Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geschlechterrollen und Migrationsklischees an Berliner Schulen

06.10.2009
TU-Wissenschaftlerin will positive Einstellung zu MINT-Berufen schon frühzeitig fördern

Traditionell interessieren sich Mädchen und junge Frauen in Deutschland nicht sehr für sogenannte MINT-Berufe, Berufe, die auf Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik beruhen.

Das soll sich jetzt ändern. "Komm, mach MINT" ist auch das Motto des Paktes zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien, der das Bild dieser Berufe in Deutschland verändern soll. Er soll insbesondere junge Frauen für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge begeistern. "Die meisten dieser Programme setzen allerdings zu spät an", findet TU-Professorin Dr. Angela Ittel.

"Es ist schwierig, eine Abiturientin, die geisteswissenschaftliche Fächer als Leistungskurse belegt hat, noch für Naturwissenschaften zu begeistern", erklärt die Wissenschaftlerin, die das Fachgebiet Pädagogische Psychologie am Institut für Erziehungswissenschaft der TU Berlin leitet. Mit ihrem neuem Forschungsprojekt "Gender, Migration und Schule" - kurz GeMiS - setzt sie früher an. Sie untersucht die Einstellungen von Lehrern, Eltern und Schülern der Sekundarstufe I - bis zur 10. Klasse - zu typischen Geschlechterrollen und Migrationsklischees an Berliner Schulen.

Von der Bereicherung, die Frauen in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen darstellen können, ist Ittel überzeugt: "Eine Frau hat einfach einen anderen Blick zum Beispiel bei der Entwicklung von neuen Produkten. Eine Ingenieurin würde zum Beispiel eher sichere und bequeme Sicherheitsgurte für Schwangere entwickeln als ihr männlicher Kollege." Nicht nur die Bereiche-rung durch solche neue Perspektiven und ein drohender Fachkräftemangel in den MINT-Berufsbereichen sprächen Ittel zufolge für eine verstärkte För-derung von Schülerinnen in MINT-Fächern. Mit einer stärkeren Konzentration auf mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer hätten Schülerinnen auch insgesamt bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

Im ersten Teil des GeMiS-Projektes wird Grundlagenforschung betrieben: Anhand von Fragebögen ermitteln die TU-Wissenschaftler, wie bestimmte Themen in der Schule behandelt werden. Auch wird geprüft, was Lehrer über MINT-Themen wissen und wie sie vermitteln, welche Möglichkeiten ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium bietet und welche konkreten Tätigkeiten später damit ausgeübt werden können. "Wir wollen erfahren, welche subtilen Vorurteile herrschen und wie sich diese manifestieren", umreist Ittel eines ihrer Forschungsziele. Agieren männliche und weibliche Lehrer Mädchen und Jungen gegenüber gleich? Wie werden MINT-relevante Themen im Klassenzimmer aufgearbeitet und werden Jungen und Mädchen dadurch gleichermaßen angesprochen? "Lehrerinnen und Lehrer sind meist davon überzeugt, dass sie sich egalitär verhalten. Wir vermuten jedoch, dass viele Verhaltensweisen im Klassenraum unbewusst ablaufen. Deshalb werden wir im anwendungsorientierten Teil des Projektes den Unterricht auf Video aufnehmen, um typische Verhaltensweisen und stereotypisierende Unterrichtsgestaltung erkennen zu können", erklärt Ittel weiter. Anhand der Auswertung der Grundlagenstudie werden dann Anregungen formuliert und Konzepte entwickelt, die in die Lehrerbildung einfließen sollen.

"Bei Schülern mit Migrationshintergrund schlummern große Potenziale. Hier wollen wir spezielle Handlungsleitfäden entwickeln, um diese Gruppe besser fördern zu können und den Jugendlichen zu einem besseren Schulabschluss zu verhelfen." Schülerinnen und Schüler aus sogenannten Brennpunktgebieten in Berlin wurden beispielsweise mit Fragen nach ihrem Geschlechterrollenverständnis konfrontiert. Erste Auswertungen zeigen, dass Schulkinder mit Migrationshintergrund generell zwar eine konservativere Einstellung haben als ihre deutschen Mitschüler, Mädchen nicht-deutscher Herkunft jedoch oft liberaler in Bezug auf Geschlechterrollen denken als deutsche Jungen. "Ein weiteres Ergebnis unserer Studie ist es, dass Mädchen mit Migrationshintergrund zwar ein höheres Selbstkonzept besitzen, also sich in ihren Leistungen im naturwissenschaftlichen Unterricht besser einschätzen als deutsche Schülerinnen; jedoch können deutsche Schülerinnen durchweg die besseren Noten als ihre Mitschülerinnen mit Migrationshintergrund vorweisen."

"Es gibt viel Handlungsbedarf. Glücklicherweise haben wir aber auch bei allen Lehrerinnen und Lehrern, mit denen wir bislang kooperiert haben, festgestellt, dass es eine hohe Akzeptanz und Aufgeschlossenheit gegenüber der Sensibilisierung für einen geschlechter- und migrationsneutralen Unterricht gibt", sagt Prof. Dr. Angela Ittel, deren Team derzeit erste Auswertungen aus dieser Studie vorlegt, die die Grundlage für die Entwicklung der Lehrerfortbildung sein werden.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Angela Ittel, Institut für Erziehungswissenschaft, Technische Universität Berlin, Tel.: 314-73209/-73524, E-Mail: angela.ittel@tu-berlin.de

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Meilenstein in der Forschung: Enabling Innovation
06.09.2017 | Rheinische Fachhochschule Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops