Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG richtet elf weitere Graduiertenkollegs ein

09.11.2009
Themen reichen von Muskelschwund über nachhaltige Chemie bis zur Bedeutung des Realen und Faktischen in modernen Kulturen / Promovieren auf hohem fachlichen Niveau

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) intensiviert ihre Bemühungen zur Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Der zuständige Bewilligungsausschuss von Deutschlands zentraler Forschungsförderorganisation beschloss jetzt auf seiner Herbstsitzung in Bonn die Einrichtung von elf weiteren Graduiertenkollegs. In ihnen können Doktorandinnen und Doktoranden in einem strukturierten Forschungs- und Qualifizierungsprogramm auf hohem fachlichen Niveau promovieren.

Die neuen Graduiertenkollegs befassen sich unter anderem mit Erkrankungen der Skelettmuskulatur, mit der neuronalen Informationsverarbeitung bei Wahrnehmungsprozessen oder mit grafischen Wahrscheinlichkeitsmodellen und deren komplexen Anwendungen. Serviceorientiertere Softwaresysteme in der Medizin und im Gesundheitswesen beziehungsweise die Verbindung des internationalen Rechts mit der Ökonomik sind die Ziele zweier weiterer Einrichtungen. Ebenfalls im Blick der künftigen Doktorandinnen und Doktoranden sowie der sie betreuenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschafter sind eine "nachhaltige Chemie", Mikrostrukturen im technischen Einsatz und die Bedeutung des Realen und Faktischen in den Kulturen der Moderne.

Zwei der Neueinrichtungen sind Internationale Graduiertenkollegs, in denen die Geförderten eng mit Universitäten in Japan beziehungsweise Frankreich zusammenarbeiten.

Die neuen Graduiertenkollegs werden in der ersten Förderperiode von viereinhalb Jahren mit insgesamt rund 36,8 Millionen Euro gefördert. Zusätzlich zu den elf Einrichtungen beschloss der Bewilligungsausschuss auch die Verlängerung von 16 Graduiertenkollegs für weitere viereinhalb Jahre.

Insgesamt fördert die DFG derzeit 226 Graduiertenkollegs, davon 61 Internationale Kollegs.

Die neuen Graduiertenkollegs im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge der Sprecherhochschule)
Aufgrund weltweit schwindender Rohstoffe ist die Entwicklung grundlegend verbesserter Katalysatoren ein dringliches Forschungsziel. Im Internationalen Graduiertenkolleg "Selektivität in der Chemo- und Biokatalyse" der RWTH Aachen und der Osaka University sollen die Grundlagen für neuartige Umwandlungsprozesse an der Schnittstelle von Chemo- und Biokatalyse erarbeitet werden. Die deutschen und japanischen Forscherinnen und Forscher wollen interdisziplinär Aspekte effizienter Chemo- und Biokatalysatoren sowie integrierter Methoden verbinden, mit dem Ziel, die nachhaltige Produktion chemischer Zwischenstufen und Produkte sicherzustellen. (Sprecherhochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen; Sprecher: Professor Dr. Jun Okuda; Kooperationspartner: Osaka University, Japan)

Viele Skelettmuskelerkrankungen sind in ihren Pathomechanismen bislang nur wenig verstanden. Dies zu ändern ist Ziel des Internationalen Graduiertenkollegs "MyoGrad". Die Charité - Universitätsmedizin Berlin, die Freie Universität Berlin und die Humboldt-Universität zu Berlin wollen darin gemeinsam mit Forscherinnen und Forschern der Université de Paris VI die verschiedenartigen Ursachen für Muskelschwund und Muskelschwäche genauer erforschen und die Forschungsergebnisse für die klinische Anwendung nutzbar machen. Auch die bereits erfolgreiche Kooperation zwischen Berlin und Paris in der Skelettmuskelforschung soll hier noch weiter ausgebaut werden. (Sprecherhochschulen: Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin / Charité Universitätsmedizin Berlin; Sprecherin: Professor Dr. Simone Spuler; Kooperationspartner: Université de Paris VI, Frankreich)

"Serviceorientierte Architekturen zur Integration softwaregestützter Prozesse am Beispiel des Gesundheitswesens und der Medizintechnik" heißt das neue Graduiertenkolleg der Humboldt-Universität zu Berlin und der Technischen Universität Berlin. Forscherinnen und Forscher aus Informatik und Medizin wollen die Beherrschung komplexer Softwaresysteme verbessern. Prinzipien der Serviceorientierung sollen dabei praxisnah erforscht und exemplarisch auf Prozesse der Medizin und des Gesundheitswesens angewendet werden. (Sprecherhochschule: Humboldt-Universität zu Berlin; Sprecher: Professor Dr. Wolfgang Reisig)

Das Graduiertenkolleg "Verarbeitung sensorischer Informationen in neuronalen Systemen" will Konzepte und Methoden aus den Forschungsgebieten maschinelles Lernen, theoretische Neurobiologie und Systemneurobiologie kombinieren, um neuronale Informationsverarbeitung bei Wahrnehmungsprozessen zu untersuchen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der drei Berliner Hochschulen wollen dabei auch Wechselwirkungen zwischen der Verarbeitung sensorischer Reize und kognitiven Prozessen in ihre Forschung einbeziehen und ein neues theoretisches Rahmenwerk zur Untersuchung neuronaler Informationsverarbeitung entwickeln. (Sprecherhochschule: Technische Universität Berlin; Sprecher: Professor Dr. Klaus Obermayer)

"Wert" und "Äquivalent" sind grundlegende Konzepte in allen Gesellschaften. Diese zu erforschen ist Ziel des neuen Graduiertenkollegs der Universität in Frankfurt am Main. Unter dem Titel "Wert und Äquivalent - Über Entstehung und Umwandlung von Werten aus archäologischer und ethnologischer Sicht" wollen die beteiligten Forscherinnen und Forscher aus Archäologie, Ethnologie und weiteren Geisteswissenschaften die beiden Konzepte in ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen von Religion, Politik, Wirtschaft und Kultur interdisziplinär untersuchen. (Sprecherhochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main; Sprecher: Professor Dr. Hans-Markus von Kaenel)

Das neue Graduiertenkolleg "Posttranskriptionelle Regulation der Genexpression - Mechanismen und Rolle in der Pathogenese" an der Universität Halle-Wittenberg verbindet klinische Fragestellungen mit Grundlagenforschung im Bereich der Kontrolle der Genexpression. Forscherinnen und Forscher wollen regulatorische Mechanismen der posttranskriptionellen Kontrolle der Genexpression charakterisieren. Dabei kombinieren sie naturwissenschaftlich orientierte Grundlagenforschung und medizinische Fragen und richten ihren Fokus besonders auf Mechanismen der Krankheitsentstehung. So soll die Rolle verschiedener Ribonukleinsäuren in der Entstehung und Entwicklung von Erkrankungen genauer analysiert werden. (Sprecherhochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Sprecher: Dr. Stefan Hüttelmaier)

Das noch junge juristische Phänomen der Internationalisierung des Rechts mit der Ökonomik verbinden, das wollen Forscherinnen und Forscher der Universität Hamburg. Ziel des Graduiertenkollegs "Ökonomik der Internationalisierung des Rechts" ist es, das Instrumentarium der Ökonomischen Analyse des Rechts auf das Europa- und Völkerrecht und dessen wechselseitige Abhängigkeit mit nationalen Rechtsnormen anzuwenden. Untersucht werden unter anderem drängende Fragestellungen zur optimalen Zuweisung von Nutzungsrechten an international genutzten Ressourcen sowie die Motive und Auswirkungen der Umsetzung und Sanktionierung internationalen Rechts. Damit sollen die Schnittstellen zwischen Ökonomik und Recht gestärkt und eine rechtswissenschaftlich geprägte Weiterentwicklung von ökonomischer Methodik erzielt werden. (Sprecherhochschule: Universität Hamburg; Sprecher: Professor Dr. Thomas Eger)

Grafische Wahrscheinlichkeitsmodelle und ihre komplexen Anwendungen werfen weiterhin zahlreiche offene Forschungsfragen auf. Das Graduiertenkolleg "Spatio / Temporal Probabilistic Graphical Models and Applications in Image Analysis" soll daher räumliche und zeitliche Wahrscheinlichkeitsmodelle erweitern und so neue Forschungsansätze anregen. Forscherinnen und Forscher der Universität Heidelberg wollen dazu Angewandte Mathematik, Informatik und Physik verbinden. Untersucht werden außerdem Anwendungsprobleme der Bildverarbeitung in den Umweltwissenschaften, den Biowissenschaften und in der Industrie. (Sprecherhochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Sprecher: Professor Dr. Christoph Schnörr)

Nachdem in den Geistes- und Kulturwissenschaften die Theoriedebatten lange Zeit von der Sprach-, Zeichen- und Medienzentriertheit unseres Verhältnisses zur Wirklichkeit bestimmt waren und die Selbstreferentialität von Texten und anderen kulturellen Gegenständen betont haben, lässt sich inzwischen ein Unbehagen an der Selbstbezüglichkeit kulturwissenschaftlicher Diskurse und eine neue Hinwendung zur Frage nach dem Realen oder Faktischen beobachten. Die Frage, die in diesem Kolleg die Zusammenarbeit von Literatur- und Medienwissenschaftlern, Philosophen, Soziologen und Wissenschaftshistorikern antreibt, lautet dabei, wie und wo solche Unterscheidungen in der Moderne produktiv wurden und es Kulturen erlaubten, ihre Bezogenheit auf das Reale jeweils zu organisieren und zu reflektieren. Dies soll an Auseinandersetzungen und Konzepten aus der Wissenschaftsgeschichte, der Erkenntnistheorie, in der Kultursoziologie, der Geschichte der Fotografie und der Erzählforschung exemplarisch verfolgt werden. (Sprecherhochschule: Universität Konstanz; Sprecher: Professor Dr. Albrecht Koschorke)

Um das mechanische Verhalten von Materialien mit Mikrostruktur im technischen Einsatz besser simulieren zu können, wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Magdeburg auf dem Gebiet metallischer Festkörper sowie in Systemen fester Partikel, die von Fluiden durchströmt sind, ein tieferes Verständnis der physikalischen Vorgänge erarbeiten. Im Graduiertenkolleg "Mikro-Makro-Wechselwirkungen von strukturierten Medien und Partikelsystemen" sollen dazu Kopplungen zwischen Mikro- und Makroebene detailliert erforscht werden. (Sprecherhochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg; Sprecher: Professor Dr.-Ing. Albrecht Bertram)

Ziel des Graduiertenkollegs "Chemische Fotokatalyse" ist es, eine breite Nutzung von Sonnenenergie für chemische Reaktionen zu ermöglichen. Dazu sollen an der Universität Regensburg spezielle chemische Fotokatalysatoren entwickelt werden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen damit einen wichtigen Beitrag im Hinblick auf eine "nachhaltige" Chemie und bessere Möglichkeiten zur Energieeinsparung jenseits von Methoden der Fotosynthese oder fotovoltaischen Systemen leisten. (Sprecherhochschule: Universität Regensburg; Sprecher: Professor Dr. Burkhard König)

Weiterführende Informationen
Mehr zu den Graduiertenkollegs unter:
www.dfg.de/gk/
Ansprechpartnerin in der DFG-Geschäftsstelle:
Dr. Annette Schmidtmann
Leiterin der Gruppe Graduiertenkollegs, Graduiertenschulen, Nachwuchsförderung
Tel. +49 228 885-2424
Annette.Schmidtmann@dfg.de

Marco Finetti | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/gk/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten