Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochschulreform fortsetzen und vertiefen, Defizite abarbeiten

29.04.2009
46 Staaten vereinbaren auf der Ministerkonferenz im belgischen Leuven gemeinsame Schritte für die weitere Umsetzung des Bologna-Prozesses

"Der Bologna-Prozess hat in den zehn Jahren seines Bestehens entscheidend zur Modernisierung der Hochschulen beigetragen und die Idee eines europäischen Hochschulraums Wirklichkeit werden lassen. Die gute Zusammenarbeit mit allen beteiligten Ländern und Institutionen wollen wir auch in der nächsten Dekade fortsetzen, um die Attraktivität der europäischen Hochschulen zu steigern, die Mobilität der Studierenden auszuweiten und das Lebenslange Lernen fortzuentwickeln."

Dieses Fazit zogen Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, und Professor Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt, Delegationsleiter auf Länderseite, am Mittwoch anlässlich der Bologna-Folgekonferenz im belgischen Leuven. Hier legten die Ministerinnen und Minister der 46 Bologna-Staaten am Dienstag und Mittwoch die Leitlinien des Reformprozesses bis 2020 fest.

"Der Bologna-Prozess hat eine wichtige, längst überfällige und tiefgreifende Reform in der deutschen Hochschullandschaft mit sich gebracht. Die positive Dynamik, die damit verbunden ist, sehen wir als eine große Chance an. Wir wollen diesen Weg weiter gehen - Bologna muss fortgesetzt, vertieft und dort nachgebessert werden, wo es nötig ist", sagte Storm. "Wir stehen zu den Zielen des Bologna-Prozesses, den der damalige Forschungsminister Rüttgers mit drei europäischen Kollegen angestoßen hat, und arbeiten weiter an ihrer Verwirklichung. Dafür brauchen wir keine neuen Aktionslinien, aber den klaren Willen und das Durchsetzungsvermögen, die Bologna-Ziele gemeinsam flächendeckend und in der Tiefe durchzusetzen. Die Hochschulen haben durch die Reformen mehr Spielräume erhalten, ein eigenes Profil zu entwickeln und Verantwortung für die Inhalte und Qualität ihres Angebotes zu übernehmen. Ich möchte sie nachdrücklich ermutigen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen."

"Ein Dreh- und Angelpunkt für die erfolgreiche Umsetzung des Bologna-Prozesses wird im kommenden Jahrzehnt die Weiterentwicklung der Curricula und damit im Zusammenhang auch die Qualität der Lehre sein", erklärte Minister Olbertz. "Die Vielfalt der angebotenen Studiengänge ist zu begrüßen und zeigt den Innovationsgeist unserer Hochschulen. Allerdings muss auch die Frage gestellt werden, ob nicht eine allzu starke Ausdifferenzierung und Profilbildung gerade in der Bachelor-Phase die gewollte Mobilität der Studierenden wieder einschränkt. Auch die Breite und Tiefe der Studieninhalte, vor allem im Bachelorstudium, bedarf einer kritischen Revision, um berufspraktische Ansprüche besser berücksichtigen zu können und die Studierbarkeit der Studiengänge zu gewährleisten." Im Bereich der Qualitätssicherung sieht der Minister Deutschland in Anbetracht der vielfältigen Formen der Qualitätssicherung einschließlich der Systemakkreditierung auf einem guten Weg.

Die Erhöhung der Mobilität von Studierenden und akademischem Personal bleibt eines der Kernziele des Bologna-Prozesses. Die Bilanz zwischen den aktuellen Werten und dem Ausgangsjahr des Bologna-Prozesses 1999 sehen die deutschen Delegationsmitglieder positiv: "Die deutschen Studierenden gehen öfter ins Ausland, und auch als Gastgeberland ist Deutschland attraktiv", so Storm. "Dennoch müssen wir in den kommenden Jahren noch daran arbeiten, dass im Ausland erbrachte Studienleistungen bei uns großzügiger anerkannt werden. Die Hochschulzusammenarbeit über die Grenzen hinweg darf nicht an bürokratischen Hürden scheitern." Dies gelte auch für die Zusammenarbeit mit Ländern außerhalb Europas, die sehr interessiert an den Entwicklungen der Europäischen Hochschullandschaft seien. Erstmalig waren Vertreter außereuropäischer Länder im Anschluss an die Ministerkonferenz zu einem eigenen Bologna-Forum eingeladen.

Stärker als bisher wird im kommenden Jahrzehnt die soziale Dimension des Bologna-Prozesses im Vordergrund der Aufmerksamkeit stehen. Die europäischen Hochschulminister einigten sich in Leuven darauf, dass jedes Land quantifizierbare Ziele für die Teilnahme an der Hochschulbildung und eine stärkere Teilhabe bislang unterrepräsentierter Gruppen erarbeitet. "Hier haben Bund und Länder für Deutschland durch den Nationalen Aktionsplan Soziale Dimension und die Qualifizierungsinitiative die Weichen richtig gestellt", unterstrichen Storm und Olbertz. "Unser Ziel, die Studienanfängerquote auf 40 Prozent zu steigern, ist mit derzeit 39,3 Prozent in greifbare Nähe gerückt. Für die Steigerung des Frauenanteils in MINT-Fächern, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, und für eine höhere Bildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund haben wir neue Maßnahmen ergriffen."

Auch das Lebenslange Lernen gewinnt in einer Gesellschaft, die in allen Bereichen qualifizierte Fachkräfte braucht, weiter an Bedeutung. Es soll im gesamten Europäischen Hochschulraum durch geeignete organisatorische Strukturen und finanzielle Förderung unterstützt werden. In Deutschland haben sich Bund und Länder auf dem Bildungsgipfel im Herbst 2008 darauf geeinigt, im Jahr 2010 einen Wettbewerb "Aufstieg durch Bildung: Lebenslange wissenschaftliche Qualifizierung" zu starten. Damit soll die Entwicklung von praxisnahen, berufs- und ausbildungsbegleitenden Studiengängen an den Hochschulen gefördert und die Integration von Berufstätigen und beruflich Qualifizierten in die Hochschulbildung erhöht werden.

Die Teilnehmer der Konferenz in Leuven erklärten außerdem, sich in den Mitgliedsstaaten für die Attraktivität wissenschaftlicher Karrieren und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Nachwuchswissenschaftlern einzusetzen. Entsprechende Handlungsansätze für Deutschland werden durch den Bundesbericht zur Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses (BuWiN) aufgezeigt, der künftig regelmäßig über die Situation junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler informieren wird. Der Bericht soll Grundlage für Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sein, die in Kürze zwischen Bund und Ländern im Rahmen der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) vereinbart werden. Mit dem vom BMBF geförderten neuen Kommunikations- und Informationssystem "Wissenschaftlicher Nachwuchs" (http://www.kisswin.de) können sich schon jetzt Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus der ganzen Welt über Karrierewege und Fördermaßnahmen in Deutschland informieren und persönlich beraten lassen.

Silvia von Einsiedel | BMBF Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/press/2533.php
http://www.kisswin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit