Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG richtet sieben neue Forschergruppen ein

09.12.2011
Themen von europäischen Vergesellschaftungsprozessen bis zur Optimierung von Hörgeräten

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet sieben neue Forschergruppen ein. Dies beschloss der Hauptausschuss von Deutschlands zentraler Forschungsförderorganisation auf seiner Dezember-Sitzung in Bonn. Die Forschungsverbünde sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, sich aktuellen und drängenden Fragen in ihren Fächern zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Wie alle DFG-Forschergruppen werden die neuen Einrichtungen orts- und fächerübergreifend arbeiten.

Das thematische Spektrum der Einrichtungen ist breit gefächert: Eine der neuen Forschergruppen will beispielsweise neue Therapien bei Alkoholabhängigkeit erarbeiten, eine der ingenieurwissenschaftlichen Gruppen entwickelt innovative Konzepte für individualisierte Hörakustik. Die beiden geistes- und sozialwissenschaftlichen Gruppen beschäftigen sich hingegen mit der Relevanz hypothetischer Aussagen für wissenschaftliche Erkenntnisprozesse und europäischen Vergesellschaftungsprozessen.

In den nächsten drei Jahren werden die sieben neuen Forschergruppen circa 14,2 Millionen Euro erhalten; damit fördert die DFG insgesamt 199 Forschergruppen.

Die neuen Gruppen im Einzelnen (alphabetisch nach Sprecherhochschule):

Alkoholbezogene Störungen sind in der Regel durch Fehlverhalten charakterisiert: Die Betroffenen unterliegen ihrer Sucht trotz negativer Konsequenzen und empfinden andere Stimuli als nur wenig belohnend. In der Forschergruppe 1617 „Lern- und Gewöhnungsprozesse als Prädiktoren für die Entwicklung und Aufrechterhaltung alkoholbezogener Störungen” soll daher die Frage beantwortet werden, welche Rolle belohnungsassoziierte Lernmechanismen in der Entwicklung und Aufrechterhaltung alkoholbezogener Störungen spielen. Hierzu werden repräsentative Risikogruppen und an Alkoholabhängigkeit erkrankte Patienten in einer umfassenden Studie untersucht. In Pilotexperimenten erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, welche Lernmechanismen zur Prävention und Behandlung von Alkoholabhängigkeit beitragen können. (Sprecher: Prof. Dr. Andreas Heinz, Charité Berlin)

Die Forschergruppe 1509 „Ferroische Funktionsmaterialien – Mehrskalige Modellierung und experimentelle Charakterisierung“ hat sich zum Ziel gesetzt, eine neue Qualität in der Simulation der unterschiedlichen Feldgrößen in Materialien mit magnetischen und elektrischen Eigenschaften zu erreichen. Dafür wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beispielsweise die Evolution von Mikrostrukturen auf verschiedenen Skalen modellieren und das magneto-elektromechanische Materialverhalten untersuchen. Die Ergebnisse bieten eine umfassende Grundlage für den simulationsbasierten Entwurf von neuen Materialien und Hightech-Bauteilen mit multifunktionellen Eigenschaften. Diese Ziele sollen durch die Bündelung von Kompetenzen aus dem Bereich der Thermodynamik, der computerorientierten Mechanik und der Materialwissenschaft erreicht werden. (Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Jörg Schröder, Universität Duisburg-Essen)

Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf agrarisch genutzte Landschaften? Diese Frage steht im Mittelpunkt der neuen Forschergruppe 1695 „Agrarwirtschaftliche Landschaften im Klimawandel – Prozesse und Resonanz auf einer regionalen Skala“. Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist, in zwei Beispielregionen im Südwesten Deutschlands, dem Kraichgau und der Schwäbischen Alb, die Entwicklung von Agrarlandschaften unter klimatischen Veränderungen besser abschätzen zu können. Dazu soll ein Landsystemmodell entwickelt werden, das verschiedene Modelle aus Atmosphärenforschung, Pflanzenbau und Ökonomie von der Betriebsebene bis zur regionalen Ebene integriert. (Sprecher: Prof. Dr. Thilo Streck, Universität Hohenheim)

Mit „Häm und Häm-Abbauprodukten“ beschäftigt sich die neue Forschergruppe 1738. Häm ist eine gut charakterisierte katalytische Komponente zahlreicher Proteine und besonders bekannt als eisenhaltiger Farbstoff in den roten Blutkörperchen. Häm-Abbauprodukte, wie zum Beispiel Bilirubin und Kohlenmonoxid, wurden bislang in erster Linie als Abfallprodukte und Toxine betrachtet, die der Körper eliminieren muss. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass Häm und Häm-Abbauprodukte auch als zelluläre Signalmoleküle fungieren, die eine Vielzahl von Körperfunktionen beeinflussen. Diese alternativen Funktionen und Signalmechanismen wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem sehr interdisziplinären Verbund aus den Bereichen Neurologie, Intensivmedizin, molekularer Physiologie, Biophysik, Biochemie, Biophotonik sowie synthetischer und analytischer Chemie untersuchen. (Sprecher: Prof. Dr. Stefan H. Heinemann, Universität Jena)

„Was wäre wenn? Zur Bedeutung, Epistemologie und wissenschaftlichen Relevanz von kontrafaktischen Aussagen und Gedankenexperimenten“ lautet der Titel der neuen Forschergruppe 1614. Ziel ist, Auswege aus dem Dilemma zwischen Unverzichtbarkeit von Aussagen über kontrafaktische, also der Wahrheit widersprechende, Situationen einerseits und ihre Fragwürdigkeit andererseits zu finden. Die leitende Frage soll dabei sein, wie sinnvoll das Nachdenken und Sprechen über hypothetische Szenarien für wissenschaftliche Erkenntnisprozesse ist. Um diese Frage zu beantworten, sind unter anderem Grundlagenuntersuchungen zu logischen Aspekten kontrafaktischer Konditionale und zur Methode von Gedankenexperimenten erforderlich. Der interdisziplinäre Forschungsansatz des Projektes soll dazu beitragen, durch die Zusammenführung unterschiedlicher und bislang getrennt voneinander geführter Forschungsdebatten neue Perspektiven auf das Thema Kontrafaktizität zu eröffnen. (Sprecher: Prof. Dr. Wolfgang Spohn, Universität Konstanz)

Die Öffnung bislang weitgehend nationalstaatlich regulierter und begrenzter sozialer Felder steht im Zentrum der Forschergruppe 1539 „Europäische Vergesellschaftungsprozesse. Horizontale Europäisierung zwischen nationalstaatlicher und globaler Vergesellschaftung“. Die europäische Integration führt insbesondere seit den 1990er-Jahren zu einer grundlegenden Transformation der sozialen Beziehungen und der Lebenssituation der Menschen. Daher will die Forschergruppe die soziologische Europaforschung theoretisch weiterentwickeln, indem sie ein Konzept feldspezifischer, konfliktträchtiger „horizontaler“ Europäisierungsprozesse erarbeitet und in ausgewählten Beispielen empirisch unterfüttert. Am Beispiel akademischer, bürokratischer und identitätsbezogener Felder soll ein besseres Verständnis ausgewählter Europäisierungsprozesse, der damit verbundenen Konflikte, ihrer sozialstruk¬turellen Voraussetzungen und ihrer Auswirkungen auf die Muster sozialer Ungleichheit erarbeitet werden. (Sprecher: Prof. Dr. Martin Heidenreich, Universität Oldenburg)

Wie kann man die korrekte Wahrnehmung eines akustischen Signals beim individuellen Menschen und in einer akustisch schwierigen Situation sicherstellen? So lautet die zentrale Fragestellung der Forschergruppe 1732 „Individualisierte Hörakustik“. Kommunikation ist die Grundlage unserer Kultur. Insbesondere Störschall im Alltag beeinträchtigt die akustische Informationsübertragung aber zunehmend, nicht nur für den älteren Teil der Gesellschaft oder die 18 Prozent der Bevölkerung mit Hörschäden. Die verfügbaren technischen Lösungen zur individuellen Unterstützung der Hörwahrnehmung sind in ihrer Zielgruppe und Funktionalität bislang noch stark limitiert. Die Techniken sind weder optimal an die Nutzer noch an die jeweilige Umgebungssituation angepasst. Aus akustischer Sicht lässt sich dies auf bisher ungelöste Störquellen- und Anpassungsprobleme zurückführen. Ziel der Forschergruppe ist daher die Erforschung von Hörmodellen und Algorithmen bis hin zur prototypischen Entwicklung und Evaluation von individualisierten Hörsystemen. Diese sollen die akustische Wahrnehmung in möglichst vielen Situationen für möglichst viele unterschiedliche Benutzer verbessern oder erst ermöglichen. (Sprecher: Prof. Dr. Birger Kollmeier, Universität Oldenburg)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:
Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. +49 228 885-2443, presse@dfg.de
Ausführliche Informationen über DFG-Forschergruppen, Klinische Forschergruppen und Kolleg-Forschergruppen finden sich auch unter:

http://www.dfg.de/foerderung/programme/koordinierte_programme/index.html

Marco Finetti | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/foerderung/programme/koordinierte_programme/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie