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Innovation als starke strategische Säule

12.03.2010
Wie sich die zwei Welten Wissenschaft und Wirtschaft gewinnbringend verbinden lasssen, zeigte das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bei seinem diesjährigen Jahresempfang: Im Fokus stand die Innovation, neben Forschung und Lehre die dritte strategische Säule des KIT.

Die Präsidenten Professor Eberhard Umbach und Professor Horst Hippler hoben die Bandbreite des Innovationspotenzials am KIT und dessen internationale Sichtbarkeit hervor. In Interviews und Filmen wurde deutlich, wie gezielte Zusammenarbeit den Weg von der Idee zum marktfähigen Produkt ebnen kann. Bestes Beispiel: der umweltschonende Zement Celitement.

Die Veranstaltung in der Karlsruher Hochschule für Gestaltung war der erste Jahresempfang des KIT als rechtlich fusionierte Institution. Die Fusion ermöglicht Synergieeffekte, die durch einfache Kooperationen nicht zu erreichen wären, wie Eberhard Umbach erklärte. Erste Erfolge zeigen sich bereits - als Beispiel nannte der KIT-Präsident die vom KIT koordinierte Knowledge and Innovation Community (KIC) "InnoEnergy", die bis 2050 ein nachhaltiges Energiesystem für Europa schaffen soll. Das europäische Konsortium umfasst 35 Partner - Universitäten, Forschungseinrichtungen, Business Schools und Unternehmen.

KIT-Präsident Horst Hippler verwies auf die Stellung des KIT als erfolgreichste deutsche Einrichtung in der europäischen Forschungsförderung: Im 6. EU-Forschungsrahmenprogramm hat das KIT über 80 Millionen Euro an Fördermitteln eingeworben und an mehr als 200 Forschungsprojekten mitgewirkt. Von der Forschungsstärke des KIT profitieren sowohl die Studierenden als auch die Kooperationspartner.

Der Vorsitzende des KIT-Gründungsaufsichtsrats und Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Professor Jürgen Mlynek, betonte die Bedeutung einer starken Grundlagenforschung als Fundament der Innovation. Das KIT kombiniere hervorragende Forschung mit strategischer Relevanz und adressiere die großen Zukunftsfragen wie Energie und Klima. - Mit mehr als 8 000 Mitarbeitern sei das KIT der größte Arbeitgeber der Region, sagte der Präsident der IHK Karlsruhe, Bernd Bechtold. Es investiere im Jahr rund 60 Millionen Euro in Waren und Dienstleistungen. Seine Studierenden repräsentierten eine jährliche Kaufkraft von etwa 350 Millionen Euro. Das KIT sei ein immenser Wirtschaftsfaktor und stehe symbolhaft für die Chancen der Region.

Um Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen, setzt das KIT auf drei Dimensionen der Innovation, wie der Vizepräsident für Forschung und Innovation, Dr. Peter Fritz, im Interview mit Moderator Markus Brock vom SWR erläuterte. Die Dimension "Wissenstransfer" betrifft die personelle Verschränkung mit Industriepartnern in so genannten Shared Research Groups und Shared Professor-Ships. In der Dimension "Business Development" geht es darum, Ausgründungen zu unterstützen - durch gemeinsame Entwicklung von tragfähigen Konzepten, Vermittlung der Finanzierung und langfristige Begleitung.

Die Dimension "Transfer von Ideen" bezieht sich auf die Weiterentwicklung von Ideen zur Patent- und Produktreife und auf langfristige Kooperationen zwischen dem KIT und Wirtschaftsunternehmen. Wie Peter Fritz erläuterte, kommt es besonders darauf an, eine Idee in die Struktur eines Unternehmens einzupassen und eine gemeinsame Diskussionsebene zu finden. Der KIT-Vizepräsident stellte auch den KIT-Hightech-Inkubator für Ausgründungen mit Laborbedarf und den KIT-Business-Club als fachübergreifende strategische Kommunikationsplattform vor.

In der anschließenden Gesprächsrunde kamen Akteure zu Wort, die auf den verschiedenen Wegen in den Markt praktische Erfahrungen gesammelt haben: Der Leiter des KIT-Instituts für Produktentwicklung, Professor Albert Albers, sprach sich für eine breit angelegte, das heißt nicht auf Patente allein beschränkte Innovationsstrategie aus. Die Inhaberin der Shared Professorship "Global Production Engineering and Quality", Professorin Gisela Lanza, die im Wechsel am KIT und bei der Daimler AG arbeitet, hat festgestellt, dass alle Seiten von der Kooperation profitieren: Sie erhält als Wissenschaftlerin Impulse aus konkreten Projekten und kann in der Lehre Inhalte im aktuellen Kontext präsentieren, das Unternehmen lernt die Sichtweise auf den neuesten Stand der Forschung kennen.

Der Leiter der KIT Dienstleistungseinheit Innovationsmanagement, Dr. Jens Fahrenberg, erwähnte die Innovationsstiftung Karlsruhe, die es ermöglicht, unabhängig von Förderprogrammen frühzeitig in ausgewählte Innovationen zu investieren. Entstehung und Aufgaben von Patentfonds erläuterte Dr. Thomas Rüschen, bei der Deutschen Bank AG weltweit verantwortlich für den Bereich Asset Finance & Leasing.

Eindrucksvolles Beispiel einer Innovation mit enormem Potenzial und einer vielversprechenden Kooperation zwischen Forschung und Industrie ist die Ausgründung der Celitement GmbH. Das von einem KIT-Forscherteam entwickelte Celitement ist wie herkömmlicher Zement ein hydraulisches Bindemittel auf Basis von Calciumsilikaten. Bei seiner Herstellung lässt sich die Emission von CO2 bis über 50 Prozent verringern. Dr. Peter Stemmermann, Abteilungsleiter am KIT-Institut für Technische Chemie, stellte das Verfahren vor und erläuterte die Strategie, das Produkt stufenweise einzuführen - zunächst als Spezialbindemittel. Vor dem Eintritt in den Massenmarkt gilt es, die Dimension der Produktion nach und nach zu vergrößern und die erforderlichen Zulassungsverfahren zu durchlaufen. Der Geschäftsführer des Industriepartners Schwenk Zement KG, Gerhard Hirth, betrachtet Celitement als eine zunächst ergänzende Erfindung. Schwenk verstehe sich als deren Wegbereiter in die Zementindustrie hinein.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Dr. Elisabeth Zuber-Knost | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu

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