Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG bewilligt Schwerpunktprogramm

20.04.2011
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ein bundesweit ausgerichtetes und an der TU Kaiserslautern sowie der Universität des Saarlandes koordiniertes Schwerpunktprogramm bewilligt.

Koordinator des Programms mit dem Titel "Ultraschnelle und zeitlich präzise Informationsverarbeitung im normalen und funktionsgestörten Hörsystem" ist Professor Eckhard Friauf vom Fachbereich Biologie der TU Kaiserslautern, zusammen mit Professorin Jutta Engel von der Universität des Saarlandes/Homburg. Das Schwerpunktprogramm hat einen Finanzumfang von 2,1 Millionen Euro pro Jahr.

Hörstörungen, also der vollständige oder teilweise Verlust des Hörvermögens, stellen die häufigste Sinnesstörung bei Menschen dar; zurzeit sind ca. 14 Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Während Mittelohrbasierter Hörverlust gut behandelt werden kann, gibt es noch keine ursächliche Behandlungsmöglichkeit für sensorineurale Schwerhörigkeit, die das Innenohr und/oder den Hörnerv betrifft. Die Qualität der prothetischen Versorgung der sensorineuralen Schwerhörigkeit durch Hörgeräte und Cochlea- und Hirnstammimplantate ist unbefriedigend. Selbst wenn diese Hörprothesen unter Optimalbedingungen Sprachverständnis ermöglichen, werden zeitliche Aspekte der auditorischen Signale unzureichend übermittelt, wodurch es zu stark beeinträchtigter Spracherkennung, Problemen bei der Signal-Rausch-Unterscheidung und großen Problemen bei der Schalllokalisation kommt.

Im Mittelpunkt des neuen Schwerpunktprogramms steht die Frage, wie zeitliche Genauigkeit beim Hören, die erstaunlicherweise im Mikrosekundenbereich abläuft, durch die zugrundeliegenden molekularen und zellulären Strukturen sowie die neuronalen Schaltkreise generiert wird. Diese Substrate sollen identifiziert und dann ihre Funktion und Fehlfunktion im peripheren wie auch im zentralen auditorischen System entschlüsselt werden. Sowohl normale als auch funktionsgestörte Hörmechanismen werden angesprochen, wodurch Grundlagenforschung unmittelbar mit krankheitsorientierter Forschung verknüpft wird. Die beteiligten Forscher werden ihre Arbeiten auf das Innenohr, den Hörnerv und den auditorischen Hirnstamm fokussieren, bis hinauf zum Mittelhirn. Die Forschung wird vornehmlich an Säugetieren durchgeführt, einschließlich Menschen.

Ziel ist es, ein umfassendes Wissen von den Mechanismen zu gewinnen, die ultraschnelle Informationsverarbeitung mit hoher Präzision ermöglichen, mit dem Zweck, ein fundamental verbessertes Verständnis über die Ursachen von Hörstörungen sowie Ansätze für bessere therapeutische Maßnahmen zu erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, wird das Schwerpunktprogramm renommierte und junge Kollegen aus der Physiologie, Anatomie, Human- und Mausgenetik, Computational Neuroscience und Verhaltensbiologie vernetzen, die bislang nicht an solch einer Initiative beteiligt waren. Das Schwerpunktprogramm wird ihre Kernkompetenzen bündeln und enge, synergistische Interaktionen zwischen Experten aus unterschiedlichen Disziplinen sicherstellen. Die Forscher werden ein breites Repertoire an hochmodernen und innovativen Technologien einsetzen (zellspezifische Cre-Linien, virale Genapplikation, Next Generation Sequenzierung, hochauflösende Mikroskopie). Einige der neuen Spitzentechnologien sollen etabliert und dem Konsortium verfügbar gemacht werden.

Da das junge Feld "Kampf gegen Sinnesstörungen" sich rasch entwickelt und die Häufigkeit von Hörstörungen drastisch zunimmt, ist es zeitgemäß, sich in einem interdisziplinären nationalen Forschungsprogramm zu vereinen. Solch ein Schwerpunktprogramm ist auch von großer Bedeutung, um die wichtige internationale Rolle der deutschen Wissenschaft auf diesem Gebiet zu stärken.

Die DFG richtet 2011 insgesamt 13 neue Schwerpunktprogramme ein. Sie sollen die in Deutschland und darüber hinaus vorhandene wissenschaftliche Expertise zu besonders aktuellen oder sich gerade bildenden Forschungsgebieten vernetzen. Ferner sollen sie den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern.

Die 13 neuen Schwerpunktprogramme wurden aus insgesamt 57 eingereichten Konzepten ausgewählt. Für sie stehen im ersten Förderjahr insgesamt circa 24 Millionen Euro und in der ersten Förderperiode (drei Jahre) gut 70 Millionen Euro zur Verfügung. Die Schwerpunktprogramme der DFG arbeiten in der Regel sechs Jahre. Mit den nun bewilligten 13 Einrichtungen fördert die DFG ab 2012 insgesamt 80 SPP.

Kontakt:

Prof. Dr. Eckhard Friauf
TU Kaiserslautern
Lehrgebiet Tierphysiologie
Tel.: 0631/205-2424
E-mail: eckhard.friauf@biologie.uni-kl.de
http://www.uni-kl.de/FB-Biologie/AG-Friauf

Thomas Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kl.de
http://www.uni-kl.de/FB-Biologie/AG-Friauf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Neues Computerprogramm hilft bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
13.11.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Schulraum in Stuttgart mit VLC-Technologie vom Fraunhofer HHI eröffnet
03.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, HHI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie