Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im internationalen Jahr der biologischen Vielfalt meldet sich die Forschung zu Wort

11.01.2010
Kopenhagen hat die Hoffnungen vieler auf einen effektiveren Naturschutz enttäuscht. Dabei ist der Klimawandel nur ein Aspekt der Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlage. Die Zahl funktionierender Ökosysteme, die uns sauberes Wasser, Nahrung und Lebensraum liefern, nimmt dramatisch ab.

Bis 2010 sollte diese Entwicklung aufgehalten werden. Auch dieses Vorhaben wird fehlschlagen. Dieses Jahr werden bei der UN-Vertragsstaatenkonferenz die Weichen neu gestellt. Unter dem Dach von DIVERSITAS Deutschland schließt sich die Biodiversitätsforschung auf breiter Basis zusammen, um die Debatte in Schwung zu bringen. Eine neue Plattform dafür bietet das "Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung".

Aus Sicht der Biodiversitätsforschung ist 2010 ein Schaltjahr, denn man erhofft sich endlich die notwendige Aufmerksamkeit für das wahrscheinlich größte Problem der nächsten Generationen: Dem rasanten Schwund der biologischen Vielfalt. Auf dem "World Summit on Sustainable Development" 2002 in Johannesburg hatten die UN-Mitgliedstaaten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) das frisch angebrochene Jahr als Zielmarke für eine deutliche Verminderung des dramatischen Verlusts der Biodiversität festgelegt. Doch der Schwund der Artenvielfalt geht weltweit unvermindert weiter. Und damit schwindet auch die Lebensgrundlage unserer eigenen Art. Wie viele andere Mitgliedsstaaten hat auch die Bundesregierung in der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) von 2007 die Ziele konkretisiert. Doch an entschlossenem Handeln hapert es weiterhin. Auch in Deutschland, das derzeit den Vorsitz in der CBD innehat.

Nun haben die Vereinten Nationen 2010 zum Internationalen Jahr der Biodiversität erklärt, dessen Beginn die Bundesregierung am 11. Januar im Museum für Naturkunde in Berlin in internationalem Rahmen feiern wird. Der Begriff Biodiversität ist inzwischen kein Fremdwort mehr. Bereits zur Vertragsstaatenkonferenz der CBD im Mai 2008 in Bonn (COP9) galt dem Thema eine hohe Aufmerksamkeit - seitens der Politik, der Medien und der Öffentlichkeit. Umweltminister Röttgen nannte den Schutz der Ökosysteme kürzlich die zweitwichtigste Herausforderung nach dem Klimawandel, denn die Vielfalt der Ökosysteme, der Tier- und Pflanzenarten und die genetische Vielfalt sind unverzichtbare Lebensgrundlagen.

10. internationale Vertragsstaatenkonferenz zur Biodiversität im Oktober in Japan

Da die 2010-Ziele verfehlt werden, wird nun analysiert, was die Gründe für den Misserfolg waren und was verbessert werden muss. Ähnlich einem Kyoto-Nachfolgeprotokoll im Klimabereich soll auch für den Erhalt der Biodiversität ein politischer Folgeplan aufgestellt werden. Hierbei ist auch der Beitrag deutscher Biodiversitätsforscher unverzichtbar. Bis Oktober zur internationalen Vertragstaatenkonferenz der CBD, der COP10, in Japan müssen konkrete Vorschläge für das weitere Vorgehen stehen. Bei der Trondheimkonferenz im Februar wollen Forscher aus aller Welt neue Wege aufzeigen. Die Sicht der deutschen Forschung soll beim "Post2010-Workshop" in Berlin gebündelt werden.

Es ist die Forschung, die das Wissen für politische Entscheidungen liefert

Um Erkenntnisse aus der Wissenschaft besser umzusetzen, müssen Forschung und Politik besser zusammenarbeiten. National als auch international werden deshalb derzeit Schnittstellen zwischen Politik und Forschung gefördert. So wurde im Sommer 2009 das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschlands etabliert, das eine bessere Vernetzung der Biodiversitätsforschung mit Politik und Öffentlichkeit erreichen soll.

Auf internationaler Ebene entscheiden sich die Vertragsstaaten im April für oder gegen ein wissenschaftliches Beratungsgremium zu Biodiversitätfragen, ähnlich dem Weltklimarat IPCC in Klimaangelegenheiten. Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) soll das Konsortium heißen.

Es geht also darum, wirkungsvolle Konzepte zu entwickeln, die eine Nutzung der Natur ohne ihre Zerstörung ermöglichen. Doch was kann die Forschung dazu beitragen? (siehe hierzu auch das Interview mit DIVERSITAS Deutschland Vorsitzender Prof. Elisabeth Kalko unter http://www.biodiversity.de).

Immer mehr ist es das Ziel großer Forschungsprojekte, der Praxis konkrete Handlungsoptionen an die Hand zu geben. So auch das Projekt BIOLOG Europa, das die biologische Vielfalt im Einfluss des Klimawandels im Zeitraum von zehn Jahren betrachtet hat. Ende März werden die Ergebnisse auf der Abschlusskonferenz in Berlin präsentiert und von hochrangigen Gästen aus Politik, Forschung und Medien diskutiert. Ein wichtiger Aspekt wird hierbei ein konkretes finanzielles Anreizsystem für Landnutzer sein, Naturschutzmaßnahmen in die Nutzung zu integrieren.

Netzwerk-Forum zur Biodiversität Deutschland bündelt Biodiversitätswissen für die Anwender

Aktive Unterstützung bei der Umsetzung der Ziele der CBD - das ist eine der Hauptaufgaben von DIVERSITAS Deutschland. Dieser Zusammenschluss von Forschern verschiedener Disziplinen und Institutionen befasst sich mit aktuellen Fragestellungen der Biodiversitätsforschung. Im Zentrum stehen gesellschaftsrelevante Probleme des Schutzes und der nachhaltigen Nutzung von Biodiversität. Der Verein möchte die Zusammenarbeit von Forschung, Praxis und Politik verbessern und das Bewusstsein für die Bedeutung der Biodiversität in der Öffentlichkeit stärken.

Netzwerk-Forum Biodiversitätsforschung Deutschland, kurz NeFo, ist das Kommunikationsinstrument von DIVERSITAS-Deutschland. Das NeFo-Internetportal http://www.biodiversity.de soll Politik, Medien und Öffentlichkeit einen Überblick über aktuelle Fragestellungen und Fakten der Biodiversitätsforschung zu aktuellen politische Themen geben. Hier werden wichtige Zusammenhänge hergestellt und Meinungsbilder aus der Forschung eingeholt. Aktuelle Meldungen und Termine aus Biodiversitätsforschung und -politik sowie thematische Grundlagen werden zielgruppenspezifisch angeboten. Das Service-Zentrum bietet Praxis- und Medienvertretern direkte Ansprechpartner für konkrete Fragen an die Wissenschaft und vermittelt wissenschaftliche Experten.

Das "Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland" ist ein Projekt im Rahmen von DIVERSITAS-Deutschland, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Projektträgerschaft hat der Projektträger im DLR inne. Das Projekt wird maßgeblich durchgeführt durch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ in Leipzig, das Museum für Naturkunde Berlin und die Universität Potsdam.

Wozu brauchen wir Biodiversität?

Es sind intakte Ökosysteme, die Menschen auf der Welt mit lebensnotwendigen Ökosystem-Dienstleistungen versorgen. Bisher wurden sie als selbstverständlich und unendlich betrachtet und stark übernutzt - vor allem durch Landnutzung, Entwaldung und Klimawandel. Doch immer deutlicher werden die Alarmzeichen, dass essenzielle Elemente und Funktionen wie sauberes Wasser, Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen, CO2-Speicherung oder Regen durch kühlende Wälder durch menschliche Aktionen gefährlich verknappt werden. Diese für den Menschen lebensnotwendigen Dienste werden inzwischen auch ökonomisch beziffert. Nach der TEEB-Studie (The Economics of Ecosystem Services and Biodiversity) ist der Erhalt der Ökosysteme und ihrer Dienstleistungen in allen Fällen deutlich günstiger als deren Verlust durch andere Maßnahmen auszugleichen.

Weitere Informationen:

Sebastian Tilch
Öffentlichkeitsarbeit Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
Department Naturschutzforschung
Tel. 0341/235-1062
Email: sebastian.tilch@ufz.de

Petra Richter | idw
Weitere Informationen:
http://www.biodiversity.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Bei Celisca entsteht das Labor der Zukunft
19.12.2016 | Universität Rostock

nachricht Bildung 4.0: Die Welt des digitalen Lernens: Smartphones und Virtual Reality im Unterricht
14.12.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau