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Forschungsprojekt zu sprachlichen Schlüsselkompetenzen bei Azubis erfolgreich abgeschlossen

09.09.2009
Zahlreiche Hauptschulabsolventen gelten heute als nicht "ausbildungsreif" und finden daher keine Lehrstelle. Ein Forschungsprojekt der Saar-Universität hat nach Gründen gesucht und ein Trainingsprogramm erarbeitet. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Wer mit 15 Jahren die Hauptschule verlässt, sollte ein Bildungsniveau erreicht haben, das zu einer Ausbildung befähigt. Viele Hauptschulabsolventen scheitern jedoch schon an der Kontaktaufnahme mit Unternehmen, weil sie elementare Defizite beim Lesen, Schreiben und in der alltäglichen Kommunikation mit anderen Menschen haben. Diese Jugendlichen gelten als nicht ausbildungsreif und haben auf dem Ausbildungsmarkt keine Chance.

Hier setzte das interdisziplinäre Forschungsprojekt "Lesen, Reden, Schreiben" (LRS) der Universität des Saarlandes an. Der Sprechwissenschaftler Professor Norbert Gutenberg, Professor Lutz Götze (Lehrstuhl Deutsch als Fremdsprache) und der Erziehungswissenschaftler Professor Robin Stark haben ein Training für Hauptschüler im letzten Jahr entwickelt, das an zwei saarländischen Gesamtschulen (Gesamtschule Ludweiler, Gesamtschule Saarbrücken-Bellevue) getestet wurde.

Die Schüler wurden zu Beginn des Projekts in den Schlüsselkompetenzen Lese-, und Hörverstehen, Schreiben und Sprechen getestet. Sie mussten beispielsweise eine Bewerbung mit der Hand schreiben und am Computer eine Handybeschreibung verfassen, Informationen per Telefon zu einem Beruf abfragen oder sich durch ein sprachgesteuertes Telefonmenü arbeiten. Die Ergebnisse waren äußerst mangelhaft. Handschriftliche Bewerbungen waren fehlerhaft und so unansehnlich, dass sie kaum als solche erkennbar waren. Auch die am Computer verfassten Texte sahen nicht viel besser aus, denn viele Schüler kamen mit dem Korrekturprogramm nicht zurecht. In der Menüsteuerung einer Telefonansage drückten viele Teilnehmer falsche Tasten, als sie beantworten sollten, ob sie Arbeitgeber oder Arbeitnehmer seien. Wenn sie auf den Anrufbeantworter einer Firma sprechen sollten, vergaßen sie elementare Angaben wie ihren Namen oder ihre Telefonnummer.

Die Trainingsszenarien, die die Wissenschaftler daraus erarbeitet haben, orientierten sich an realen Lebenssituationen. An beiden Schulen waren die Schüler in zwei Gruppen eingeteilt: eine Kontrollgruppe, die nur die Tests durchlief, und eine Gruppe, die trainiert wurde. Nach einer Art Ausbildungsvorbereitungs-Training von 20 Stunden, also rund fünf Stunden pro Kompetenz, wurde die Gruppe der trainierten Schüler erneut getestet. Dabei stellte sich heraus, dass schon dieses kurze Training sehr erfolgreich war.

Anhand der Abschlusstests konnten signifikante Lernfortschritte in allen Bereichen Lesen, Hörverstehen, Schreiben und Sprechen nachgewiesen werden. Während die Kontrollgruppe in den meisten Bereichen nur ihr Niveau hielt, machte die trainierte Gruppe erhebliche Fortschritte.

Die enormen Defizite der Schüler lassen sich nicht in einem 20-stündigen Training beheben. Das Experiment beweist jedoch, dass man diese Defizite beheben kann. An der Universität in Saarbrücken wird nun darüber nachgedacht, wie man die Testergebnisse und Trainingskonzeptionen in die Entwicklung eines Curriculums für das letzte Hauptschuljahr einfließen lassen kann.

Das Forschungsprojekt "Lesen, Reden Schreiben" wurde 2005 ins Leben gerufen. Finanziert wurde es vom Microsoft Deutschland Bildungsnetzwerk, von der Vereinigung der saarländischen Unternehmensverbände (VSU) und der Arbeitsagentur.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Prof. Dr. Norbert Gutenberg
Tel. (0681) 302-2527
E-Mail: n.gutenberg@mx.uni-saarland.de

Gerhild Sieber | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

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