Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungszentrum Jülich stärkt seine Zusammenarbeit mit der Neutronenquelle FRM II

17.12.2010
Wissenschaftliche Nutzung mit insgesamt rund 300 Millionen Euro unterstützt / Neutronen ermöglichen Blick in komplexe Systeme in Biologie und Energietechnik

Mit einem umfassenden Kooperationsvertrag wurde heute die Neutronenforschung in Deutschland entscheidend gestärkt. Das Forschungszentrum Jülich, die Technische Universität München, das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung regeln damit, wie sich deutsche Großforschungszentren in den nächsten zehn Jahren mit rund 300 Millionen Euro beteiligen, um die wissenschaftliche Nutzung der leistungsfähigsten deutschen Neutronenquelle zu verbessern.

Zukünftig werden die beteiligten Großforschungszentren der Helmholtz Gemeinschaft rund 30,3 Millionen Euro jährlich für Neutronenforschung aufwenden. Neben dem Forschungszentrum Jülich werden auch die Helmholtz-Zentren in Berlin und Geesthacht neue Instrumente entwickeln, ihre Experimente ausbauen sowie das wissenschaftliche und technische Personal aufstocken. Das Forschungszentrum Jülich wird seinen Instrumentenpark bis 2013 von derzeit fünf auf elf wissenschaftliche Geräte erweitern und auf dem neusten Stand der Forschung halten. Die Helmholtz-Zentren Berlin und Geesthacht betreiben zusammen drei Geräte. Insgesamt stehen am FRM II dann 30 Großgeräte zur Verfügung. Aus ihren Budgets tragen die Zentren rund 10,5 Millionen Euro im Jahr bei, das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Zentren sowie die wissenschaftliche Infrastruktur des FRM II mit weiteren 19,8 Millionen Euro jährlich, wovon 16,7 Millionen Sonderförderung und 3,1 Millionen Verbundsforschungsförderung sind.

"Neutronen sind eine Schlüsseltechnologie für Wissenschaftler auf fast allen Gebieten", sagt Prof. Sebastian M. Schmidt, Mitglied des Vorstands des Forschungszentrums Jülich. "Unser Engagement an der Neutronenquelle FRM II wird Spitzenforschung ermöglichen und dazu beitragen, biologische und chemische Prozesse aufzuklären und elektronische und magnetische Phänomene zu verstehen."

"Mit diesem Vertrag ist es eindrucksvoll gelungen, die universitäre und außeruniversitäre Forschung zusammenzuführen", erklärt Dr. Ulrich Krafft, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, bei der Vertragsunterzeichnung. "Die Zusammenarbeit wird zur nachhaltigen Stärkung der deutschen Spitzenforschung beitragen."

Mit Neutronen kann man tief ins Innere von Materie blicken. Dabei lässt sich nicht nur erkennen, wie Atome und Moleküle angeordnet sind, sondern auch, wie sie sich bewegen und wie sie miteinander wechselwirken. Neutronen als Bausteine der Atomkerne sind die idealen Sonden, um Kristalle, Membranen oder andere Systeme auf der Ebene von Atomen zu untersuchen. Forschung mit Neutronen bereitet den Weg für die Entwicklung magnetischer Materialien für die Computerspeicher von morgen, von umweltfreundlichen Reinigern für Industrie und Haushalt, für die Stromgewinnung aus der Abwärme von Motoren oder das bessere Verständnis biomolekularer Vorgänge in Zellen. Darüber hinaus öffnet sie den Blick auf die Komplexität solcher Systeme und treibt den Paradigmenwechsel in der heutigen Wissenschaft voran: weg von der Betrachtung von Ausschnitten und Einzelteilen hin zu Prozessen wie Selbstorganisation, Kollektivität, Biomimetik und funktionellen Materialien.

Neutronen sind elektrisch neutrale Bausteine der Atomkerne. Sie werden in Forschungsreaktoren oder Spallationsquellen erzeugt und auf die zu untersuchenden Proben gelenkt. An den Atomen und Molekülen der Proben "prallen" sie ab; dabei können sie ihre Richtung und Geschwindigkeit ändern. Die Art dieser "Streuung" gibt Auskünfte über die Anordnung und Bewegung der Atome in der Probe, die Methoden wie Röntgen oder Elektronenmikroskopie verborgen bleiben. Mit Neutronen untersuchen Jülicher Forscher beispielsweise magnetische Materialen für die Informationstechnologie oder die sogenannte "Weiche Materie", zu der industriell wichtige Kunststoffe oder medizinisch interessante Eiweißstoffe zählen.

Mehr Informationen zur Jülicher Neutronenforschung:
http://www.jcns.info/
Mehr Informationen zu FRM II:
http://www.frm2.tum.de/
Weitere Meldungen aus der Jülicher Neutronenforschung:
http://www.fz-juelich.de/portal/index.php?cmd=show&mid=804&index=163
http://www.fz-juelich.de/portal/kurznachrichten/oktober2010#neutronenforschung
http://www.fz-juelich.de/portal/kurznachrichten/oktober2010#neutronenquelle
http://www.fz-juelich.de/portal/kurznachrichten/august2010#Neutronenforscher
Pressekontakt:
Kosta Schinarakis
Tel.: 02461 61 4771
k.schinarakis@fz-juelich.de
Andrea Voit
Tel.: 089 289 121 41
andrea.voit@frm2.tum.de
Das Forschungszentrum Jülich...
... betreibt interdisziplinäre Spitzenforschung, stellt sich drängenden Fragen der Gegenwart und entwickelt gleichzeitig Schlüsseltechnologien für morgen. Hierbei konzentriert sich die Forschung auf die Bereiche Gesundheit, Energie und Umwelt sowie Informationstechnologie. Einzigartige Expertise und Infrastruktur in der Physik, den Materialwissenschaften, der Nanotechnologie und im Supercomputing prägen die Zusammenarbeit der Forscherinnen und Forscher. Mit rund 4 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört Jülich, Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, zu den großen Forschungszentren Europas.

Kosta Schinarakis | Forschungszentrum Juelich GmbH
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Bei Celisca entsteht das Labor der Zukunft
19.12.2016 | Universität Rostock

nachricht Bildung 4.0: Die Welt des digitalen Lernens: Smartphones und Virtual Reality im Unterricht
14.12.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie