Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ergebnisse des Ländermonitors Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung

06.07.2011
Erhebliches Ost-West-Gefälle bei Ganztagsangeboten in Kitas für über Dreijährige – Spitzenreiter Thüringen mit einer Quote von 91 Prozent – Schlusslicht Baden-Württemberg mit nur 14 Prozent

In Deutschland gibt es zwischen den 16 Bundesländern erhebliche Unterschiede bei den Ganztagsangeboten in Kindertageseinrichtungen für die über Dreijährigen. So besuchten im März 2010 in Thüringen fast 91 Prozent der Kita-Kinder ab drei Jahren eine Ganztagseinrichtung (mehr als 7 Stunden täglich). In Baden-Württemberg waren es lediglich knapp 14 Prozent.

Auffällig ist das erhebliche Ost-West-Gefälle. Während in den ostdeutschen Ländern fast drei Viertel (72 Prozent) der über dreijährigen Kita-Kinder ganztags betreut werden, sind es in den westdeutschen Ländern nur etwas mehr als ein Viertel (27 Prozent). Das geht aus den aktuellen Daten des Ländermonitors Frühkindliche Bildungssysteme 2011 der Bertelsmann Stiftung hervor, die ab sofort im Internet abrufbar sind.

In der Spitzengruppe bei den Ganztagsangeboten für die über Dreijährigen liegen die ostdeutschen Bundesländer Thüringen (90,7 Prozent), Sachsen (81,4 Prozent), Sachsen-Anhalt (61,5 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (60,1 Prozent), Brandenburg (57,1 Prozent) sowie Berlin (59,1 Prozent). In allen westdeutschen Bundesländern sind weniger als 50 Prozent der Kita-Kinder ab drei Jahren in einer Ganztagsbetreuung. Im Mittelfeld liegen dabei Hamburg (42,4 Prozent), Hessen (40,2 Prozent), Nordrhein-Westfalen (36,6 Prozent) sowie Rheinland-Pfalz (35,2 Prozent). Gut ein Viertel der über Dreijährigen nutzt im Saarland (27,3 Prozent), Bayern (25,7 Prozent) sowie Bremen (25,4 Prozent) eine Ganztagsbetreuung. In der Schlussgruppe liegen Schleswig-Holstein (18,4 Prozent), Niedersachsen (16,2 Prozent) sowie Baden-Württemberg (13,6 Prozent).

Positiv fällt auf, dass in einigen Bundesländern mehr Kinder ab drei Jahren mit Migrationshintergrund eine Ganztagsbetreuung nutzen als Kinder ohne Migrationshintergrund. So besuchen beispielsweise in Nordrhein-Westfalen mehr als 41 Prozent in dieser Altersgruppe mit Migrationshintergrund ganztags eine Kita, aber nur 34 Prozent ohne Migrationshintergrund. Auch in Bayern liegt die Quote von Kindern mit Migrationshintergrund mit über 38 Prozent deutlich über dem Anteil der Kinder ohne Migrationshintergrund (21,5 Prozent).

Ähnlich ist die Situation in Schleswig-Holstein: Dort besuchen 16,6 Prozent der Kinder ohne Migrationshintergrund, aber immerhin 27,5 Prozent mit Migrationshintergrund ganztägig eine Kita. Damit kommen diese Bundesländer der Forderung zahlreicher Experten aus Wissenschaft und Politik nach, dass besonders Kinder mit Migrationshintergrund ganztags gefördert werden – die ganztägige Betreuung biete mehr Zeit für frühe Bildung und den Erwerb der deutschen Sprache.

Die erheblichen Unterschiede bei den Ganztagsangeboten in deutschen Kindertageseinrichtungen hängen insbesondere mit den unterschiedlichen Rechtsansprüchen auf Landesebene zusammen: Der zeitliche Betreuungsumfang ist hier nicht einheitlich definiert. "Wir brauchen einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für jedes Kind - und zwar unabhängig von der Erwerbs- oder Ausbildungssituation der Eltern", fordert deshalb das für Bildung zuständige Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, Dr. Jörg Dräger.

Insgesamt steigt die Nachfrage nach längeren Betreuungszeiten, weil in immer mehr Familien beide Eltern ganztags arbeiten. Gleichzeitig bieten Ganztagsplätze auch mehr Zeit für die frühkindliche Förderung, so dass Bildungsungleichheiten besser abgebaut werden können. Wie viele Ganztagsangebote tatsächlich gebraucht werden, sollte vor Ort entschieden werden. Experten fordern aus bildungs- wie sozialpolitischen Gründen, mindestens die Hälfte der Kitaplätze ganztags anzubieten (12. Kinder- und Jugendbericht). Dieser Zielwert ist bislang in keinem der westdeutschen Bundesländer erreicht.

Grundlage der Auswertungen sind Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik des Jahres 2010. Die Berechnungen hat der Forschungsverbund DJI/TU Dortmund durchgeführt. Der Ländermonitor 2011 ermöglicht einen Gesamtüberblick zur frühkindlichen Bildung in Deutschland.

Rückfragen an: Anette Stein, Telefon: 0 52 41 / 81 81 274
E-Mail: anette.stein@bertelsmann-stiftung.de
Kathrin Bock-Famulla, Telefon: 0 52 41 / 81 81 173
E-Mail: kathrin.bock-famulla@bertelsmann-stiftung.de
Grafiken zum Download finden Sie unter www.bertelsmann-stiftung.de
und www.laendermonitor.de und dort auch detailliertere Informationen

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de
http://www.laendermonitor.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Weiterbildung – für die Arbeitswelt von morgen unerlässlich!
15.02.2018 | Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

nachricht Roboter als Förderer frühkindlicher Bildung – Neues Forschungsprojekt an der Uni Paderborn
07.02.2018 | Universität Paderborn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics