Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IAQ-Forscher fordern Familienbegleitprogramme - Bildungsdefizite ausgleichen

03.08.2009
Die Kommunen müssen sich in Problemstadtteilen verstärkt um ihre Jugend kümmern. "Es besteht die Gefahr, dass ganze Stadtquartiere von einer existenzsichernden Erwerbsfähigkeit abgekoppelt werden, wenn nicht bereits im Erziehungs- und Bildungssystem frühzeitig gegengesteuert wird!", warnen Bildungsforscher des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Sie plädieren für ein flächendeckendes, regionales Bildungsmonitoring, um Defizite in Problemregionen feststellen und gegensteuern zu können.

Demnach gibt es Stadtteile, in denen im Jahr 2006 32 bis 40 Prozent der Kinder bei der Einschulungsuntersuchung keine ausreichende Sprachkompetenz aufwiesen, zum Teil hatte mehr als jedes vierte Kind Übergewicht, in einzelnen Städten schaffte über 10 Prozent der Schüler nicht einmal den Hauptschulabschluss.

"Sage mir, aus welchem Stadtteil du kommst, und ich sage dir, was aus dir wird!", so der IAQ-Bildungsforscher Dirk Langer. Denn zwischen Bildung und Einkommen besteht eine enge Wechselbeziehung; Abwärtsspiralen in der Bildung beginnen vor dem 10. Lebensjahr. Die Analyse von Daten zeigt vor allem, dass auch in der gesundheitlichen Lage der Bevölkerung erhebliche regionale Differenzen bestehen. In schwierigen Stadtteilen mit sozial benachteiligten Familien, hohem Migrantenanteil, Arbeitslosigkeit und Armut müssten besonders frühausgleichende Bildungs- und Gesundheitsangebote in der Zusammenarbeit mit den Familien umgesetzt werden, fordert der IAQ-Forscher.

"Die Förderung sollte am besten mit Familienbegleitprogrammen direkt nach der Geburt beginnen. Sie könnten in Netzwerken aus Jugendhilfe und Gesundheitssystem verwirklicht werden", meint die IAQ-Forschungsdirektorin Dr. Sybille Stöbe-Blossey. "Auch die Familienzentren bieten Anknüpfungspunkte für erweiterte, stadtteilbezogene Förderprogramme." Langer rät außerdem, die Möglichkeiten der Offenen Ganztagsschule besser zu nutzen; Defizite zum Beispiel in der Sprachkompetenz oder aus dem Schulunterricht könnten so aufgearbeitet werden. Für die Nachmittagsbetreuung in Stadtteilen mit hohem Förderbedarf sollte deshalb möglichst auch pädagogisch geschultes Personal eingesetzt werden, was sich allerdings eher die finanzkräftigeren Kommunen leisten könnten.

Die ungünstigen Lernvoraussetzungen schlagen sich in der Schulabschlussentwicklung nieder: Etwa 50 Prozent der ausländischen Schüler in NRW erzielen maximal den Hauptschulabschluss -- ein schwieriger Berufseinstieg ist vorgezeichnet, zumal Stellen fehlen: Zwischen 2000 und 2007 stiegen die Ausbildungskapazitäten z.B. in Emscher-Lippe um 4,2 Prozent, demographisch bedingt nahm die Anzahl der Schulabsolventen aber um 15,3 Prozent zu. Ein zunehmender Verdrängungswettbewerb macht die Situation für Hauptschüler und Jugendliche ausländischer Herkunft in der dualen Berufsausbildung immer schwieriger. Viele Schulabgänger müssen auf das Übergangssystem oder das Schulberufssystem ausweichen, um berufsorientierende Bildungsgänge zu besuchen oder ihren Schulabschluss zu verbessern. Die Berufskollegs leisten hier einen erheblichen Anteil an weiterqualifizierender Arbeit.

Allerdings vermittelt das in der Vergangenheit erheblich angewachsene Übergangssystem von der allgemeinbildenden Schule in die berufliche Bildung bislang in der Regel keinen qualifizierten Berufsabschluss. "Eine erfolgreiche Teilnahme am Erwerbsleben im Hinblick auf Einkommen und Beschäftigungsstabilität ist ohne Berufsabschluss gefährdet", so Langer.

Weitere Informationen: Dirk Langer, Tel. 0203/379-2397, dirk.langer@uni-due.de, Dr. Sybille Stöbe-Blossey, Tel. 0203/379-1805, sybille.stoebe-blossey@uni-due.de, www.iaq.uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0170/8761608, presse-iaq@uni-due.de

Ulrike Bohnsack | Universitaet Duisburg-Essen
Weitere Informationen:
http://www.iaq.uni-due.de
http://www.uni-due.de/de/presse/bohnsack.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Regensburger Forscher entwickeln weltweit einzigartiges Online-Mentoring-System
10.01.2018 | Universität Regensburg

nachricht Neues Virtual Reality-Labs für Medizinstudierende: Lernen mit Cyber-Herz und virtuellem Darm
10.01.2018 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics