Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im Gestein, im Boden und in der Zelle: drei neue DFG-Forschergruppen an der RUB

20.03.2013
Bochumer analysieren Protein-Transport, Kohlenstoffzyklus und Karbonate als Archive der Erdgeschichte

Erdgeschichte, Kohlenstoffzyklus und bestimmte Zellorganellen, die Peroxisomen, nehmen Forscher der Ruhr-Universität Bochum künftig genauer unter die Lupe. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft gab am 15. März bekannt, dass drei von acht neu eingerichteten Forschergruppen an die RUB kommen. Gleich zwei neue Forschergruppen entstehen in der Fakultät für Geowissenschaften, eine weitere an der Medizinischen Fakultät. Die DFG bewilligte die Projekte für zunächst drei Jahre.

Was Karbonate wirklich über die Erdgeschichte verraten

Karbonate verraten viel über die physikalische und chemische Entwicklung von Ozeanen, Atmosphäre und Klima. Um die Erdgeschichte zu erforschen und ein besseres Verständnis über unser zukünftiges Klima zu erhalten, betrachten Wissenschaftler daher häufig Karbonate biologischen und nicht biologischen Ursprungs. Diese Archive verändern sich möglicherweise auch nach ihrer Ablagerung und verändern somit ihren Informationsgehalt. Wie stark und in welcher Weise sich Karbonate und ihre Umweltinformationen im Laufe der Zeit verändern, erforscht das Team um Prof. Dr. Adrian Immenhauser vom RUB-Lehrstuhl für Sediment- und Isotopengeologie zusammen mit Kollegen an acht Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er ist Sprecher der Forschergruppe „CHARON: Marine Carbonate Archives: Controls on Carbonate Precipitation and Pathways of Diagenetic Alteration“. In dem Projekt bringen die Forscher analytische Methoden aus verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen zusammen.

Der vergessene Teil des Kohlenstoffzyklus

In der Forschergruppe „The Forgotten Part of Carbon Cycling: Organic Matter Storage and Turnover in Subsoils (SUBSOM)“ untersuchen Bodenkundler um Prof. Dr. Bernd Marschner den Kohlenstoffzyklus im Unterboden. Unterhalb einer Tiefe von 30 cm sind über 50 % des Kohlenstoffs, der sich weltweit im Humus, findet, gespeichert. Über Umsatz und Verweilzeit dieser Kohlenstoffvorkommen ist nur sehr wenig bekannt. Ziel des Projekts ist es zu klären, wie sich ein verändertes Klima oder eine veränderte Landnutzung auf diese Vorräte auswirkt. Zu diesem Zweck bestimmen die Wissenschaftler unter anderem Alter und Zusammensetzung verschiedener Humusbestandteile und Kohlenstoffflüsse, und führen Versuche durch, bei denen sie Temperatur, Feuchtigkeit und Belüftung variieren. Die Ergebnisse wollen die zehn bundesweit tätigen Arbeitsgruppen für die Entwicklung neuer Computermodelle einsetzen. Eine besondere Herausforderung in dem Projekt ist, dass die Kohlenstoffkonzentrationen im Unterboden sehr gering sind und darüber hinaus räumlich und zeitlich stark schwanken.

Wie Proteine in das Innere von Peroxisomen gelangen

Peroxisomen sind Zellorganellen mit vielen verschiedenen Funktionen. Sie verbrennen zum Beispiel Fettsäuren und machen das giftige Wasserstoffperoxid unschädlich. Für diese Arbeit benötigen sie Proteine, die in der Zellflüssigkeit hergestellt und dann importiert werden müssen. Der Import in die Peroxisomen läuft anders ab als bei anderen Zellorganellen, denn die Proteine können auch in gefalteter Form ins Innere gelangen. Die dafür verantwortlichen Rezeptoren wechseln zwischen zwei Formen hin und her: einer löslichen in der Zellflüssigkeit und einer an die Membran des Peroxisoms gebundenen Form. Forscher um Prof. Dr. Ralf Erdmann aus der Abteilung für Systembiochemie wollen die Struktur und Funktion dieser speziellen Protein-Transportmaschinerie, des sogenannten Translokons, aufklären. Die Ergebnisse können zu einem besseren Verständnis von Krankheiten beitragen, die durch eine fehlerhafte Reifung der Peroxisomen entstehen. In der Forschergruppe „Struktur und Funktion des peroxisomalen Translokons (PerTrans)“ arbeiten die Bochumer um Sprecher Ralf Erdmann mit Teams aus Hamburg, München, Göttingen, Osnabrück, Frankfurt, Freiburg und Oxford, Großbritannien zusammen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Adrian Immenhauser, Lehrstuhl für Sediment- und Isotopengeologie, Institut für Geologie, Mineralogie und Geophysik, Fakultät für Geowissenschaften der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28250, E-Mail: adrian.immenhauser@rub.de

Prof. Dr. Bernd Marschner, Arbeitsbereich Bodenkunde und Bodenökologie, Geographisches Institut, Fakultät für Geowissenschaften der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22108, E-Mail: bernd.marschner@rub.de

Prof. Dr. Ralf Erdmann, Abteilung für Systembiochemie, Institut für Physiologische Chemie, Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-24943, E-Mail: ralf.erdmann@rub.de

Redaktion: Dr. Julia Weiler

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitales Know-how für den Mittelstand: Uni Bayreuth entwickelt neuartiges Weiterbildungsprogramm
28.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise