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DFG richtet zwölf weitere Sonderforschungsbereiche ein

19.05.2010
Themen reichen von Lungenentzündung und Stammzell-Selbsterneuerung über Tunnelbau bis zu Gruppen und Geometrien

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zum 1. Juli 2010 zwölf weitere Sonderforschungsbereiche (SFB) ein. Dies beschloss jetzt der zuständige Bewilligungsausschuss auf seiner Frühjahrssitzung in Bonn. Die neuen SFB werden mit insgesamt 112 Millionen Euro (inklusive 20-prozentiger Programmpauschale für indirekte Kosten der Projekte) zunächst vier Jahre lang gefördert.

Forschungsthemen der neu bewilligten SFB sind unter anderem innovative Programmierverfahren, Werkstoffe für Knochenregeneration und die Weiterentwicklung des maschinellen Tunnelbaus. Weitere Inhalte reichen von chronischen Infektionen mit Mikroorganismen über die Verarbeitung sensorischer Prozesse bis zur Selbsterneuerung von Stammzellen.

Fünf der zwölf neuen Verbünde sind SFB/Transregio (TRR), die sich auf mehrere Forschungsstandorte verteilen – darunter auch eine grenzübergreifende Kooperation mit den Niederlanden.

Zusätzlich stimmte der Bewilligungsausschuss für die Verlängerung von elf SFB für jeweils eine zweite vierjährige Förderperiode.

Die DFG fördert damit ab Juli 2010 insgesamt 241 Sonderforschungsbereiche.

Die neuen SFB im Einzelnen (in der Reihenfolge ihrer Sprecherhochschule)

Lungenentzündungen als immer weiter verbreitete Krankheit mit hohem Bedarf an neuartigen Therapien stehen im Fokus des SFB/TRR 84 „Angeborene Immunität der Lunge: Mechanismen des Pathogenangriffs und der Wirtsabwehr in der Pneumonie“. In ihm wollen sich die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einem Konzept befassen, demzufolge Infektion und Entzündung im Gewebe der Lunge spezifischen Regeln folgen. Hierfür sind weitere Kenntnisse über molekulare Abläufe von Abwehrreaktionen notwendig. Neue Forschungen zeigen, dass Entzündungsreaktionen reguliert und sogar zurückgebildet werden können. So könnten Wege für neue Therapiestrategien abseits der bekannten Antibiotika geebnet werden. (Sprecherhochschule: Humboldt-Universität zu Berlin und Freie Universität Berlin als Trägerinnen der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Sprecher: Professor Dr. Norbert Suttorp; weitere antragstellende Hochschulen: Justus-Liebig-Universität Gießen, Philipps-Universität Marburg; außerdem beteiligt: Max-Planck-Institut für molekulare Genetik Berlin, Robert-Koch-Institut, Berlin)

Das Ziel des SFB/TRR 87 „Gepulste Hochleistungsplasmen zur Synthese nanostrukturierter Funktionsschichten“ ist, die wissenschaftlichen Grundlagen für innovative Hochleistungsschichten im Anwendungsfeld der Produktionstechnik und der Funktionsmaterialien zu legen. Durch die Bündelung von Expertisen aus den Bereichen Plasmaphysik/Plasmatechnik und Werkstofftechnik/Oberflächentechnik sollen insbesondere Schichtsysteme mit neuen tribologischen Eigenschaften auf Metallsubstraten sowie Barriereeigenschaften auf Kunststoffsubstraten erforscht werden. Weiterhin sollen die Zusammenhänge zwischen den Werkstoffeigenschaften und den Plasmaparametern untersucht werden. So soll das bislang vorherrschende empirische Vorgehen überwunden und ein physikalisch und chemisch basiertes Prozessverständnis entwickelt werden. (Sprecherhochschule: Ruhr-Universität Bochum, Sprecher: Professor Dr.-Ing. Peter Awakowicz; weitere antragstellende Hochschule: RWTH Aachen; außerdem beteiligt: Universität Paderborn)

Der SFB 837 „Interaktionsmodelle für den maschinellen Tunnelbau“ nimmt seine Forschungen vor dem Hintergrund des zunehmenden Transportaufkommens auf den Straßen auf, das nicht zuletzt zu gestiegenen Anforderungen an unterirdische Tunnelbauten geführt hat. Im Hinblick auf eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Planung und Erschließung solcher Tunnelbauten will der SFB Prognosemodelle, Methoden und Konzepte erforschen. Mit der Verknüpfung der zu erforschenden Teilkomponenten soll eine bessere Bauplanung möglich und die Vortriebssteuerung im maschinellen Tunnelbau unterstützt werden. (Sprecherhochschule: Ruhr-Universität Bochum, Sprecher: Professor Dr. Günther Meschke)

Die genauen Mechanismen der Sinneswahrnehmung bei Wirbeltieren sind der Untersuchungsgegenstand des SFB 874 „Integration und Repräsentation sensorischer Prozesse“. Mit einer systemorientierten neurowissenschaftlichen Strategie sollen anhand von sechs allgemeinen Sinnessystemen wesentliche Aspekte der sensorischen Verarbeitung erforscht werden. Damit wollen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu einem ganzheitlichen Verständnis gelangen, wie sensorische Signale zu komplexem Verhalten und Gedächtnisbildung führen. (Sprecherhochschule: Ruhr-Universität Bochum, Sprecherin: Professor Dr. Denise Manahan-Vaughan)

Mit dem Thema „Invasives Rechnen“ befasst sich der SFB/TRR 89. Unter diesem Begriff soll ein neues Paradigma für den Entwurf und die Programmierung zukünftiger paralleler Rechensysteme erforscht werden. Die Grundidee besteht darin, parallelen Programmen die Fähigkeit zu verleihen, in einer als „Invasion“ bezeichneten Phase Berechnungen auf eine Menge aktuell verfügbarer Ressourcen zu verteilen und nach paralleler Abarbeitung in einer Phase des „Rückzugs“ wieder freizugeben. (Sprecherhochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Sprecher: Professor Dr.-Ing. Jürgen Teich; weitere antragstellende Hochschulen: Karlsruher Institut für Technologie, Technische Universität München)

Ein umfassendes materialwissenschaftliches Konzept für neuartige Implantate ist das langfristige Ziel des SFB/TRR 79 „Werkstoffe für die Geweberegeneration im systemisch erkrankten Knochen“. Mit ihm soll die lokale Bildung eines langzeitstabilen Knochenersatzes bei Osteoporose und malignen Erkrankungen ermöglicht werden. Über die Grundlagenforschung hinaus sind die geplanten Forschungen von unmittelbarer medizinischer Bedeutung, da Knochensubstanzdefekte aufgrund der Altersentwicklung der Bevölkerung und des häufigeren Auftretens der Osteoporose ein zunehmendes gesellschaftliches Problem darstellen. (Sprecherhochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen, Sprecher: Professor Dr. Reinhard Schnettler; weitere antragstellende Hochschulen: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Technische Universität Dresden; außerdem beteiligt: Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg, Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung, Dresden, Leibniz-Institut für Polymerforschung, Dresden, Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe, Dresden)

Um das Verständnis der molekularen Funktion des Chromatins geht es dem deutsch-niederländischen SFB/TRR 81 „Chromatin Changes in Differentiation and Malignancies“. Er setzt sich zum Ziel, die Rolle von Chromatin-Veränderungen bei normalen Zellveränderungen und bei der Entwicklung von bösartigen Tumoren zu untersuchen. Hauptanliegen ist es, die Funktion und die Mechanismen von Chromatin-regulierenden Enzymen während der Entwicklung und Differenzierung von Zellen zu analysieren. (Sprecherhochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen, Sprecher: Professor Dr. Rainer Renkawitz; weitere antragstellende Hochschulen: Erasmus University Medical Center Rotterdam, Sprecher: Professor Dr. Sjaak Philipsen; Philipps-Universität Marburg; außerdem beteiligt: Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung – W. G. Kerkhoff-Institut, Bad Nauheim)

Die Dynamik großer makromolekularer Komplexe ist eine grundlegende Eigenschaft, die von zentraler Bedeutung für deren molekulare und zelluläre Funktion ist. Der SFB 860 „Integrative Strukturbiologie dynamischer makromolekularer Komplexe“ will diese Dynamik bei verschiedenen Komplexen auf Grundlage ihrer dreidimensionalen Strukturen, der Veränderungen der Zusammensetzung und Konformation, der Interaktion mit anderen biologischen Großmolekülen sowie den Veränderungen bezüglich der räumlichen und zeitlichen Lokalisierung in der Zelle untersuchen. (Sprecherhochschule: Georg-August-Universität Göttingen, Sprecher: Professor Dr. Ralf Ficner; außerdem beteiligt: Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie – Karl-Friedrich-Bonhoeffer-Institut, Göttingen)

Vom jüngsten Lebensalter an ist der Mensch von vielen Mikroorganismen besiedelt. In vielen Fällen hat dies keinen Nachteil für den Wirt – jedoch kann es zu schwerwiegenden Erkrankungen kommen, wenn es sich um pathogene Erreger handelt oder der Wirt schon vorher geschwächt war. Der SFB 900 „Chronische Infektionen: Mikrobielle Persistenz und ihre Kontrolle“ widmet sich der Frage, auf welche Weise bestimmte Bakterien und Viren ihre langfristige Persistenz auf dem Wirt etablieren und erhalten. Langfristig soll ein besseres Verständnis der Mechanismen erreicht werden, die der mikrobiellen Persistenz zugrunde liegen, um damit neue therapeutische Angriffspunkte zu ermöglichen. (Sprecherhochschule: Medizinische Hochschule Hannover, Sprecher: Professor Dr. Thomas F. Schulz; außerdem beteiligt: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH, Braunschweig, TWINCORE GmbH Zentrum für experimentelle und klinische Infektionsforschung, Hannover)

Die Entschlüsselung molekularer Steuerungsmechanismen von Selbsterneuerung und Differenzierung adulter Stammzellen ist das übergeordnete Ziel des SFB 873 „Maintenance and Differentiation of Stem Cells in Development und Disease“. Hierfür werden die Kontrollmechanismen der Selbsterneuerung in verschiedenen Modellsystemen untersucht. Die Forschungsschwerpunkte liegen auf den Mechanismen der Stammzell-Selbsterneuerung und der Zell-Zell-Interaktion in der Stammzellnische. (Sprecherhochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Sprecher: Professor Dr. Anthony D. Ho; außerdem beteiligt: Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg)

Der SFB 877 „Proteolyse als regulatorisches Ereignis in der Pathophysiologie“ beschäftigt sich mit Signalwegen im Zellinneren und zwischen Zellen, die durch die irreversible Spaltung von Proteinen ausgelöst werden. Die Erforschung dieser Spaltungsvorgänge soll weiter aufklären, wie Proteinmodifikationen an der Entstehung von Krankheiten beteiligt sind. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen langfristig zu neuartigen therapeutischen Konzepten für die Behandlung von Entzündungskrankheiten, neurodegenerativen Erkrankungen und Krebs weiterentwickelt werden. (Sprecherhochschule: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Sprecher: Professor Dr. Stefan Rose-John; außerdem beteiligt: Universität Hamburg, Forschungszentrum Borstel – Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften, Borstel)

Der Gruppen-Begriff ist von entscheidender Bedeutung in der modernen Mathematik, da sich hierdurch Transformationen und Symmetrien von mathematischen Objekten beschreiben lassen. Geometrische Methoden stellen ebenfalls eine fundamentale Basis für mathematische Gebiete dar, denn viele wichtige Probleme werden zugänglich, wenn man sie in einen geometrischen Zusammenhang bringen kann. Das zentrale Anliegen des SFB 878 „Gruppen, Geometrie und Aktionen“ ist das Zusammenspiel dieser grundlegenden Konzepte, um aktuelle Probleme der Algebra, Zahlentheorie, Topologie, Differentialgeometrie, Stochastik, mathematischen Physik und Logik zu lösen. Der wissenschaftliche Mehrwert des SFB soll im systematischen Transfer von Ideen und Techniken zwischen diesen Gebieten erzielt werden. (Sprecherhochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Sprecher: Professor Dr. Wolfgang Lück)

Weiterführende Informationen
Weitere Informationen erteilen die Sprecher der Sonderforschungsbereiche.
Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle:
Klaus Wehrberger, Leiter der Gruppe Sonderforschungsbereiche, Forschungszentren, Exzellenzcluster

Tel. +49 228 885-2355, Klaus.Wehrberger@dfg.de

Marco Finetti | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/sfb

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