Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Elektronische Schulbuch ist auf dem Weg

21.02.2014
An der Universität Siegen, die selbst auf dem Gebiet engagiert ist, trafen sich führende Wissenschaftler zu diesem Thema, um sich auszutauschen und über ihre Forschungen zu berichten.

Das Buch hat Gewicht, in Gramm gemessen und an Inhalt. Das gilt vor allem für Lehr- und Schulbücher. Bildern sie doch bislang die Basis des Lernens und der Wissensvermittlung. Doch das Buch bekommt allmählich Konkurrenz. Diese spiegelt sich auf Tablet-PCs wider. Immer mehr Inhalte sind online abrufbar. Deren Qualität ist nicht immer zweifelsfrei. Wen wundert es, dass Experten, vor allem Didaktiker, den Blick in eine fundierte mediale Lehr-Lern-Zukunft werfen?

Das Stichwort lautet Elektronisches Schulbuch. „Wir im ZöBiS beschäftigen uns schon länger damit, Lehre über elektronische Lernmittel auszuprobieren. Der gedankliche Schritt bis zum Schulbuch war da nicht weit“, berichtet Prof. Dr. Hans-Jürgen Schlösser vom Zentrum für ökonomische Bildung (ZöBiS) der Universität Siegen. Nur: Die Voraussetzungen sind komplex. Schulbücher obliegen nicht zuletzt der Genehmigungspflicht. Und: Elektronische Schulbücher sollen nicht nur PDFs bisheriger Printvarianten sein, sondern allein aufgrund der Technik mehr Möglichkeiten nutzen und bieten.

Da diese Feld sehr breit ist, luden die Siegener - darunter Prof. Dr. Nils Goldschmidt und Dr. Michael Schuhen - zur Tagung „Das elektronische Schulbuch. Fachdidaktische Anforderungen und Ideen treffen auf Lösungsvorschläge der Informatik“ ein. Experten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum schauten zwei Tage lang in die Klassenräume und Ranzen der Zukunft. Fest steht: Lernen und Lehre werden vielseitiger. Dazu tragen neue Medien bei. Schulbücher könnten zum Auslaufmodell werden. An Elektronischen Lehrbüchern wird unter Hochdruck gearbeitet. Auf breiter Ebene einsatzbereit sind sie indes noch nicht.

Prof. Dr. Nils Goldschmidt als Vorsitzender des Zentrums für ökonomische Bildung und Professor für Didaktik der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Siegen zur Zielsetzung der Tagung: „.Lässt sich das Schulbuch neu denken? – so könnte man knapp das Ziel unserer Konferenz zusammenfassen.“ Schulbücher würden häufig auf bestehenden Print-Grundlagen erneuert. Das Elektronische Schulbuch biete die Möglichkeit, einen klaren Bruch herbeizuführen und tatsächlich neu anzufangen.

Goldschmidt: „Versteht man das elektronische Schulbuch nicht nur als eine praktischere Form, bisher gedruckte Lehr- und Lernmaterialen elektronisch aufzubereiten, sondern als Möglichkeit, Lehr-Lern-Arrangements neu und anders zu strukturieren, wird klar, dass in didaktischer Perspektive das elektronische Schulbuch nicht nur eine neue digitale Soße für bekannte Lehrinhalte und -materialen ist, sondern dass das elektronische Schulbuch, wenn auch vielleicht keine Revolution, so doch zumindest eine Evolution bestehender Schulbuchkonzepte bedeutet.“

Dabei komme es auf die Verschränkung von Technologie und Fachdidaktik an. Schlüsselfragen seien dabei: Welche fachdidaktischen Prinzipien und Konzepte lassen sich vielleicht erstmals im Unterricht durch den Einsatz von Tablet-PCs umsetzen? Wie können Unterrichtsinhalte medial für den Schüler von heute aufbereitet werden? Welche neuen Möglichkeiten gibt es für ,gute Aufgaben‘ in den einzelnen Unterrichtsfächern? Wie können Tablet-PCs einen schüleraktivierenden, interaktiven, differenzierten und handlungsorientierten Unterricht unterstützen?

Experten unterschiedlicher Fächer und Fachgebiete stellten ihren aktuellen Stand der Entwicklung Elektronischer Schulbücher in Siegen vor. Diese reichten vom interaktiven Chemie-E-Book mit Animationen, Simulationen, Anleitungen für Experimente, Raum für eigene Hypothesen und der Möglichkeit, per Mausklick Hilfestellung zu erhalten, bis hin zu Tablet-Technologie außerhalb des Klassenzimmers als personalisierte Lernumgebung mit Einsatz von GPS, Photographie, Zoom und Overlay historischer Karten beispielsweise für Besuche historischer Denkmäler. Das Tablet wird dabei zum ständigen Arbeitsmedium historischen Lernens.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben - nicht selten in Kooperation mit Schulbuchverlagen - den Weg hin zur Entwicklung Elektronischer Schulbücher beschritten. Prof. Dr. Hans-Jürgen Schlösser: „Bereits heute werden Tablet-Computer im Unterricht eingesetzt, aber nur selten und in wenigen Fächern. Die Technologie ist vorhanden - wenn auch (noch) recht teuer. Die Hauptaufgaben, die zu meistern sind, liegen auf dem Gebiet der didaktischen Konzeptionen, der praktischen Umsetzung für Unterricht und der Evaluation. Letztere ist verbunden mit den Fragen: Was wird gelernt, wie wird gelernt, wie ist der Lernerfolg, wie verändert das elektronische Schulbuch die Schule?“

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hans-Jürgen Schlösser, Tel. (0271) 740-3312
Prof. Dr. Nils Goldschmidt, Tel. (0271) 740-3143
Dr. Michael Schuhen, Tel. ( 0271 ) 740 3146

Katja Knoche | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-siegen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI mit neuesten VR-Technologien auf der NAB in Las Vegas

24.04.2017 | Messenachrichten

Leichtbau serientauglich machen

24.04.2017 | Maschinenbau

Daten vom Kühlgerät in die Cloud

24.04.2017 | HANNOVER MESSE