Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefährdete Sprachen vor dem Vergessen retten: Zwei neue linguistische Forschungsprojekte an der Universität Wien

21.01.2010
Mit nur noch 3.000 SprecherInnen in Nordwest-Sibirien ist die obugrische Sprache Mansisch vom Aussterben bedroht. Prognosen sagen, dass sie in zehn bis spätestens 20 Jahren eine tote Sprache sein wird.

Ähnliches gilt für das zur selben Sprachfamilie zählende Chantisch. Johanna Laakso, Professorin für Finno-Ugristik der Universität Wien, widmet sich im Rahmen eines FWF-Projekts und des EU-Projekts ELDIA der Dokumentation dieser und anderer Minderheitensprachen.

Sibirische Minderheitensprachen: Mansisch und Chantisch

Die beiden vom Aussterben bedrohten obugrischen Sprachen Mansisch und Chantisch werden im Rahmen des dreijährigen FWF-Projekts "Ob-Ugric languages: conceptual structures, lexicon, constructions, categories" umfassend digital katalogisiert und dokumentiert. Dieses FWF-Projekt, das Johanna Laakso, Professorin am Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Wien, koordiniert, ist Teil eines internationalen Projekts zur Dokumentation der obugrischen Sprachen, das wiederum zum europäischen Kooperationsrahmen EuroBABEL gehört. "Mit nur wenigen tausend SprecherInnen gelten beide Sprachen heute als extrem gefährdet", erklärt Johanna Laakso. Die Ursachen für die Marginalisierung von Mansisch und Chantisch liegen u. a. in der jahrzehntelangen Sowjetisierung und der russisch geprägten Schulbildung Nordwest-Sibiriens. Ein weiterer Grund für die Zurückdrängung der beiden lokalen finno-ugrischen Sprachen ist die starke Migration in das Gebiet Nordwest-Sibiriens durch Russen, ausgelöst durch Gas- und Ölfunde und dadurch entstandene Jobs.

Die Dokumentation der Sprachen Mansisch und Chantisch ist auch deshalb sehr wichtig, da die SprecherInnen fast nur noch in der älteren Generationen zu finden sind. "Die junge Leute sprechen so gut wie keine obugrische Sprache mehr", erklärt Johanna Laakso: "Durch unsere Arbeit wird die Forschungstradition und das vorhandene Wissen der modernen internationalen Linguistik besser zugänglich gemacht." Eine Hauptaufgabe ist es, Materialien der mansischen und chantischen Sprache zu internationalisieren, sprich, sie aus dem Russischen und anderen Sprachen ins Englische zu übersetzen.

ELDIA: "European Linguistic Diversity for All"

Johanna Laakso und ihr Team sind darüber hinaus an dem großen EU-Projekt ELDIA beteiligt: Dabei wird ein "Vitalitätsbarometer" für die Sprachen Europas entwickelt, das anzeigt, welche Sprachen akut vom Aussterben bedroht sind. Die Ergebnisse unterstützen EntscheidungsträgerInnen und Betroffene, zum einen um die Lage der jeweiligen Sprache zu bewerten, zum anderen, um die Minderheitssprachen als Teil eines lebendigen Multilingualismus "aufwerten" zu können -Mehrsprachigkeit und sprachliche Vielfalt stellen ja einen wesentlichen Teil des europäischen Kulturerbes dar. An diesem Projekt, das im 7. Rahmenprogramm der EU gefördert wird, sind acht Universitäten in sechs europäischen Ländern beteiligt. Insgesamt werden im Laufe der drei Projektjahre 14 finno-ugrische SprecherInnengemeinschaften untersucht. Die finno-ugrischen Minderheiten eignen sich deshalb besonders gut zur Erforschung, weil sie ein großes Spektrum von ökologisch-geografischen und sozio-politischen Verhältnissen abdecken: von Meänkieli-SprecherInnen in Schweden, den Nord-Sámi in Norwegen, den Kareliern und Wepsen in Russland über die Esten in Finnland bis hin zu Ungarn in Österreich.

Kontakt
Univ.-Prof. Dr. Johanna Laakso
Inst. für Europäische und Vergleichende
Sprach- und Literaturwissenschaft
Universität Wien
1090 Wien, Spitalgasse 2, Hof 7
T +43-1-4277-430 19
johanna.laakso@univie.ac.at
Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/finno/cms/ob-ugric.html
http://www.eldia-project.org
http://www.univie.ac.at/175

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Regensburger Forscher entwickeln weltweit einzigartiges Online-Mentoring-System
10.01.2018 | Universität Regensburg

nachricht Neues Virtual Reality-Labs für Medizinstudierende: Lernen mit Cyber-Herz und virtuellem Darm
10.01.2018 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal mit neuem Onlineauftritt - Lösungskompetenz für alle IT-Szenarien

16.01.2018 | Unternehmensmeldung

Die „dunkle“ Seite der Spin-Physik

16.01.2018 | Physik Astronomie

Wetteranomalien verstärken Meereisschwund

16.01.2018 | Geowissenschaften