Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG richtet neun weitere Sonderforschungsbereiche ein

20.05.2009
Themen reichen von Krebsforschung über Populationswanderung bis zu statistischen Modellen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zum 1. Juli 2009 neun weitere Sonderforschungsbereiche (SFB) ein. Dies beschloss jetzt der zuständige Bewilligungsausschuss der DFG auf seiner Frühjahrssitzung in Bonn. Die neuen SFB werden mit insgesamt 73,6 Millionen Euro für zunächst vier Jahre gefördert. Hinzu kommt eine jeweils 20-prozentige Programmpauschale für indirekte Kosten, die sich aus den Forschungsprojekten ergeben.

Forschungsthemen der neu bewilligten SFB sind unter anderem die Entwicklung wirkungsvollerer Krebstherapien durch bessere Bildgebungsverfahren, die Ausbreitung des modernen Menschen von Afrika nach West-Eurasien und die Erforschung neuer Statistikmodelle, die komplexe Technikprozesse besser modellieren, prognostizieren und steuern können. Weitere Inhalte sind Untersuchungen von Transzendenz und Gemeinsinn in der Gesellschaft und die genauere Erforschung des Mikromilieus von Tumoren. Bei zwei der neun neuen Verbünde handelt es sich um SFB/Transregio, die sich auf mehrere Forschungsstandorte verteilen.

Zusätzlich zu diesen Einrichtungen stimmte der Bewilligungsausschuss auch für die Verlängerung von 31 SFB für jeweils eine weitere Förderperiode. Die DFG fördert damit ab Juli 2009 insgesamt 243 Sonderforschungsbereiche.

Die neuen Sonderforschungsbereiche im Einzelnen:

Die Entwicklung verbesserter Mesotechnologie, dem Bindeglied zwischen der makroskopischen Welt und der Nanotechnologie, ist das Ziel des SFB 840 "Von partikulären Nanosystemen zur Mesotechnologie". Dazu wollen Forscherinnen und Forscher Nanostrukturen anwendungsorientiert, zuverlässig und problemlos reproduzierbar zusammenzusetzen und so neuartig funktionelle mesoskopische Systeme aufbauen. Durch geschickte Kombination maßgeschneiderter makromolekularer Stoffe mit anorganischen Funktionseinheiten sollen neue Systeme erzeugt werden, die für technologische Anwendungen wie zum Beispiel in der Katalyse und Photovoltaik, als schaltbare optische Bandlückenmaterialien oder als mechanisch stabile Leichtbaumaterialien Verwendung finden können. (Sprecherhochschule: Universität Bayreuth; Sprecher: Professor Matthias Ballauff)

Wie lassen sich komplexe Prozesse in Wirtschaft und Technik geeignet und den jeweiligen Sachproblemen angemessen statistisch modellieren, prognostizieren und steuern? Dies will der SFB 823 "Statistik nichtlinearer dynamischer Prozesse" erforschen. Im Fokus der Forschung stehen zeitvariable dynamische Prozesse in den Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften. Dabei beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Zeitskalen unterschiedlichster Auflösung - von Millisekundenskalen in der Blechumformung über den benötigten Minutentakt in der Audiosignalverarbeitung bis hin zu Zeithorizonten von mehreren Jahren in der dynamischen Modellierung von ökonomischen Marktstrukturen. Erstmalig sollen dynamische statistische Modelle durch nichtstationäre Dynamik erweitert werden. Mit innovativen Ansätzen will der SFB somit neue abstrakte Methoden wie auch Lösungen praktischer Anwendungsprobleme entwickeln.

(Sprecherhochschule: Technische Universität Dortmund; Sprecher: Professor Walter Krämer; außerdem beteiligt: Ruhr-Universität Bochum sowie Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, Essen; Université Libre de Bruxelles, Belgien; European Center for Advanced Research in Economics and Statistics, Belgien)

Vor dem Hintergrund aktueller innen- und außenpolitischer Debatten haben sich die Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften in den letzten Jahren wieder verstärkt der Religionsthematik zugewandt. Der neu eingerichtete SFB 804 "Transzendenz und Gemeinsinn" versteht dabei den Begriff Transzendenz auch über seine religiöse Bedeutung hinaus. Forscherinnen und Forscher wollen dabei die analytischen Kategorien von "Transzendenz" und "Gemeinsinn" in Diskurs und Praxis konzeptuell auf neuartige Weise verbinden und ihre gesellschaftliche Wahrnehmung und Auswirkungen untersuchen. Auf diese Weise versuchen sie, eine neue Perspektive zur Klärung der Grundfrage nach den Voraussetzungen, Bedingungen und Ressourcen für die Konstituierung und Stabilität von sozialen und politischen Ordnungen zu gewinnen. (Sprecherhochschule: Technische Universität Dresden; Sprecher: Professor Hans Vorländer; außerdem beteiligt: Università di Torino, Italien; Università degli Studi della Basilicata, Italien; Universität Zürich, Schweiz)

Noch immer gibt es kein Heilmittel gegen HIV oder den Hepatitis B- und C-Virus. Ein besseres Verständnis des Übergangs von akuter Infektion zur chronischen Krankheit dieser drei Viruserkrankungen steht daher im Mittelpunkt des international aufgestellten SFB/Transregio 60 "Interaktion von Viren mit Zellen des Immunsystems bei persistierenden Virusinfektionen: Grundlagen für Immuntherapie und Impfungen". Deutsche und chinesische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen gemeinsam die Interaktion von persistenten Viren und körpereigenen Zellen in sowohl angeborenen als auch adoptiven Immunreaktionen untersuchen. Damit soll erforscht werden, wie es Viren gelingt, den Abwehrmechanismen des Körpers zu entkommen. So wollen sie Grundlagen für neue virusspezifische Immuntherapien und Schutzimpfungen entwickeln, die die Persistenz von Viren reduzieren. (Sprecherhochschule: Universität Duisburg-Essen; Sprecher: Professor Michael Roggendorf; außerdem beteiligt: Ruhr-Universität Bochum sowie Chinese Academy of Science, China; Huazhong Agricultural University, China; Huazhong University of Science and Technology, China; Wuhan University, China; Fudan University, China)

Der SFB 806 "Unser Weg nach Europa: Kultur-Umwelt-Interaktion und menschliche Mobilität im Späten Quartär" beschäftigt sich mit der Mobilität von Populationen in den letzten 190 000 Jahren. Im Mittelpunkt der Forschung steht die Ausbreitung des modernen Menschen von Afrika nach West-Eurasien und im Besonderen nach Europa. Populationsdynamische Ausbreitungsprozesse stellen mit ihrem Austausch von Ideen, Techniken und kulturellem Verhalten dabei eine wichtige Voraussetzung für bedeutende Entwicklungsereignisse dar. Ziel ist es, mit geowissenschaftlichen und archäologischen Methoden zu erforschen, inwiefern menschliches Handeln, das Klima und die Umwelt bedeutende Populationsbewegungen mitbestimmt haben. Dabei soll insbesondere untersucht werden, welche Auswirkungen diese Faktoren auf Aktionen und Reaktionen von Populationen wie Auswanderung, Einwanderung und das Hineinwachsen in eine kulturelle Umwelt hatten. (Sprecherhochschule: Universität zu Köln; Sprecher: Professor Jürgen Richter; außerdem beteiligt: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen; Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Universität Duisburg-Essen sowie Landschaftsverband Rheinland; Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege, Bonn; Neanderthal Museum, Mettmann)

Im Gegensatz zu dem verbreiteten Wissen über diejenigen genetischen Vorgänge, die zur Immortalisierung und Veränderung von Krebszellen führen, werfen die genauen molekularen Vorgänge, durch die das Tumormikromilieu geformt wird, immer noch viele Fragen auf. Der SFB 832 "Molekulare Basis und Modulation der zellulären Interaktionen im Tumormikromilieu" will daher Schlüsselmechanismen aufklären, die das molekulare wechselseitige Aufeinanderwirken von Krebszellen und ihrem Mikromilieu bestimmen. Im Vordergrund steht dabei die Erforschung molekularer Veränderungen in der Architektur, Differenzierung und Beweglichkeit der Zellen im Tumorgewebe sowie die immunologische Zusammensetzung des Milieus eines klinisch sichtbaren Tumors. Neben diesen für die Medizin bedeutenden Forschungsfragen will der SFB langfristig neue Zielstrukturen aufklären, die sich zur Entwicklung neuer therapeutischer oder diagnostischer Verfahren eignen. (Sprecherhochschule: Universität zu Köln; Sprecher: Professor Michael Hallek; außerdem beteiligt: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sowie Max-Planck-Institut für neurologische Forschung, Köln)

Das Einheilungsverhalten und die Langzeitstabilität von Implantaten und Transplantaten verbessern - das will der SFB/Transregio 67 "Funktionelle Biomaterialien zur Steuerung von Heilungsprozessen in Knochen- und Hautgewebe - vom Material zur Klinik". Dazu wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Basis artifizieller extrazellulärer Matrizen neuartige, funktionelle Biomaterialien mit gezielt einstellbaren Eigenschaften entwickeln. Dies soll eine schnelle Heilung ermöglichen - individuell für Anwendungen im Haut- und Knochenbereich und angepasst an die Situation systemisch gesunder sowie unter mehreren Krankheiten leidender Patienten. Die entwickelten Biomaterialien sollen dabei selbstorganisierend in Heilungsprozesse eingreifen können. (Sprecherhochschule: Universität Leipzig; Sprecher: Professor Jan Christoph Simon; außerdem beteiligt: Technische Universität Dresden sowie Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Leipzig; INNOVENT Technologieentwicklung, Jena; Leibniz-Institut für Polymerforschung, Dresden)

Der SFB 824 "Bildgebung zur Selektion, Überwachung und Individualisierung der Krebstherapie" hat zum Ziel, die Erfolge von Krebstherapien mithilfe der Bildgebung zu verbessern. Forscherinnen und Forscher wollen neue Methoden molekularer Bildgebung entwickeln, mit denen man den Erfolg einer Therapie besser voraussagen und die Resultate einer Therapie objektiv und quantitativ erfassen kann. Durch die Forschung soll es möglich werden, nicht nur Tumorgewebe frühzeitig zu erkennen, sondern auch die Effekte einer Therapie anhand biologischer Signale objektiv zu erfassen. Neben Stoffwechselvorgängen im Tumorgewebe werden dabei auch andere zellbiologische Vorgänge wie Proliferation, Gefäßneubildung und Substrattransport adressiert. Darüber hinaus wird die Darstellung von zellbiologischen Signalen benutzt, um die Aggressivität eines Tumors beurteilen zu können. Tracer- und optische Methoden helfen schließlich zur Übertragung der molekularen Bildgebung vom Tierexperiment auf die klinische Situation. (Sprecherhochschule: Technische Universität München; Sprecher: Professor Markus Schwaiger; außerdem beteiligt: Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Helmholtz Zentrum München/Oberschleißheim; Bundesamt für Strahlenschutz, Neuherberg)

Wie entsteht sprachliche Bedeutung? Mit dieser Frage beschäftigt sich der SFB 833 "Bedeutungskonstitution - Dynamik und Adaptivität sprachlicher Strukturen". Die These, dass Bedeutung sprachlicher Ausdrücke grundsätzlich zeitabhängig ist, wollen Forscherinnen und Forscher der Sprach- und Kognitionswissenschaft dabei um einen innovativen Aspekt erweitern. Denn bislang kaum berücksichtigt wurde die Zeitgebundenheit bei der Komposition komplexer Bedeutung. Ziel ist es daher, die Bedeutungsentstehung bei komplexen sprachlichen Strukturen auf der Basis von Wortbedeutung, syntaktischer Struktur und Kontextinformation um eine zeitliche Dimension zu ergänzen. So will es der sprachwissenschaftliche SFB möglich machen, Bedeutung im Prozess ihres Entstehens zu erfassen. (Sprecherhochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen; Sprecherin: Professor Sigrid Beck)

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen erteilen die Sprecher der Sonderforschungsbereiche.

Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle:
Klaus Wehrberger, Leiter der Gruppe Sonderforschungsbereiche, Forschungszentren, Exzellenzcluster, Tel. +49 228 885-2355, Klaus.Wehrberger@dfg.de

Marco Finetti | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/sfb

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise