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Frühkindliche Bildung in Deutschland 2014

13.06.2014

Bildungsbeteiligung unter 3-Jähriger steigt – regionale und soziale Ungleichheiten bleiben Thema

Der indikatorengestützte Bericht „Bildung in Deutschland 2014“ liefert zum fünften Mal eine aktuelle Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens und analysiert alle Bildungsbereiche des biografischen Lebenslaufes – von der frühkindlichen Bildung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. Das Schwerpunktkapitel des 2014er Berichts befasst sich mit Fragen der Bildung von Menschen mit Behinderungen.

Der Bildungsbericht wird alle zwei Jahre im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) von einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Leitung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI), dem Soziologischen Forschungsinstitut der Universität Göttingen (SOFI), dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) sowie den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder erstellt.

Das DJI ist seit Beginn an der Erstellung des Berichts beteiligt und insbesondere für das Kapitel zur frühkindlichen Bildung zuständig. Nachfolgend werden einige ausgewählte Ergebnisse zur frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung vorgestellt:

Bildungsbeteiligung unter Dreijähriger steigt:

Die DJI-Analysen der frühkindlichen Bildung zeigen eine weiterhin steigende Bildungsbeteiligung von unter 3-Jährigen in Angeboten der Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege auf zuletzt 24% in West- und 50% in Ostdeutschland. 

Während im Kindergartenalter der Besuch von Tageseinrichtungen seit Jahren fester Bestandteil der Bildungsbiografie ist, ist bei den unter 3-Jährigen vor allem ein Anstieg der Bildungsbeteiligung von Kindern im Alter von ein und zwei Jahren zu beobachten. 

Der Großteil der unter 1-Jährigen wird dagegen in der Familie betreut; die Elterngeldstatistik macht deutlich, dass die Betreuung im ersten Lebensjahr weiterhin überwiegend in der Verantwortung der Mütter liegt.

Längere Betreuungszeiten bei Kindergartenkindern und unter 3-Jährigen:

Bei der zeitlichen Ausgestaltung der Bildungsteilnahme in institutioneller Bildung und Betreuung zeigen sich zunehmende Betreuungszeiten bei den Kindern im Kindergartenalter, aber auch bei den unter 3-jährigen Kindern. Der Anteil ganztägig betreuter unter 3-Jähriger hat sich seit 2006 in Westdeutschland von 33% auf 43% erhöht, während er in Ostdeutschland von 62% auf 75% angestiegen ist. Dies weist einmal mehr darauf hin, dass sich mit dem Ausbau der U3-Angebote die Anteile der zuhause und in Institutionen verbrachten Zeit im Zeitraum bis zur Einschulung weiter verschieben.

U3-Betreuung weitgehend in altershomogenen Gruppen:

Während der Ausbau vor allem durch die Erweiterung von vorhandenen Einrichtungen bewältigt wurde, die von Kindern aller Altersgruppen bis zum Schuleintritt besucht werden, werden unter 3-Jährige überwiegend in tendenziell altershomogenen Gruppen mit ausschließlich unter 3-Jährigen bzw. unter 4-Jährigen betreut. Damit befinden sie sich zunehmend in Gruppen, die für sie konzipiert wurden.

Pädagogisches Kita-Personal erreichte 2013 neuen Höchststand – bei Ausbildungsabschlüssen keine Dequalifizierungstendenzen beobachtbar:

Der U3-Ausbau wirkte darüber hinaus auch auf die Ausbildungslandschaft und den Arbeitsmarkt für pädagogische Fachkräfte. Die Anzahl des pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen hat seit 2006 um 40% zugenommen und erreichte mit rund 444.200 Beschäftigten im Jahr 2013 einen neuen Höchststand.
Nicht zuletzt durch stetig steigende Absolvent/inn/enzahlen in der Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher sind bis zum Frühjahr 2013 – mit Ausnahme einzelner Länder – weder in West- noch in Ostdeutschland flächendeckende Dequalifizierungstendenzen hinsichtlich der Ausbildungsabschlüsse des pädagogischen Personals beobachtbar.

Tagespflegepersonen besser qualifiziert – Ein-Kind-Tagespflege geht deutschlandweit zurück:

Deutliche Verbesserungen zeigen sich auch in der Qualifizierung der Tagespflegepersonen, von denen 2013 nur noch 6% nicht den Mindeststandard eines 160-stündigen Qualifizierungskurses vorweisen können. Strukturell gesehen verzeichnete die Ein-Kind-Tagespflege deutschlandweit einen deutlichen Rückgang. Während sich in Westdeutschland derzeit noch eine größere Heterogenität an Angebotsformen zeigt, überwiegt in Ostdeutschland die als Beruf ausgeübte Kindertagespflege mit mehr als vier Kindern.

Trotz steigender Bildungsbeteiligung von U3-Kindern mit und ohne Migrationshintergrund hat sich der Abstand zwischen beiden Gruppen vergrößert:

Die Bildungsbeteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im Alter von unter drei Jahren liegt 2013 vor der Einführung des Rechtsanspruchs um 18 Prozentpunkte niedriger als die Quote der gleichaltrigen Kinder ohne Migrationshintergrund. Obwohl die Bildungsbeteiligung seit 2009 in beiden Gruppen angestiegen ist, hat sich die Differenz zwischen beiden Gruppen seither erhöht.

Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern und Kinder mit Migrationshintergrund profitieren deutlich seltener von unterschiedlichen Bildungsangeboten:

Die Analyse der Betreuungsbiografien von 5-Jährigen zeigt darüber hinaus, dass Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern frühere und häufigere Erfahrungen nicht-elterlicher Betreuung in Tagespflege, Spielgruppen und informellen Settings, beispielsweise großelterlicher Betreuung, machen. Sie werden zudem in der Familie häufiger gefördert und besuchen häufiger zusätzliche Bildungsangebote von Musikschulen und Sportvereinen. Dagegen war für 84% der Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern und für 76% der Kinder mit Migrationshintergrund die Kindertageseinrichtung die erste Betreuungserfahrung außerhalb des Elternhauses, während dies nur für 54% der Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern zutrifft. Dies verweist auf bereits in der frühen Kindheit deutliche und sich kumulierende Unterschiede in der Nutzung verschiedener Bildungsangebote.

Häufigerer Sprachförderbedarf bei Kindern mit nicht-deutscher Familiensprache und Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern:

Mit Blick auf die kindliche Kompetenzentwicklung zeigen Analysen der sprachlichen Kompetenzen von 5-Jährigen, dass insbesondere Kinder mit nicht-deutscher Familiensprache und Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern geringere sprachliche Fähigkeiten im Deutschen aufweisen. Gleichzeitig wird bei diesen Kindern auch häufiger ein Sprachförderbedarf diagnostiziert.

Ausblick:

Aufgrund der beobachtbaren sozialen Ungleichheiten und des großen Einflusses der Familie muss nach der Phase des Kita-Ausbaus daher zukünftig der frühzeitige und niedrigschwellige Zugang aller Kinder zu qualitativ hochwertigen Angeboten ein wichtiges Thema bleiben. Dies impliziert zum einen die Deckung des auch künftig weiterhin hohen Bedarfs an qualifizierten Fachkräften, aber zum anderen auch eine verstärkte Diskussion von Fragen der Qualität und einheitlicher Standards in der Kindertagesbetreuung, beispielsweise bezogen auf die Personalausstattung in den Gruppen, die bislang regional sehr unterschiedlich ausgestalteten Angebote frühkindlicher Bildung oder die künftige Rolle der Kindertagespflege. Dabei gilt es, nicht nur die Erfüllung des elterlichen Betreuungsbedarfs ins Blickfeld zu rücken, sondern auch der möglichst guten Umsetzung des Bildungsauftrags der Kindertagesbetreuung einen hohen Stellenwert einzuräumen, um allen Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und ihrem Wohnort eine hohe Qualität an frühkindlicher Bildung und Förderung zu gewähren.

Weitere Informationen:

http://www.dji.de
http://www.bildungsbericht.de

Andrea Macion | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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