Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG richtet acht neue Forschergruppen ein

15.03.2013
Themen von Arithmetik bis Zellprozesse / 15,8 Millionen Fördermittel für zunächst drei Jahre

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet acht neue Forschergruppen ein. Dies beschloss der Senat der DFG in seiner März-Sitzung 2013 in Bonn. Die Verbünde ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren.

Wie alle DFG-Forschergruppen werden die neuen Einrichtungen orts- und fächerübergreifend arbeiten. Die acht nun eingerichteten Forschergruppen werden in einer ersten Förderperiode in den kommenden drei Jahren insgesamt circa 15,8 Millionen Euro erhalten. Die DFG fördert damit nun 218 Forschergruppen.

Die neuen Forschergruppen im Einzelnen (alphabetisch nach Sprecherhochschule):

Die Forschergruppe „Struktur und Funktion des peroxisomalen Translokons (PerTrans)“ befasst sich mit zellulären Organellen und speziell mit dem intrazellulären Proteintransport, der hohe Bedeutung für die menschliche Gesundheit hat. Bei ihm unterscheidet sich der Proteinimport in Peroxisomen dabei wesentlich von dem in andere Organellen. Diese Zellorganellen nehmen auch gefaltete Proteine auf, und die Import-Rezeptoren wechseln zwischen einer gelösten Form in der Organelle und einer an die Membran gekoppelten Transport-Form. Die Forschergruppe will nun die Struktur- und Funktionsanalyse der Proteinimport-Maschinerie in Peroxisomen, des sogenannten Translokons, um einen neuen Mechanismus des Proteintransports aufklären. Davon versprechen sich die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem ein verbessertes molekulares Verständnis beispielsweise von Defekten, die durch fehlerhafte Reifung entstehen. In der Forschergruppe wird auch ein Team aus Oxford, Großbritannien, mitarbeiten.
(Sprecher: Prof. Dr. Ralf Erdmann, Ruhr-Universität Bochum)

Wer die Erdgeschichte erforschen will, betrachtet oft Karbonate. Denn diese Gesteinsarten eignen sich besonders gut, um die physikalische und chemische Entwicklung von Ozeanen, Atmosphäre und Klima nachzuvollziehen. Doch Karbonate verändern sich auch nach ihrer Ablagerung noch. Um die Messungen genauer zu machen und mithin die Erdgeschichte besser rekonstruieren zu können, ist es das Ziel der Forschergruppe „CHARON: Marine Carbonate Archives: Controls on Carbonate Precipitation and Pathways of Diagenetic Alteration“, die Veränderungsprozesse der Karbonate zu verstehen und zu quantifizieren. Damit wollen die Forscherinnen und Forscher aus verschiedensten Fachrichtungen der Naturwissenschaften und auf einer breiten Basis analytischer Methoden die bislang oft empirischen und qualitativen Ansätze durch grundlagenwissenschaftliche Erkenntnisse ersetzen. Als internationaler Partner arbeitet ein Team aus Graz, Österreich, in der Forschergruppe mit.
(Sprecher: Prof. Dr. Adrian Immenhauser, Ruhr-Universität Bochum )

Den Kohlenstoffzyklus im Unterboden untersucht die Forschergruppe „The Forgotten Part of Carbon Cycling: Organic Matter Storage and Turnover in Subsoils (SUBSOM)“. Denn ab einer Tiefe von 30 Zentimetern liegt mehr Kohlenstoff im Boden als bislang angenommen. Viele Prozesse, die in den oberen Bodenschichten gut bekannt sind, erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun im Unterboden: Die Menge und Zusammensetzung der Kohlenstofflager, Belüftungs-, Feuchtigkeits- und Temperaturverhältnisse, Schwefelkonzentrationen oder physiko-chemische und biologische Parameter. Die geringen und räumlich und zeitlich stark variierenden Kohlenstoff-Konzentrationen im Unterboden stellen dabei besondere Herausforderungen an Methoden, Messinstrumente und Analytik. Die Untersuchungen sollen nicht nur zu einem besseren Verständnis der Prozesse des Kohlenstoffflusses im Unterboden führen, sondern bilden auch die Basis für entsprechende Computermodelle.
(Sprecher: Prof. Dr. Bernd Marschner, Ruhr-Universität Bochum)

Krebserkrankungen des lymphatischen Systems verlaufen sehr unterschiedlich, sind schwer zu diagnostizieren und haben oft schlechte Heilungsaussichten. Die Forschergruppe „Mature T-cell Lymphomas – Mechanisms of Perturbed Clonal T-cell Homeostasis“ versucht, die Entstehung sogenannter „Reifer T-Zell-Lymphome“ besser zu verstehen und führt dabei Immunologie und Tumorbiologie zusammen. Das Kooperationsprojekt betrachtet dazu genetische Veränderungen, biologische Signalwege und die Immunologie dieser Erkrankung. Hierbei kommen sowohl modernste Labormethoden als auch mathematische Modelle zum Einsatz. Die Erkenntnisse versprechen nicht nur ein besseres Verständnis „Reifer T-Zell-Lymphome“, sondern auch generell der Entstehung von Lymphomen und der Immunologie von T-Zellen.
(Sprecher: Prof. Dr. Martin-Leo Hansmann, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a. M.)

„A New Approach toward Improved Estimates of Atlantic Ocean Freshwater Budgets and Transports as Part of the Global Hydrological Cycle” heißt eine neu eingerichtete Forschergruppe aus dem Bereich der Geowissenschaften. In dem Projekt arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Ozeanografie, der Atmosphärenphysik und -chemie sowie der Luft-Wasser-Interaktion gemeinsam an der Analyse und dem Verständnis der Frischwasserflüsse im Atlantik als einem der Schlüsselgebiete für das Weltklima. Zentrale Fragen werden sein, wie und wie stark der obere Atlantik und das Meereis den weltweiten Wasserzyklus beeinflussen. Dazu betrachtet die Gruppe Prozesse wie Verdunstung, Niederschlag oder Eisschmelze mit modernen Beobachtungs- und Satellitentechniken, aber auch numerische Modelle werden eingesetzt. kommen zum Einsatz.
(Sprecher: Prof. Dr. Detlef Stammer, Universität Hamburg)

Die Forschergruppe „Symmetrie, Geometrie und Arithmetik“ behandelt aktuelle Fragestellungen aus dem Gebiet der modernen Arithmetik. Ein wichtiges und zentrales Thema ist hier die Untersuchung absoluter Galoisgruppen und ihrer Verallgemeinerungen. Diese kodieren in feiner Weise arithmetische Information, die durch das Studium dieser Gruppen und ihrer Darstellungen extrahiert werden kann. Die Heidelberger und Darmstädter Mathematikerinnen und Mathematiker hoffen, durch die geplante enge Verzahnung von motivischer Homotopietheorie, Deformationstheorie, Iwasawatheorie, Theorie der automorphen Formen und L-Funktionen aus neuen Einsichten in einem dieser Teilgebiete interessante Rückschlüsse auf die jeweils anderen Gebiete zu ziehen, was einer zeitgemäßen Vision und einem modernen Verständnis mathematischer Grundlagenforschung entspricht.
(Sprecher: Prof. Dr. Alexander Schmidt, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)

Die Forschergruppe „Natur in politischen Ordnungsentwürfen: Antike – Mittelalter – Frühe Neuzeit“ untersucht die Darstellung und Funktionalisierung von Naturvorstellungen zur Begründung politischer Ordnungen und ihrer Geltungsansprüche. Das Projekt ist über verschiedene Epochen und Kulturräume angelegt und führt Perspektiven aus Philosophie, Theologie, Latinistik, Kunstgeschichte, Geschichte, Wissenschaftsgeschichte, Rechtsgeschichte, Politik- und Literaturwissenschaft zusammen. Sein Ziel ist es, Konzeptualisierungen von Natur in ihrer politisch-gesellschaftlichen Dimension als historischen Gegenstand neu zu konturieren.
(Sprecher / Sprecherin: Prof. Dr. Andreas Höfele und Prof. Dr. Beate Kellner, Ludwig-Maximilians-Universität München)

Das zyklische Nukleotid Guanosinmonophosphat (cGMP) spielt als Botenstoff in vielen biologischen Systemen wie den Blutgefäßen, dem Herz, Neuronen oder sensorischen Zellen eine wichtige Rolle. Die Forschergruppe „cGMP Signaling in Cell Growth and Survival“ untersucht mithilfe von Mausmodellen und zell- und molekularbiologischen Methoden, welche konkreten Auswirkungen eine Fehlregulation des Botenstoffes zur Folge hat. Hierzu werden unter anderen fluoreszenz-basierte cGMP-Sensoren entwickelt, mit deren Hilfe kleinste Änderungen des Botenstoffes räumlich und zeitlich dargestellt werden können. Da cGMP wesentliche Prozesse wie den Ionentransport in Niere und Darm, die Funktionsweise der Muskulatur oder der Sehzellen reguliert, haben die Forschungen auch für die Klinik eine hohe Relevanz.
(Sprecher: Prof. Dr. Robert Feil, Eberhard-Karls-Universität Tübingen)

Zusätzlich zu den acht nun eingerichteten Forschergruppen kann eine weitere Forschergruppe die Arbeit aufnehmen, die von der DFG gemeinsam mit dem österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und dem Schweizer Nationalfonds (SNF) gefördert wird. Der DFG-Senat hatte die Forschergruppe bereits im Dezember 2012 bewilligt, inzwischen sind auch die Bewilligungen durch die beiden Partnerorganisationen erfolgt. In dem Verbund mit dem Titel „Advanced Computational Methods for Strongly Correlated Quantum Systems“ geht es um die Untersuchung stark korrelierter Mehrteilchen-Quantensysteme anhand von neuen, sehr genauen numerischen Methoden. Diese verspricht nicht nur ein besseres Verständnis der Physik dieser Systeme, sondern auch mögliche Anwendungen in anderen Forschungsfeldern, etwa in der Materialphysik oder in den Nanowissenschaften. Für die Forschergruppe „Advanced Computational Methods for Strongly Correlated Quantum Systems“ steht die Entwicklung eines numerischen Instrumentariums auf Basis moderner Computertechnologien im Mittelpunkt, das neben den speziell betrachteten quantenphysikalischen Zuständen stark korrelierte Quantensysteme generell besser als bislang möglich beschreibt.
(Sprecher: Prof. Dr. Fakher Fakhry Assaad, Julius-Maximilians-Universität Würzburg)

Weiterführende Informationen
Medienkontakt:
Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG,
Tel. +49 228 885-2443, presse@dfg.de

Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der eingerichteten Gruppen.

Zu DFG-Forschergruppen und Klinischen Forschergruppen siehe auch: www.dfg.de/foerderung/programme/koordinierte_programme

Cornelia Lossau | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de
http://www.dfg.de/foerderung/programme/koordinierte_programme

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten