Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Forschungsprojekt MatheMACS untersucht die Eigenschaften komplexer Systeme

22.10.2012
Das Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften koordiniert seit Oktober ein neues, von der Europäischen Union mit 2,5 Millionen Euro gefördertes Forschungsvorhaben.

Das Projekt MatheMACS „Mathematics of Multi-level Anticipatory Complex Systems“ vereint Wissenschaftler aus Deutschland, Schweden, Frankreich und Italien.

Gemeinsam mit den Leipziger Wissenschaftlern arbeiten sie an einer mathematischen Theorie zur Beschreibung komplexer vielschichtiger Systeme und deren Dynamik. In der vergangenen Woche fand am Institut das Auftaktmeeting zum Start des auf drei Jahre angelegten Projektes statt.

Komplexe Systeme sind Teil unseres Alltags und finden sich in vielen Bereichen des menschlichen Lebens, sei es in der Biologie, Soziologie, Ökonomie oder Medizin - vom menschlichen Gehirn mit seinen vielfach verknüpften Neuronen, über ökologische Systeme, Immunsysteme, politische Parteien bis hin zu den zahlreichen kulturellen und sozialen Gemeinschaften unserer Gesellschaft. Dabei zeichnen sich komplexe Systeme durch eine große Anzahl einzelner Subkomponenten aus. Eingebettet in eine Umgebung bilden sie durch ihr Zusammenspiel und ihre Wechselwirkung eine Funktionseinheit und streben einen möglichst stabilen Zustand an. Selbstorganisierende und selbstregulierende Eigenschaften ermöglichen diesen Systemen die Bildung stabiler Strukturen und die Fähigkeit, ein inneres Gleichgewicht zu erhalten. Wechselwirkungen zwischen verschiedensten Komponenten des Systems und kleinste Störungen können jedoch auch weitreichende Auswirkungen haben.

Im Projekt MatheMACS sollen insbesondere komplexe Systeme untersucht werden, die sich durch eine vielschichtige hierarchische Struktur auszeichnen – vergleichbar mit einer weit verzweigten Unternehmensstruktur mit Leitungsebene, Abteilungen, Unterabteilungen bis hin zum einzelnen Mitarbeiter. Im Fokus der Mathematiker stehen dabei die unterschiedlichsten Ebenen komplexer Systeme und deren zeitliches und räumliches Verhalten zueinander. Anhand der Untersuchung schon bekannter Strukturen erhoffen sich die Wissenschaftler, besonders bedeutsame und auch zusätzliche Ebenen zu identifizieren, welche für die Funktionsweise des Gesamtsystems verantwortlich sind.

Um den theoretischen Rahmen eng mit praktischen Anwendungen zu verknüpfen, untersucht MatheMACS insbesondere drei Hauptbereiche komplexer Systeme: die Neurobiologie, die menschliche Kommunikation und die Ökonomie. Die Wissenschaftler betrachten diese Bereiche jedoch keinesfalls isoliert, sondern suchen nach vereinigenden Prinzipien und Konzepten. Die Ökonomie als Gesamtsystem führt hin zum Zusammenspiel einzelner Unternehmen, welche wiederum durch ihre Mitarbeiter mit ihren kognitiven Fähigkeiten und deren Kommunikation gekennzeichnet sind. Auf Basis dieser übergreifenden Betrachtungsweise versuchen die Wissenschaftler, eine allgemeingültige mathematische Theorie vielschichtiger antizipatorischer komplexer Systeme zu entwickeln.

Die Bereiche Neurobiologie, menschliche Kommunikation und Ökonomie liefern den Wissenschaftlern bestens bekannte Beispiele komplexer vielschichtiger Systeme. Andererseits sind sie auch sehr gut als Testfelder geeignet, um die Allgemeingültigkeit mathematischer Theorien zu überprüfen, da sie eine breite Spanne von räumlichen und zeitlichen Skalen enthalten. Zudem haben die drei genannten Systeme einen sehr bedeutsamen gemeinsamen Aspekt: ihre Komplexität und ihre selbstorganisierenden Eigenschaften entspringen vorausblickenden und vorwegnehmenden Aktionen der in ihnen enthaltenen Einheiten. Das MatheMACS-Projekt schreibt diesen Konzepten von Antizipation und Prädiktion eine besondere Bedeutung zu und arbeitet an deren mathematischer Modellierung.

Um die allgemeine Gültigkeit der theoretischen Ergebnisse anhand reeller Daten zu überprüfen, erhält das Projekt exklusiven Zugang zu großen Datenmengen aus unterschiedlichsten Bereichen – von menschlichen Bewegungsmustern bis zu komplexen urbanen Umgebungen. Durch die Auswertung dieser Daten erhoffen sich die Wissenschaftler grundlegende Erkenntnisse über die einzelnen Ebenen und deren Rolle innerhalb des Gesamtsystems. In einigen Anwendungen sind die einzelnen Ebenen recht offensichtlich beziehungsweise können relativ einfach identifiziert werden, wie beispielsweise in den Neuronen im menschlichen Gehirn oder auch die Strukturen sozialer Organisationen. Die Identifizierung zusätzlicher bedeutsamer Ebenen stellt aber in allen Disziplinen eine große und hoch komplizierte Herausforderung an die Wissenschaft dar.

In der vergangenen Woche fand das Auftaktmeeting des MatheMACS-Projektes am Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig statt. Der Projektkoordinator Dr. Fatihcan Atay begrüßte hierzu 19 Wissenschaftler aus den am Projekt beteiligten Institutionen, der Universität Bielefeld, der Technischen Hochschule Chalmers in Schweden, der Universität Venedig, dem Technologisch-wissenschaftliche Forschungsinstitut INRIA in Frankreich und der Polytechnischen Universität Marche in Italien.

Das Projekt ist durch zahlreiche Kooperationen und wissenschaftlichen Austausch sowohl in der europäischen als auch weltweiten Forschungslandschaft eingebettet. Es bietet eine einzigartige Chance, verschiedenste Aspekte von Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft zu verbinden. Die Theorie komplexer Systeme stellt sich nicht nur einigen aktuellen fundamentalen Herausforderungen an die Wissenschaft, sondern spielt eine entscheidende Rolle, um unterschiedlichste und bisher oft isoliert betrachtete Forschungsstränge zusammenzubringen.

Kontakt:

Projektkoordinator
Dr. Fatihcan Atay
Telefon: 0341 9959 518
Email: fatay@mis.mpg.de
Pressereferentin
Jana Gregor
Telefon: 0341 9959 650
Email: jgregor@mis.mpg.de
Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften
Inselstraße 22
04103 Leipzig

Jana Gregor | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mathemacs.eu/
http://www.mis.mpg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Bei Celisca entsteht das Labor der Zukunft
19.12.2016 | Universität Rostock

nachricht Bildung 4.0: Die Welt des digitalen Lernens: Smartphones und Virtual Reality im Unterricht
14.12.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau