Projekt gemeinsam mit Dr. Weichold leitet.

„Mit unserem Programm wollen wir die Kinder erreichen, bevor sie erstmals mit Alkohol oder Zigaretten in Berührung kommen“, erläutert Prof. Silbereisen. In Kooperation mit dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur ist IPSY seit 2003 in über 100 Schulen im Freistaat eingeführt worden. „Sowohl die Effekte des Programms bei den Schülern als auch die Erfahrungen der Lehrer, die sich an der Umsetzung von IPSY beteiligen, ist durchweg positiv“, fasst Prof. Silbereisen zusammen.

In verschiedenen Publikationen zum Programm IPSY haben die Entwicklungspsychologen nach den Wirkmechanismen ihres Programms gesucht, aber auch, ob das Programm bei Untergruppen gleich effektiv ist. „Sowohl Jungen als auch Mädchen profitieren von unserem Programm“, so Dr. Weichold. Während bei den Mädchen vor allem das Selbstwertgefühl gestärkt wird, gewinnen Jungen deutlicher an Kommunikationskompetenz. „Insgesamt führt IPSY dazu, dass die Kinder weniger leicht durch Gruppendruck zu beeinflussen sind und es ihnen leichter fällt, ,Nein‘ zu Alkohol oder Zigaretten zu sagen.“ Als weiterer positiver Effekt verstärke sich durch IPSY die Bindung der Schüler an ihre Schule. „Das hat zur Folge, dass sich die Jugendlichen mit ihrer Schule stärker identifizieren, sich dort wohl und ernst genommen fühlen“, macht die Jenaer Psychologin deutlich.

Im Programm IPSY trainieren die Schüler allgemeine Fähigkeiten, wie den Umgang mit Stress und Angst oder die Reflexion des eigenen Selbstbildes. Dazu bearbeiten sie in interaktiven Lerneinheiten Themen, wie „Schule und Ich“ oder „Ich und Andere“ und diskutieren mit Mitschülern und Lehrern ihre Ergebnisse. Rollenspiele, Bewegungs- und Entspannungsübungen gehören ebenso zum Konzept. Das Programm besteht aus 15 90-minütigen Einheiten in Klassenstufe 5. In den Klassen 6 und 7 folgt jeweils eine Aufbauphase von 7 Einheiten.

Original-Publikation:
Weichold K, Brambosch A, Silbereisen R. Do Girls profit more? Gender-specific effectiveness of a life skills program against alcohol consumption in early adolescence. Journal of Early Adolescence 2011, DOI:10.1177/0272431610384489
Kontakt:
Dr. Karina Weichold
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Center for Applied Developmental Science
Am Steiger 3/Haus 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945221 oder 945201 (Sekr.)
E-Mail: karina.weichold[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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